Die Umarmung

Als ich mich erinnern wollte.

Wir umarmen uns. Und ich versuche, mir die Umarmung zu merken. Ich will sie nicht vergessen, sie an den Bahnsteigen, an denen ich warten muss, mit dem Starren auf die Minutenanzeige zu verdrängen. Ich möchte mich noch in zwei, drei Wochen daran erinnern, sie wertschätzen, die Nachwirkung der Wärme spüren. Und ich hoffe, dass es mir gelingen wird.

Das U-Bahn Outfitt

Als ich herumfuhr und Leute ansah.

In dieser Stadt fahre ich gerne U-Bahn. Eigentlich bin ich ja immer gerne U-Bahn gefahren, aber irgendwann verliert es seinen Reiz, wenn eins das jeden Tag tut, oder in der Früh tun muss, oder der Weg zu lang ist oder nach der U-Bahn-Fahrt noch eine schier endlose Busfahrt kommt oder sonst halt irgendetwas stört. Hier bin ich ja immer nur zu Freizeitzwecken und jede Fahrt scheint mir in Ordnung zu sein. Die Stadt bekommt das mit dem Mobilfunkempfang unter der Erde nicht hin, also schaue ich nicht auf mein Telefon, sondern auf die Menschen.

Weiterlesen

Das neue Telefon

Das neue Telefon

Als ich ein neues Telefon bekam.

Ich bin seit Donnerstag Besitzer eines neuen Telefons. Ich versuche ja meistens, es zu vermeiden, mir neue Geräte zu kaufen. Einerseits bin ich schlecht darin, mich zu entscheiden und andererseits ärgeren mich kurze Nutzphasen noch viel mehr. Das dritte Smartphone in meinem Besitz ist das Nokia 8.1 und damit bin ich wieder zurück bei dem Hersteller, der die meisten meiner Mobiltelefone gebaut hat. Wobei die eigentliche Firma ja „HMD Global“ heißt und die Telefone genauso in China gebaut werden wie etwa jene von Apple.

Weiterlesen

Das Loslassen

Als ich meine Augen nicht öffnen wollte.

„Du konntest noch nie gut loslassen.“, sagt die Person, die wir einst Ruth nannten, als kenne sie mich schon so lange und so gut, um das bewerten zu können. Auf irgendeiner rationalen Ebene weiß ich, dass sie vermutlich recht hat, aber ich möchte mir das nicht eingestehen. Nicht nur, weil ich das mit dem Nichtloslassenkönnen problematisch finde, sondern weil ich mir nicht eingestehen will, dass sie mich so gut kennt. Ich möchte das nicht. Vor allem nicht, wenn es die Person ist, deren linke Hand gerade mit meiner rechten verschmilzt. Oder war es meine linke und ihre rechte? Selbst Richtungen ergeben gerade nur noch wenig Sinn.

Weiterlesen

Die Nichtauflösung

Als ich die Hand hielt.

Ein blauer Himmel, von einem Schiff aus fotografiert. Am Rand des Bildes ist ein Zeppelin zu sehen.

Ich wusste eigentlich schon von Anfang, dass ich die Hand halten wollen würde. Es handelt sich um die linke Hand der Person, die wir einst Ruth nannten. Genau wie ich verschwindet sich langsam in dieser dichten Nebelzuckerwatte, von der ich das Gefühl habe, dass sie mich verschlucken wird. Bis vor wenigen Sekunden hielt ich das noch für eine gute Idee. Ich würde ins Nirwana eingehen, würde eine Grungeband gründen, würde irgendwann nichts mehr fühlen. Das wäre eine gute Entwicklung, weil das viele Fühlen so anstrengend ist und ich es kaum aushalte.

Weiterlesen

Die Nichtswerdung

Als ich dachte, dass ich bald überhaupt nichts mehr spüren würde.

Die Nebelzuckerwatte berührt meine Fingerspitzen. Zuerst die des Mittelfingers, weil das mein größter Finger ist. Ich versuche, nicht darüber nachzudenken, was mir irgendwer über die Größe von Fingern erzählt hat und welcher eigentlich größer sein sollte, damit das schöner ist. Mir sind solche Dinge egal, seit ich mit 15 oder so mal ein Foto meiner behaarten Metzgerhände machte und sie einer Person schickte, die meinte, sie stehe auf schöne Hände. Ich kann nicht einfach so entscheiden, meine Finger zu mögen, aber ich kann mir zumindest weniger Gedanken darüber machen. Eine dieser Hände, noch nicht im Nebel versunken, hält immer noch instinktiv die Hand der Person, die wir einst Ruth nannten.

Weiterlesen

Der Wirbel

Als meine Gedanken sich anfühlten wie eine auslaufende Badewanne.

Ich versuche, über die vergangenen Tage nachzudenken, aber es gelingt mir nicht. Es ist immer noch alles so tumultartig, so verworren, wirbelnd. Jemand hat den Stöpsel gezogen, das Wasser fließt ab, um sofort wieder von oben in mich zu strömen. Ich bräuchte gerade noch ein Wochenende nach dem Wochenende, aber mir steht so etwas nicht zu. Mir bleibt nur, halbwegs früh schlafen zu gehen und keinen allzu langen Text hier zu schreiben, bevor ich das tue.

weekend reading 48

Als Freitags halt nicht ging.

Ich habe diese Woche über Europäische Umweltpolitik geschrieben, und zwar, dass es schlechte Aussichten gibt. Die Feststellung kam nicht alleine von mir, sondern von der europäischen Umweltagentur EEA. Passend dazu meine Empfehlung für den Insektenatlas, der einen Einblick in die bedrohte Vielfalt der Insekten gibt. Über Parteipolitik habe ich auch ein wenig geschrieben, nämlich dass der Rechnungshof die Staatsanwaltschaft mit den Finanzen der Piratepartei befasst.

Weiterlesen