analog adventures (XVII)

In einer kleinen Bude nehmen zwei Menschen eine Radiosendung auf, im Hintergrund ein altes Fabrikgebäude, im Vordergrund ein Planschbecken. Sonnenuntergang.
An diesem Ort, an dem sich alle kennen, kenne ich nur ein paar Personen, die alle damit beschäftigt sind, eine Radiosendung aufzunehmen, müde zu oder auf sonst eine Art und Weise unabkömlich zu sein. Ich stehe also alleine vor dieser eigentlich ziemlich coolen Location und merke, dass alle anderen alle anderen kennen. Manche kennen sogar mich, aber ich kann mich natürlich nicht an sie erinnern. Da ich unfähig bin, mir fremde Menschen anzuquatschen und Smalltalk zu führen, halte ich mein Getränk so fest es geht und versuche nicht traurig oder wütend auszusehen. Das geht nicht lange gut, denn alleine herumzustehen macht auf Dauer wütend und/oder traurig. Ich halte mein Getränk noch fester.
Radio hören ist dann doch eher eine Einzelsportart.

analog adventures (XV)

Sonnenuntergang. Das Bild ist fast komplett schwarz, nur der Himmel mit den letzten Sonnenstrahlen und ein Sonnenschirm sowie Bäume sind zu erkennen.
Manche Abende bleiben nicht in Erinnerung. Es ist ganz egal, wie gut du dich währenddessen fühlst, zurück bleibt nur ein unscharfes Bild eines Sonnenuntergangs. Und ohne dieses Foto würde überhaupt nichts bleiben, falls nicht jemand das lustige Wortspiel getwittert hat. Ist das schlimm? Wir vergessen auch die guten Dinge, die besseren Abende, die wirklich lustigen Witze. Ich würde den Verlust nicht einmal bemerken. Sollte ich noch genauer dokumentieren, was ich erlebe, wie ich meine Tage verbringe, worüber ich lachte und was meinen Magen in einen harten Knoten verwandelte?

Am Ende bleibt doch nur eins: Daran zu glauben, dass der Abend zumindest das Foto wert war.

analog adventures (XIV)

Fischaugen-Foto eines Platzes in Luxemburg-Stadt. Die sonne scheint, der Platz ist aber halb im Schatten eins Pavilions, der Untergrund ist rosarot, im Hintergrund sind Bäume und Menschen auf Bänken zu sehen
Wir sind unterwegs in Luxemburg-Stadt und suchen ein nettes Café. So wie alle anderen auch. Alle sind ständig auf der Suche nach einem netten Café, das nicht total überfüllt ist oder zu laute Musik spielt. Vielleicht ist “suchen” das falsche Verb, denn wir wissen ja, wohin wir laufen, aber wir wissen nicht, was uns dort erwartet. Hier möchte niemand wie so ein Punk im Park sitzen, wir brauchen ein Café. Und so wandern wir von einem bekannten Lokal zum nächsten, bis irgendwo ein Platz frei ist. Das Leben luxemburgischer Mittzwanziger in den Sommermonaten ist schwer und wir haben viel Mitleid mit uns selbst.

analog adventures (XIII)

Fischaugen-Foto eines Platzes in Luxemburg-Stadt. Die sonne scheint, der Platz ist menschenleer, der Untergrund ist rosarot, im Hintergrund sind Bäume und Menschen auf Bänken zu sehen
Ein sonniger Tag in der Hauptstadt des Großherzogtums. Ich fotografiere aus der Hüfte, so wie es mein Onkel mir gezeigt hat. Der Film ist sehr alt, ich habe ihn in der Fototasche meiner Eltern gefunden, wo er nach der digitalen Revolution vergessen wurde. Ich weiß nicht, was mich erwartet, aber das muss bei einer Lomo ja genau so sein. Vielleicht ist das ein Sinnbild für ein Lebensgefühl: Einfach mal machen und schauen, was dabei herauskommt. Im Zeitalter chronischer Krisen bleibt auch nicht viel anderes übrig.

analog adventures (XII)

Fisheye-Foto einer Bahnstrecke

Ein neuer Film ist wie der Beginn einer Reise. Du sitzt aufgeregt im Zug und fühlst schon, wo dein Rücken am Abend schmerzen wird und weißt schon, dass du dann auch nicht mehr ruhig oder gar gemütlich sitzen kannst. Stehen wird auch nicht mehr gehen, weil du müde bist. Alle verstehen, dass du am Ende einer langen Reise erschöpft bist, aber niemand wird dir erklären können, warum das so ist. Reisen durch das luxemburgische Hinterland erschöpfen nicht, denn sie können so lange gar nicht sein. Einzig die Wiederholung macht müde, wie diese Simpsons-Folge, die du schon gefühlte 10.000 mal gesehen hast und dennoch kannst du nicht wegsehen. Ist es das, was andere “Heimat” nennen?

