Die Silvesternacht

Als ich zu meinem großen Erstaunen schon wieder einen Traum notieren konnte

Eine (vermutlich weiblich gelesene) Person, deren Gesicht unscharf und im Halbdunkeln liegt hält eine Wunderkerze. Der Großteil des Bildes ist schwarz.

Ich verbringe den Jahreswechsel bei S., die im Traum irgendwo im hohen Norden Luxemburgs wohnt. Wir haben etwas miteinander, oder zumindest habe ich das Gefühl, dass dem so ist und wir liebevoll miteinander umgehen und im Raum steht, dass wir Sex miteinander haben. Eigentlich sollte ich vor Mitternacht mit dem letzten Bus nach Hause fahren, stattdessen überlegen wir uns aber einen Plan, mit dem ich bis Mitternacht bleiben kann. Dazu müssen wir selbst einige Stationen mit dem Bus fahren, um einen analogen Fahrplan anzuschauen oder einfach zu testen, ob unsere Theorie stimmt. Wo genau „nach Hause“ ist, weiß ich nicht, es kommt mir vor als würde ich noch zum Flughafen müssen oder hätte eine längere Reise vor mir.

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Ein erstaunlich kleiner Weltuntergang

Als ich mal meine Schlüssel vergaß

Ein alter Schlüssel an einer Schnur vor einem Karton.

„Es musste ja einmal so kommen!“, denke ich und setze mich ins Café am Ende der Straße. Seit ich mit 16 das erste Mal zwei Wochen alleine zu Hause war, während meine Familie in Urlaub gefahren ist, hatte ich diese Angst, meinen Schlüssel zu vergessen. Was vor allem daran lag, dass wir eine Tür hatten, die „ins Schloss“ fiel und die wenig Spielraum für Fehler zuließ. Das Haus, in dem ich jetzt wohne, hat eine ähnliche Tür, die Angst war aber nicht mehr so groß. Ich habe mir einfach über die Jahre angewöhnt, vor dem Verlassen des Hauses nachzufühlen, ob ich meinen Schlüssel eh habe.

Auf der Arbeit ist einfach: Wir schließen die Räume zur Redaktion beim Verlassen immer ab, dafür brauche ich einen Schlüssel, also habe ich den dabei. Heute bin ich zeitgleich mit einer Arbeitskollegin raus – und prompt habe ich meinen Schlüssel im Büro liegen gelassen. Zum Glück gibt es bei uns in der Straße ein Café, in dem ich im Warmen warten kann, bis eine der Personen, mit der ich das Haus teile, zu Hause ist. Alles also nicht so schlimm. Gebraucht hätte ich aber weder den Schreckmoment, noch die Wartezeit, die sich wenig angenehm gestaltet (es ist laut und eher ungemütlich). Natürlich überlege ich jetzt auch, ob die Schlüssel nicht verlorengegangen sein könnten und ob sie wirklich da liegen, wo ich vermute, dass sie liegen. Aber ich bin mir sicher. Ich weiß, wann ich sie zuletzt hatte und ich weiß, dass ich das Büro einen Ticken zu schnell verlassen habe.

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Wie das Netz aussieht

Als ich zwei Links zum Thema vom Vorpost postete

Ein Switch mit vielen bunten Ethernet-Kabeln

Lustig, wie der Zufall manchmal so spielt. Gestern bloggte ich darüber, dass ich IRC-Kanäle und insgesamt ewig langes Chatten vermisse, heute spülte mir Twitter wie zum Dank dafür zwei Artikel zum Internet in die Timeline. Der erste behandelt ebenfalls die Nostalgie, mit der manche von uns an das alte, langsame, hässliche Netz zurückdenken.

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#chat

Als ich darüber nachdachte, welche digitalen Kommunikationsformen mir mittlerweile fehlen

Foto eines alten Computers, auf dem ein IRC-Chat läuft. Die Schrift ist grün auf schwarzem Grund.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Facebooks Messenger die beste Idee war, die das Netzwerk je hatte. Nicht, weil der Messenger technisch überzeugen würde oder irgendeine Funktion hätte, die ich in einem anderem Chat-Dienst vermissen würde, sondern für Facebook selbst halt. Das de facto-Telefonbuch des Internets mit einem Direktnachrichtendienst zu verbinden klingt im Nachhinein zwar sehr logisch, ist aber wohl für viele ein Grund, doch zähneknirschend auf der Plattform zu verbleiben – einfach um ohne große Umstände erreichbar zu sein.

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Vibration

Als ich (sehr müde) über meine Müdigkeit sinnierte

schwarz-weiß Foto von Betonstrukturen. Unten im Bild ist Wasser zu erkennen.

