Die Idylle

Als ich durch Dörfer fuhr.

Das Lachen hört nicht auf. Ich erkenne, wie merkwürdig meine Feststellung geklungen haben muss, wie selbstverständlich sie war. Natürlich die die Person, die wir einst Ruth nannten, nicht P. Sie tut jetzt so, als habe sie das nicht selbst in den Raum gestellt, als hätte sie nicht von einem großen Streit gesprochen.

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Die Filterkaffeemaschine

Als ich den Blick zuwandte.

„Schau mich an.“
Ich blicke stur weiter in den Himmel, der tatsächlich lila wurde. Ich möchte meine Gedanken darauf konzentrieren, mich zu fragen, ob das heißt, dass die Sonne bald aufgeht.
„Na los. Trau dich.“
Ich weiß ganz genau, dass ich mich nicht trauen sollte. Aber der Himmel ist so undankbar, er ist einfach nur ein Stück Pappe, das ungleichmäßig und ohne große Lust und Mühe eingefärbt wurde. Ich sehe ganz genau, dass er nur Kulisse ist, dass es sich nicht um einen echten Himmel handelt. Außerdem ist es noch immer kalt.

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Die Versenkung

Als ich mein Schweigen brach.

„Dein Schweigen wird dich nicht retten.“
Die Worte der Person, die wir einst Ruth nannten, sind wie gewohnt hart. Sie genießt es sichtlich, mich vorzuführen. Ich weiß nur nicht, wer das beobachten soll, denn wir sind alleine an diesem merkwürdigsten aller Orte. Es ist immer noch so kalt, ich kann gar nicht wirklich damit umgehen, denn mehr als meine Hände tief in die Jackentaschen zu stecken und nervös das Gewicht von einem Bein auf das nächste zu verlagern, kann ich auch nicht tun.

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Der Lakritzlikör

Als ich ein schwarzes Getränk zu mir nahm.

Vielleicht sind das die Momente, in denen ich das Konzept „chosen familiy“ mehr verstehe als sonst. Möglicherweise ist es aber auch der Lakritz-Wodka (er heißt Salmiakki Koskenkorva), der da aus mir spricht. Ein Getränkt, das niemand mit mir trinken möchte, was ich überhaupt nicht verstehe. Dabei ist die Flasche so schön gestaltet, dass ich sie viel öfters hochheben möchte. Aber wenn niemand mit mir trinkt, muss ich das wohl sein lassen. Der Abend und der darauffolgende Morgen sind dennoch sehr angenehm. Zu einem Zeitpunkt schmerzt mein Mund vor Lachen, und ich wünsche mir beinahe, das könnte immer so sein.

weekend reading 43

Als ich schnell ein paar Links postete.

Diese Woche werden es nicht viele Links. Die Texte waren in den letzten Tagen schon knapp, und so soll es auch heute sein. Ich habe mich diese Woche mit Umweltthemen beschäftigt, zum Beispiel dem „Ministère de la Croissance“, das eine Umweltschutz-NGO in Luxemburg erfunden hat, um die wachstumszentrierte Wirtschaftspolitik der Regierung anzukreiden. Und dann war ich auch mal wieder auf eine Pressekonferenz, nämlich der zum Aktionsplan für Bestäuberinsekten.

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Das Eintopfkochen

Als ich einen Eintopf machte.

Ich weiß nicht, warum ich das in letzter Zeit so schwierig finde. Ich habe es geschafft, eine große Suppe zu kochen, einen meiner berühmten Eintöpfe, die ich in der Winterzeit so sehr liebe, da müsste ich es doch auch schaffen, einen Text zu schreiben? Ich habe Lauch geschnitten, und Rosenkohl, und Brokkoli und versucht, nicht dran zu denken, dass da noch viel mehr Gemüse wäre, das auf mich wartet.
Aber es wartet nicht nur Gemüse am Ende des Kühlschranks.

Das Durchatmen

Als ich einmal Atmen musste.

Ich hätte Zeit gehabt, aber ich habe sie mir nicht genommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich einmal mehr viel zu viel herumgefahren bin und es mir keinen Spaß macht, weil es hier immer noch keine U-Bahn gibt, was ja auch überhaupt keine gute Idee wäre. Jetzt habe ich keine Lust mehr, weil es schon spät ist. Möglicherweise ist es auch in Ordnung, an manchen Tagen zumindest am Abend einfach tief durchzuatmen, wenn es schon den ganzen Tag über nicht ging.

Das Schweigen

Als ich nichts sagte.

„Hat das eigentlich aufgehört, mit den Menschen, in denen du P. wiedererkennst?“
Ich schweige nur. Fast möchte ich sagen, dass ich mein heiliges Recht, die Aussage zu verzweigern, wahrnehme, aber das muss ich nicht. Ich denke an Marshmallows und daran, was für ein komisches Wort sie sind. Wenn ich nicht darüber nachdenke, gibt es keine Antwort für die Person, die wir einst Ruth nannten. Wenn ich nicht darüber nachdenke, existiert das Problem nicht. Wenn ich jede Möglichkeit, es anzusprechen, elegant umschiffe und warte, bis sich das Thema von selbst wechselt, muss ich niemals darüber reden. Ich kann einfach für immer zwischen diesem unmöglich hohem Gras stehen und schweigen.

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