analog adventures (XX)

Blick auf das Petrus-Tal in Luxemburg-Stadt. Im Vordergrund ein grünes Geländer, ein grünes Tal, durch das ein kleines Rinsal fließt, im Hintergrund einige Gebäude von Luxemburg-Stadt
Ich weiß nicht, wie oft ich schon über diese Brücke gegangen, gelaufen, flaniert und gefahren bin. Ich weiß immer noch nicht, ob es die “neue” oder die “alte Brücke” ist. Das macht wenig Unterschied, beide führen zum Bahnhof (Diese wird nicht gerade renoviert, was aber wenig zur Sache tut, denn das Foto ist zwei Jahre alt und der Text soll ja so tun, als würde er meine Gedanken in dem Moment, in dem ich den Auslöser drückte repräsentieren). Der Blick von dieser Brücke ist der Blick auf Luxemburg: der kleine Bach muss durch ein Betonbett fließen, während an seinen Rändern ein Park Wildnis simulieren darf, die niemand bewohnen will oder darf, wo Wohnraum doch so teuer wäre. Der Jusitzpalast aus Beton fügt sich neben Kathedrale und Sparkassenturm in die Skyline. Wer über die Brücke zum Bahnhof will, muss an der ewigen Flamme vorbei, an der ich einen Sommerabend mit I. verbrachte, weil wir beide keine Lust auf das Konzert hatten, auf das wir verabredet waren. Neben dem Denkmal steht noch eins, das außer mir niemand sehen kann. Ich habe es in Gedanken dorthin gesetzt zur Erinnerung an diesen Abend, an dem nichts besonderes passiert ist, an den ich mich wie an jeden anderen Abend auch nicht erinnern könnte. Aber so lange jemand diese Worte liest, so lange wird es dort stehen und mahnen.

Die grauen Hefte

Deckblatt des "Buch der Skizzen und Notizen Band III"
Ich bin gerade wieder auf Sommerfrische in Luxemburg. Ich finde es nie leicht, in mein Jugendzimmer zurückzukommen, weil hier natürlich sehr viele Erinnerungen wach werden an Zeiten, die nicht immer so leicht waren. Vieles davon ist auf dem Blog hier dokumentiert, manches nur angedeutet, einiges habe ich vielleicht auch nie aufgeschrieben. Mit ungefähr Vierzehn habe ich neben dem Blog auch angefangen, eine analoges Notizheft zu pflegen, um nicht auf eine Losblattsammlung angewiesen zu sein. Ich wollte ein schwarzes Heft, es gab aber nur ein graues. Ein graues Heft der Marke Atoma im NichtganzA4-Format wurde zu meinem Markenzeichen, und ich fand das besser als Moleskine, weil es mein eigenes Ding war. Mittlerweile besitze ich einige Moleskine, benutze die aber viel seltener als meine grauen Hefte zu Schulzeiten, die ich wirklich überall mit mir mitschleppte. Ich habe mich gestern zum ersten Mal seit Jahren getraut, diese Notizhefte wieder aufzuschlagen und habe ein paar Einträge abfotografiert. Weiterlesen

analog adventures (XIX)

Fischaugenfoto aus dem Zug heraus fotografiert. Neben den Schienen ist ein großer gelber Sandhaufen zu sehen.
Neben den Gleisen liegt ein großer Haufen Sand. Das beschreibt den Zustand dieses Ortes sehr gut. Mir fallen die Wolken auf, die hier sehr erhaben und groß wirken. Im Zug, der bald losfährt, fühlt sich dieser Ort auch gar nicht mehr so schlimm eingekesselt an. Hier ist einfach mehr Leinwand für Wolkengemälde. Aber sonst gibt es nichts zu sehen.

analog adventures (XVIII)

Fischaugenfoto. Der Himmel ist blau, mit einer großen weißen Wolke. Im Vorderung sind Menschen in Liegestühlen zu sehen, in der Mitte ein Plastikflamingo

ROUGH AS SILK steht an dem Gebäude, das früher eine Fabrik war und das Café der Kulturhauptstadt 2007 ersetzt. Das musste aufgegeben werden, weil der Untergrund – ein ehemaliges Betriebsgelände der Bahn – kontaminiert war. Für ein Jahr und für Kultur reichte das, nun gibt es dieses Provisorium. Es ist Sommer, wir sind gut gelaunt und über uns thront ein Plastikflamingo. Der Umgangston ist so rau wie Seide. Alle sind unglaublich nett und freundlich zueinander, weil ja alle alle kennen, aber so bald jemand den Rücken dreht oder aufs Klo geht, werfen sich verdrehte Augen vielsagende Blicke zu. Willkommen in Luxemburg.

analog adventures (XVII)

