Der Regenpfirsisch

Als ich das Obst aß.

Ich beiße in den Pfirsich. Es regnet, und die Tropfen fühlen sich kalt und scharf auf an meiner Haut. Der nasse Betonboden liegt voll mit Rosenblättern, die es nicht mehr geschafft haben. Mir gegenüber steht immer noch die Person, die wir einst Ruth nannten, und lächelt mich an. So freundlich, als habe es ihren Zynismus, mit dem sie Selbsterkenntnis aus mir herauskitzeln wollte, nie gegeben. Der Pfirsich schmeckt genauso süß und saftig wie er gerochen hat, was ein wahrhaftiges Wunder ist, hat die Person, die wir einst Ruth nannten, ihn doch von einem Quittenbaum gepflückt, der zudem zu diesem Zeitpunkt noch in voller Blüte stand.

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Die Ansage

Als es auf das Wellblechdach tropfte.

Der Regen kommt mit Ansage. Ich sitze gerade in der Laube und esse meine Nudelreste, von denen ich jetzt drei Mahlzeiten lang essen konnte. Erst wird es immer dunkler, ein schneller Wind weht, im Hintergrund ist bereits Donnern zu hören, ehe dann endlich die ersten Tropfen auf dem Wellblechdach zu hören sind.

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Der Hitzeeinbruch

Als mir heiß war.

Ich sitze in der Sonne und finde es zu warm. Auf einmal ist es so geworden, obwohl es seit Monaten angenehme Temperaturen hatte, die ich eigentlich das ganze Jahr über vertragen könnte. Nun muss ich in der Nacht das Fenster aufmachen, weil ich mich sonst nicht konzentrieren kann und dieses merkwürdige Ganzkörpergefühl von Hitze habe. Von draußen zieht aber wenig Kälte, aber vor allem Geräusch herein.

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Der leere Kopf

Als ich ging.

Ich gehe wieder spazieren oder wandern – keine Ahnung, wie ich das nennen soll, vielleicht einfach „hiking“? – und obwohl ich beinahe so weit gehe wie beim letzten Mal, wo ich einfach nur müde und fertig war, fühle ich mich danach viel besser, weniger kaputt. Eventuell gewöhne ich mich daran, in meinem Kopf formuliere ich bereits mittel- und langfristige Ziele. Es ist so erstaunlich, wie wenig ich denken muss, während ich unter den Bäumen gehe, an Feldern vorbeiziehe und auch mal durch eine Ortschaft komme.

Dabei gäbe es genug zum denken.

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Das Mondlicht im See

Als ich an die Seenächte zurückdachte.

Es ist ein ruhiger, sonniger Tag, von dem ich zu viel vor einem Bildschirm verbringe. Im Endeffekt macht das nicht, weil ich den Rest der Zeit in der Gartenlaube sitze und lese oder esse oder rauche und am Ende des Tages trinke ich ein Bier, zu dem ich eigentlich Musik hören müsste, aber mir ist nicht nach Festival. Mir war noch nie nach Festival. Eigentlich sollte ich am See sitzen und die Nervosität und addierte Müdigkeit des letzten Abends spüren. Vielleicht würde ich auch dort ein Bier trinken, aus dem Automaten, der langsam arbeitet.

Ich würde in dem Zelt stehen und vielleicht sogar eine Runde tanzen, wenn dieses eine Lied spielt und für den Rest würde ich herumspazieren und mich fragen, was ich da eigentlich genau mache, in dieser Einsamkeit unter all diesen lieben Menschen. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich mir das Herz gebrochen habe in der Annahme, irgendetwas könnte passieren. Aber irgendwann ist ja tatsächlich etwas passiert und bis heute begreife ich nicht, wie das sein konnte.

Über uns war der Mond, neben uns der See.

Einmal konnte ich in der letzten Nacht nicht schlafen und konnte den Sonnenaufgang am See fotografieren, den ich in der Hoffnung, es könnte noch einmal etwas passieren, hunderte Kilometer gen Osten schickte. Meistens ging ich zu früh von der Party in diesem Zelt schlafen, mit meiner Wärmeflasche und trat dann frühmorgens die Reise über den See wieder an.

Wie gerne ich wieder auf diesem Schiff wäre.

Die Bleidecke

Als ich sehr müde war.

Ich bin so müde, aber es ist eine gute Müdigkeit. Ich habe mich selbst gezwungen, weil ich aus irgendeinem Grund Ambitionen entwickelt habe, die ich selbst nicht ganz verstehe. Jetzt fühlt sich jede Gliedmaße an wie aus Stein und jede Nachricht, die ich beantworten soll, ist ein mehrschichtiges Rätsel. Eine schwere Decke liegt über mir. Ich will noch einmal in den Garten und den Himmel zu den Sternen recken, auch wenn es schmerzt, ehe ich schlafe.

weekend reading 60

Als es sich wie zwei Wochen anfühlte.

Am Anfang jeder Woche denke ich „Oh toll, so viel habe ich gar nicht zu tun, vielleicht bei Zeit für einige Dinge, die liegengeblieben sind“ und dann stellt sich im Laufe der Woche heraus, dass doch viel mehr zu tun ist. Nicht alles, was ich in den letzten Tagen getippt habe, ist schon online, aber immerhin zwei Sachen: Meine Kritik zu The Midnight Gospel und meine Analyse der EU-Biodiversitätsstrategie.

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Der Abbau

Als ich endlich fertig wurde.

Der Turm ist endlich abgebaut. Fein säuberlich habe ich alle Bauteile auseinandergeschraubt und in Kisten gepackt, die für einige Stunden auf dem Fußboden meines Kopfes lagen, ehe eine Spedition sie abholen kam. Die nächsten Tage sollten ruhiger werden, ich kann mich auf jeden Fall zumindest für heute zurücklehnen.

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Der Rotschwanz

Als wir Besuch hatten.

Eine Vogelfamilie besucht den Garten. Einer von ihnen, er muss noch jung und wenig scheu sein, bleibt lange sitzen, obwohl ich mich langsam nähere und versuche, ein Foto zu machen. Ich frage mich kurz, ob wohl ein Vogel verletzt ist und die anderen ihm helfen wollen, aber alle fliegen davon und ich finde auch kein Exemplar in einer dunklen Ecke. Weiter hinten im Garten flattert noch ein anderer, größerer Vogel auf. Vermutlich gab es irgendein Treffen, das ich gestört habe, weil ich etwas Spinat pflücken wollte. Gerne würde ich mehr darüber wissen, was diese Rotschwänze gemacht haben – war es ein erster Familienausflug, haben wir besonders schmackhafte Krümel oder zieht unser immer noch recht wilde Garten so viel Insekten an, dass er ein besonders lohnenswertes Ziel darstellt?

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