Der Mittagstisch

Als ich Suppe aß.

Wir sitzen am Mittagstisch und essen alle Suppe. Kleine Fetzen Zucchini und Kürbis sind noch zu erkennen, grün und rot. Es ist ein grauer, regnerischer Tag, der trotzdem viel zu warm ist. Ich verstehe nicht ganz, wie das zu Stande kommt und ich muss ständig rauchen, um mit allem zurecht zu kommen. Wenn du das Gefühl hast, mit allen Krisen, die die Welt so brachte, halbwegs fertig zu werden, beschwört irgendwo irgendeine neue herauf, als wäre das ein gutes Hobby.

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Das Blau

Als ich die Rosen ansah.

Ich sitze in dem Liegestuhl, mein Blick ist gen Himmel gerichtet. Er ist blau, mit ein paar Wolken. Ich aber denke nicht an das Blau des Himmels, und nicht daran, wem es gehört. Mein Blick ist auf die dünnen Äste des Rosenstrauchs gerichtet.

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weekend reading 69

Als ich … nice.

Ich habe diese Woche über „Luxembourg in Transition“ geschrieben. Das ist eine Raumplanungs-Konsultation, die das luxemburgische Raumplanungsministerium ausgeschrieben hat. Ziel ist es, Luxemburg nachhaltiger und CO2-frei zu gestalten. Einziges Problem: Sie haben überhaupt nicht darüber kommuniziert. Natürlich war ich neugierig und hab etwas nachgeforscht, wie ihr in Raumplanung ohne Öffentlichkeit nachlesen könnte. Im Podcast haben wir auch darüber geredet, und der Minister hat auf twitter reagiert, was ich als Erfolg meiner Arbeit werte.

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Die Schallwerdung

Als ich einen Raketenstart sah.

Ich sitze in der Gartenlaube und esse Toast mit Gurke und Avocado, auf die ich Salz streue und nenne es Mittagessen. Es ist ein Donnerstag, ich habe nicht viel Zeit, ich fühle mich gestresst. Auf meinem Handy sehe ich einem Raketenstart zu, immerhin weiß ich so, wohin ich schauen soll während des Essens, das ist auch ein Novum. Ich bin gerne alleine und doch fühle ich mich einsamer, als ich sein sollte. Ich sollte über meinen Schatten springen, aber ich will nicht. Noch nicht. Ich springe viel zu oft.

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Die Zerknautschtheit

Als ich Nudelsalat hatte.

Ich sitze in der Gartenlaube und bin alleine und esse meinen Nudelsalat, den ich mir so sehr gewünscht habe. Nicht immer fühlt es sich so gut an, sein Ziel erreicht zu haben, meistens war die Vorstellung großartiger als das endgültige Ergebnis. Vielleicht hat auch einfach nur ein wenig Salz gefehlt. Ich starre auf mein Telefon und sehe mir all diese kleinen Nichtigkeiten an, die zusammen eine große Wichtigkeit ergeben, ich trete Menschen auf die Füße, obwohl das nicht mein Ziel ist. Ich rauche nicht einmal eine Zigarette, weil ich in meiner ganzen Zerknautschtheit darauf vergesse.

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Das Unrundsein

Als die Kaffeetasse bereits leer war.

Nach dem Mittagessen sitzen wir lange am Tisch und reden über schwierige Themen. Ich will aufstehen und zurück an die Arbeit, aber ich kriege mich nicht aufgerafft. Nicht, weil es so angenehm wäre, sondern weil ich zuhören und meinen Senf dazugeben muss. Der Kaffee ist schon lange ausgetrunken. Ich stehe auf, will reingehen, dann setze ich mich doch noch einmal und rauche noch eine Zigarette, weil das mir zumindest eine Maßeinheit gibt für die Zeit, die ich noch verbringen werde.

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Die Ungewissenheitsschritte

Als ich herumfuhr

Ich hetze von Besprechung zu Besprechung und es scheint, dass meine Anwesenheit stets wichtig ist. Es ist ein warmer Sommertag, aber immerhin wird es nicht so heiß, wie sie im Radio angedroht haben. Möglicherweise habe ich mich in meiner Schlaftrunkenheit auch verhört. Es macht auch nichts, ich bin den ganzen Tag unterwegs und das Leben fühlt sich beinahe so an wie vor dieser Pandemie. Natürlich nur beinahe, denn in Wirklichkeit ist alles anders.

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Die Kleinkindsgröße

Als ich erntete.

Ich wache viel zu spät auf und bin so müde, dass ich sogar vergesse, Milch in meinen Kaffee zu schütten. Das merke ich erst, als ich schon ein wenig davon getrunken habe, und dann ist es mir auch egal. Ich ernte zwei Zucchini, so groß wie Kleinkinder. Es ist anstrengend, sie in den Keller zu tragen, wo sie lagern, bis wir Hunger haben, dass wir eine kleinkindgroße Zucchini verspeisen könnten. Der Tag ist nicht sehr aufregend, aber es ist ein Tag.

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Die Arrhythmie

Als es sommerregnete.

Ich sitze den ganzen Tag an dem Text und arbeite daran. Es dauert, aber vielleicht muss es dauern. An manchen Stellen freue ich mich mehr, als ich erwartet hätte. Das könnte eine gute Sache sein. Ich kann das alles nicht beurteilen, so wie ich nichts mehr beurteilen kann, was in diesen Zeilen steht und was zwischen ihnen steht.

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