Das Summen wird noch lauter. Es fühlt sich an, als würde die gesamte Halle vibrieren. Mir bereitet das keine Sorgen. Ich trete vor die Konsolen aus Beton und berühre instinktiv eine der kleinen Leuchten. Sie fühlt sich nach Beton an, der sich in der warmen Sommersonne aufgewärmt hat. Absolut glatt, keine Erhebung oder ein anderes Material. Mich stört das nicht, auch wenn es mich vermutlich sogar verstören sollte. Ich weiß immer noch nicht, warum ich hier bin, aber es fühlt sich richtig an.

Ich kann schlecht mit meinem Energiehaushalt umgehen. Ich gebe natürlich gerne der Dunkelheit, die seit gefühlten Monaten anhält, die Schuld. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich jeden Tag viel zu lange warte, bis ich anfange, Texte zu schreiben und dadurch immer länger wach bin, als ich es eigentlich sein wollte. Ich kann mich natürlich nicht mehr erinnern, wie genau das 2018 war, als ich nicht jeden Tag bloggte – vermutlich schaffte ich es auch durch irgendeine Prokastinationsmagie, um etwa die gleiche Zeit ins Bett zu gehen und mich dann zu wundern, warum ich müde bin.

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Ithaka

Als mir alles vertraut und dennoch so falsch erschien.

Blick von unten nach oben aus einem Betonschacht. Einige Meter über dem Blickpunkt ist eine sternenförmige Plattform.

Ich betrete die Kathedrale aus Beton. Das Surren, das ertönt, sobald der Raum – oder etwas in dem Raum – erkannt hat, dass ich mich in ihm aufhalte, wirkt keinesfalls bedrohlich. Die Lichter werden ebenfalls heller, als wolle mir ein System zu verstehen geben, dass ich hier zuhause bin. Noch erkenne ich keine Struktur, keine Geräte, mit denen ich kommunizieren könnte. Obwohl ich keine Ahnung habe, was das hier soll, fühlt sich alles vertraut an. Ich verstehe meine eigene Reaktion nicht – eigentlich müsste ich zittern, schreien, eine Gänsehaut haben oder zumindest müssten sich meine Nackenhaare aufstellen. Aber nichts dergleichen.

Der Raum fühlt sich merkwürdig, beinahe schon unheimlich vertraut an. Also eigentlich nicht unheimlich, sondern heimlich. Oder heimisch. Die Betonstrukturen bilden einen Halbkreis. Teilweise sind es lediglich Klötze, in denen Lichter eingesetzt sind, teilweise sind es Skulpturen, die meterhoch in die Höhle ragen, deren Decke ich nicht erkennen kann. Denn noch andere der Betonstrukturen scheinen Pfeiler zu seinen, oder dekorative Elemente, die sich verästeln, einander überkreuzen, sich gegenseitig stützen, ohne dass ich wirklich einen Sinn erkennen kann. Ich finde sie ästhetisch ansprechend. Eigentlich sollte mich das alles schwindelig machen. So viel weiß ich. Aber das tut es nicht.

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Das gehackte Konto

Als ich nach langer Zeit mal wieder einen echten Traum aufschrieb

Ein ironisch übertriebenes Stock-Foto eines Hackers. Ein Mann hält eine schwarze Tastatur. Er trägt einen dunklen Kaputzenpullover und ein Nachtsichtgerät, von seinem Gesicht ist nur sein Kinn zu erkennen.

Ich bin in einer fremden Wohnung, und es sind viele Menschen anwesend. Irgendwie erreicht mich die Nachricht, dass mein flattr-Konto gehackt wurde. Im Traum heißt es nicht flattr, aber es funktioniert ganz ähnlich. Obwohl mir unklar ist, ob da überhaupt irgendwie Geld drin ist, bin ich enorm besorgt, dass mein Geld irgendwie verschwinden könnte. Zu allem Überfluss versuchen die Leute, die das getan haben, mich zu erpressen. Ich bin mir unsicher, wie ich darauf reagieren soll, weil es eigentlich nichts konkretes gibt, was ich tun kann. Obwohl ich unter Menschen bin, versuche ich, mich irgendwie bei dem Dienst, der nicht flattr heißt, aber so funktioniert, einzuloggen.

Vielleicht sind die Menschen, die mich gehackt haben und mich bedrohen, auch physisch in der Wohnung anwesend, die ganze Situation ist recht unklar, aber definitiv bedrohlich. Leider wird meine Erinnerung hier unklar (und ich bereue, den Traum nicht schon heute morgen in mein Handy getippt zu haben, so wie ich das eigentlich immer mache). Ich vermute, dass ich das Geld irgendwie wiederbekommen kann oder das Ganze nicht so schlimm ist. Als ich mich gerade bei flattr eingeloggt habe, sehe ich, dass ich dort überhaupt kein Geld mehr angesammelt habe – was nicht verwundern sollte, denn ich habe das überall deaktiviert, nachdem flattr die Nutzer*innen irgendwann gezwungen hat, ein bestimmtes Zahlungssystem zu benutzen, das Überweisungen enorm teuer gemacht hat.

