Das Hitzesitzen

Als es nicht ruhig war.

Es ist alles andere als ruhig. Auf einem Balkon spielt jemand Akkordeon, seine Nachbarn versuchen, es mit einem französischen Radiosender zu übertönen. Ich sitze in der Hitze der ganzen 20 Grad Celsius, die uns versprochen und auch eingehalten werden.

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Das Erdreich

Als ich versuchte, zu helfen.

Ich arbeite wieder im Garten, finde es mühsam und fühle mich, als würde ich keinen Meter vorankommen. Der Boden ist frisch aufgebrochen, ich kämpfe gegen das Gras, das sich dort breitgemacht habe. Als ich aufblicke, sehe ich, dass eine Amsel neben mir gelandet ist.

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Die Gedrücktheit

Als das Wochenende grau anfing.

Es ist dunkel. Oder eher: düster. Also, das Wetter ist grau, aber es sind eher die Nachrichten und die Stimmung. Es schleift dann doch so langsam, vor allem mit der Aussicht, wie lang es noch daueren könnte. Mit der Aussicht, keine Aussicht zu haben.

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Die Nichtverbesserung

Als ich den Garten bestellte.

Ich weiß nicht, ob es schlimmer geworden ist, aber es ist immer noch da. Am Mittagstisch rede ich darüber und muss in erschrockene Gesichter sehen, die ich gleich wieder trösten will. Ich bin nicht der Meinung, dass ich etwas dagegen tun kann, so direkt, aber ich werde aufgeklärt, dass dem nicht so ist.

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Die Blütenvorfreude

Als ich mit dem falschen Fuß aufstand.

Ich habe schon schlechte Laune, als ich aufstehe. Möglicherweise liegt es wieder einmal daran, dass ich zu wenig Schlaf bekommen habe, woran ich jedoch definitiv selbst Schuld bin. Ich könnte auch länger schlafen, wäre da nicht eins dieser Video-Meetings, die jetzt alle immer ständig haben wollen. Ich lerne, wie ich meinen Hintergrund im Video ändern kann, was zwar lustig, jedoch eher nutzlos ist.

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Die Kribbellosigkeit

Als es nicht kribbelte.

Meine Hände kribbeln nicht. Ich kann mich nicht erinnern, wann das verschwunden ist, vermutlich irgendwann mit dieser ganzen Isolation, die so isoliert gar nicht ist. Es ist nicht zurückgekommen, auf jeden Fall nicht so heftig wie in den Wochen davor. Diese Zugfahrt, während der ich es nicht aushielt, platzen oder zumindest schreien wollte, sie wirkt immer mehr wie ein Traum und nicht wie die Realität. Aber Zugfahrten, in Zügen voll mit Menschen wirken dieser Tage ohnehin wie ein Traum.

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Der Stillstand

Als ich nicht weiterkam.

Das Aufstehen fühlt sich noch schlechter an als die letzten Tage, und mir kommt vor, als läge es nicht nur an dem selbstverschuldeten Mangel an Schlaf, sondern auch an diesem Mini-Jetlag, den ich für die nächsten dreiundzwanzig Wochen mit mir herumschleppen werde. Möglicherweise stimmt das auch nicht, und ich bin ganz alleine selbst Schuld, aber ich gebe gerne anderen die Schuld, in dem Fall dieser vermaledeiten Zeitumstellung. Es ist der Beginn der dritten Woche, und langsam wünsche ich mir wieder, an einer Bushaltestelle zu stehen und mich zu ärgern, dass der Bus nicht kommt.

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Die Mondsichel

Als ich für fünf Minuten alleine war.

Ich genieße den Tag auf irgendeine Art und Weise tatsächlich. Vielleicht, weil ich mich trotz der Menschen um mich herum teilweise alleine fühle, als wäre das in diesen Zeiten ein gutes, erstrebenswertes Gefühl. Es bleibt wieder zu lange hell, weil wir diese Sache mit der Zeitumstellung immer noch nicht geregelt haben. Ich hasse es, mein Körper ist für solche Strapazen nicht ausgelegt. Immerhin wird mir dieser Tage ein späteres Aufstehen leichter verziehen als noch vor einem Jahrzehnt.

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