In einer kleinen Bude nehmen zwei Menschen eine Radiosendung auf, im Hintergrund ein altes Fabrikgebäude, im Vordergrund ein Planschbecken. Sonnenuntergang.
An diesem Ort, an dem sich alle kennen, kenne ich nur ein paar Personen, die alle damit beschäftigt sind, eine Radiosendung aufzunehmen, müde zu oder auf sonst eine Art und Weise unabkömlich zu sein. Ich stehe also alleine vor dieser eigentlich ziemlich coolen Location und merke, dass alle anderen alle anderen kennen. Manche kennen sogar mich, aber ich kann mich natürlich nicht an sie erinnern. Da ich unfähig bin, mir fremde Menschen anzuquatschen und Smalltalk zu führen, halte ich mein Getränk so fest es geht und versuche nicht traurig oder wütend auszusehen. Das geht nicht lange gut, denn alleine herumzustehen macht auf Dauer wütend und/oder traurig. Ich halte mein Getränk noch fester.
Radio hören ist dann doch eher eine Einzelsportart.

analog adventures (XV)

Sonnenuntergang. Das Bild ist fast komplett schwarz, nur der Himmel mit den letzten Sonnenstrahlen und ein Sonnenschirm sowie Bäume sind zu erkennen.
Manche Abende bleiben nicht in Erinnerung. Es ist ganz egal, wie gut du dich währenddessen fühlst, zurück bleibt nur ein unscharfes Bild eines Sonnenuntergangs. Und ohne dieses Foto würde überhaupt nichts bleiben, falls nicht jemand das lustige Wortspiel getwittert hat. Ist das schlimm? Wir vergessen auch die guten Dinge, die besseren Abende, die wirklich lustigen Witze. Ich würde den Verlust nicht einmal bemerken. Sollte ich noch genauer dokumentieren, was ich erlebe, wie ich meine Tage verbringe, worüber ich lachte und was meinen Magen in einen harten Knoten verwandelte?

Am Ende bleibt doch nur eins: Daran zu glauben, dass der Abend zumindest das Foto wert war.

analog adventures (XIV)

Fischaugen-Foto eines Platzes in Luxemburg-Stadt. Die sonne scheint, der Platz ist aber halb im Schatten eins Pavilions, der Untergrund ist rosarot, im Hintergrund sind Bäume und Menschen auf Bänken zu sehen
Wir sind unterwegs in Luxemburg-Stadt und suchen ein nettes Café. So wie alle anderen auch. Alle sind ständig auf der Suche nach einem netten Café, das nicht total überfüllt ist oder zu laute Musik spielt. Vielleicht ist “suchen” das falsche Verb, denn wir wissen ja, wohin wir laufen, aber wir wissen nicht, was uns dort erwartet. Hier möchte niemand wie so ein Punk im Park sitzen, wir brauchen ein Café. Und so wandern wir von einem bekannten Lokal zum nächsten, bis irgendwo ein Platz frei ist. Das Leben luxemburgischer Mittzwanziger in den Sommermonaten ist schwer und wir haben viel Mitleid mit uns selbst.

analog adventures (XIII)

Fischaugen-Foto eines Platzes in Luxemburg-Stadt. Die sonne scheint, der Platz ist menschenleer, der Untergrund ist rosarot, im Hintergrund sind Bäume und Menschen auf Bänken zu sehen
Ein sonniger Tag in der Hauptstadt des Großherzogtums. Ich fotografiere aus der Hüfte, so wie es mein Onkel mir gezeigt hat. Der Film ist sehr alt, ich habe ihn in der Fototasche meiner Eltern gefunden, wo er nach der digitalen Revolution vergessen wurde. Ich weiß nicht, was mich erwartet, aber das muss bei einer Lomo ja genau so sein. Vielleicht ist das ein Sinnbild für ein Lebensgefühl: Einfach mal machen und schauen, was dabei herauskommt. Im Zeitalter chronischer Krisen bleibt auch nicht viel anderes übrig.

analog adventures (XII)

Fisheye-Foto einer Bahnstrecke

Ein neuer Film ist wie der Beginn einer Reise. Du sitzt aufgeregt im Zug und fühlst schon, wo dein Rücken am Abend schmerzen wird und weißt schon, dass du dann auch nicht mehr ruhig oder gar gemütlich sitzen kannst. Stehen wird auch nicht mehr gehen, weil du müde bist. Alle verstehen, dass du am Ende einer langen Reise erschöpft bist, aber niemand wird dir erklären können, warum das so ist. Reisen durch das luxemburgische Hinterland erschöpfen nicht, denn sie können so lange gar nicht sein. Einzig die Wiederholung macht müde, wie diese Simpsons-Folge, die du schon gefühlte 10.000 mal gesehen hast und dennoch kannst du nicht wegsehen. Ist es das, was andere “Heimat” nennen?