Podcast-Empfehlungen

Als ich endlich mal alles, was ich gerne und regelmäßig höre, in Blogform aufschrieb.

Kopfhörer auf einem Tisch

Ich habe heute nicht so viel Lust, einen längeren Text zu verfassen, deswegen mache ich ein wenig klassisches Bloggen und gebe eine Liste an Podcast-Empfehlungen weiter. Und die Zeit drängt gerade, und ich will mich allerdings auch nicht weiter dafür rechtfertigen, was ich auf meinem Blog mache.

Politik

Ich bin ja der Meinung, dass so gut wie alles politisch ist, aber einige Podcasts beschäftigen sich sehr explizit mit Politik.
npr politics ist der Politik-Podcast des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den USA. Die Journalist*innen des npr geben ihre Einschätzungen zu aktuellen Geschehnissen und fassen einmal die Woche die wichtigsten Entwicklungen der US-Politik zusammen. Ich mag es, dass da auch oft ein wenig persönliches beredet wird und oft versucht wird, Zusammenhänge zu erklären. Allerdings nicht immer besonders neulingsfreundlich.

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Zum Licht

Als ich mir einmal mehr bewusst machte, dass nicht alles schlecht ist.

Betonstrukturen und Licht. Tschuldigung, viel mehr ist wirklich nicht zu sehen.

Ich sehe das Licht am Ende des Tunnels. „Wie unglaublich lächerlich“, denke ich. Manchmal unterbreche ich meinen Gedankenstrom, um einen einzigen Satz laut und klar zu denken, so als würde ich ihn aussprechen. Ich schüttele ungläubig den Kopf, um meinen Gedanken zu verdeutlichen. Obwohl hier niemand ist, der das sehen könnte, obwohl ich ganz alleine hunderte Meter unter der Erde knöcheltief im lauwarmen Wasser stehe und Licht mit meinem Telefon mache. So, als wäre das eine ganz normale Sache. Vorsichtig gehe ich weiter. Das Wasser macht laute Geräusche bei jedem Schritt.

Ich fühle mich wohl bei der Arbeit. Es ist ja nicht so, als würde ich in die Tiefe vordringen, um lediglich die negativen Dinge zu herauszubohren. Oder zumindest sollte ich das nicht. Ich habe das Gefühl, dass das, was ich tue, geschätzt wird, dass ich die Aufgaben, die ich zu erledigen habe, gut erfülle. Und meistens ist es nicht allzu stressig. Natürlich ist das stets das Bestreben, mehr zu tun, mehr zu erreichen, aber dafür müsste vermutlich alles etwas größer sein. Manchmal bin ich auch müde, oder das scheinbare Verharren im Status Quo nervt mich, aber im Großen und Ganzen läuft alles.

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Dunkler

Als ich versuchte, mich wieder mit der Dunkelheit anzufreunden

Höhle, auf deren Grund blaues Wasser zu sehen ist.

Gefühlt wird es immer dunkler in dem Tunnel. Ich kann das rational überhaupt nicht erklären, denn ich bin unter der Erde, und es war von Anfang an stockfinster hier, das einzige Licht kommt von der Taschenlampenfunktion meines Telefons. Ich weigere mich immer noch, „Smartphone“ zu sagen, weil ich es für so ein merkwürdiges Wort halte. „Telefon“ bezeichnet allerdings auch nicht wirklich das, wofür ich das Gerät benutze – es fehlt also, wie so oft, eine gute Vokabel. Das Wasser ist immer noch lauwarm, worüber ich möglichst nicht nachzudenken versuche.

Ich vermisse den Balkon. Meinen Balkon, auch wenn ich nie wirklich einen Besitzanspruch hatte. Die Tür war in meinem Zimmer, andere Menschen mussten bei mir klopfen, wenn sie drauf wollten. Ich hatte einen Sitzsack und einen kleinen Tisch, für eine gemütlichere Sitzunterlage hat es nie gereicht. Ich saß oft darauf und telefoniere oder träumte in den Tag, in den Abend, in die Nacht hinein. Das wunderbare Gefühl, „draußen“ zu sein, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. Hier gibt es einen Garten. Eigentlich besser, uneigentlich halt nicht so privat und halt kein Balkon.

Natürlich vermisse ich nicht den kleinen, engen, oft staubigen Balkon, auf dem nicht einmal eine einzige gemütliche Sitzgelegenheit stand. Ich vermisse das Gefühl, das ich damit verbinde. Die Abende, wenn ich mit speziellen Leuten darauf saß und wir rauchten und uns vorfreudig in die Augen schauten. Ich vermisse, darauf zu stehen und in den grauen Himmel zu schauen und mich ganz gut eingepackt zu fühlen in einem kleinen gemütlichen Schuhkarton, bestehend aus dem Innenhof, den Mauern der Häuser, die ihn bildeten, und eben den Wolken über der Stadt.

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