Linkspam (3) Femcamp, Sidbanoff und andere Scoops

Zwei Origami-Kraniche in einem BrunnenEs ist wieder Linkspam-Zeit! Ich habe wieder einmal tausende Tabs offen und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, also verblogge ich einfach mal die Links, die mir spannend erscheinen.

Als ersten Linktipp eine Aufforderung zum Mitmachen: Olja Alvir, ihres Zeichens Journalistin, Jugošlawienerin und Jungautorin will eine Doku über den Südbahnhof Wiens, der dem neuen Hauptbahnhof Platz machen musste, drehen:

der Südbahnhof – Verkehrsknoten wie finanzieller, kultureller und gesellschaftlicher Umschlagplatz. Hier kamen in den 50ern die ersten Gastarbeiter*innen in berstend vollen Zügen an, hierher brachten in den 90ern Busse die Menschen aus dem Jugoslawienkrieg nach Österreich. In der Zeit vor dem Internet und flächendeckenden Mobiltelefonen war der liebevoll „Sidbanoff“ genannte Jobbörse, Wohnungsanzeiger, Bank und Beratungszentrum.

Wer mitmachen will, meldet sich am Besten gleich bei Olja: Doku-Projekt: „Sidbanoff“
Mehr Links nach dem Klick auf Weiterlesen

Radiocamp 2014

Fähre am Bodensee. Blauer Himmel mit einigen WolkenSeit neun Jahren fahre ich jedes Jahr – mit einer Ausnahme 2009, als ich für mein Abschlussexamen büffeln musste – zum Radiocamp der freien Radios bei Merkelfingen am Bodensee. Freie Radios sind nicht-kommerzielle Radios mit einem politischen (linken) und emanzipatorischen Anspruch. Es gibt auch sogenannte Offene Kanäle oder Bürger_innenfunk, die mehr nach dem Prinzip “Offenes Mikrofon” funktionieren und keine so klare politische Ausrichtung haben. Aber warum fahre ich eigentlich jedes Jahr zu diesem Camp? Was mache ich dort? Weiterlesen

Blogging like nobody’s reading

Die Luxemburger Blogosphäre ist ein eher filigranes Netz …
Dieser Text ist zuerst in der Zeitschrift forum erschienen und richtet sich deswegen auch an Leser_innen, die nicht so vertraut mit Blogs sind. Für alle, die den Artikel schon auf Papier gelesen haben, gibt es einen Nachtrag.

Moderne Kunst in Luxemburg – ein Symbolbild für Blogs?Photo by we-make-money-not-art

Ein Weblog – oder kurz Blog – ist ein elektronisches Medium, das Artikel in umgekehrt chronologischer Reihenfolge anzeigt und meistens über Kommentar- und Abofunktionen verfügt. Das gilt mittlerweile wohl auch für die meisten Nachrichtenseiten, die aus „historischen“ und organisatorischen Gründen jedoch nicht zu Blogs gezählt werden. Die meisten Blogs zeichnen sich durch eine stark persönliche Note aus – Ausrichtung, Stil und Themen bestimmen in den meisten Fällen die Autor_innen selbst, die meisten Blogs sind Freizeitprojekte, die unentgeltlich oder nur durch geringe Werbe- oder Spendeeinnahmen gedeckt betrieben werden. Weiterlesen

beaucoup de mousse

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …
Ich fahre mit der Eisenbahn durch eine flache Graslandschaft, ein Meer aus Halmen. Ich sehe den Zug von oben. Imposante Außenaufnahme, die heranzoomt und mich durch das etwas fleckige Fenster zeigt, wie ich im Zug durch die Graslandschaft fahre. Ich sitze in einem dieser altmodischen Sechserabteile. Es ist, abgesehen von mir, leer. Ich suche eine_n Gesprächspartner_in und finde sie in einer alten Dame, die zwei Abteile weiter sitzt und strickt. Sie strickt einen unglaublich langen Schal, der ihr Sechserabteil schon zur Hälfte ausfüllt. Ich kann nicht erkennen, welche Farben der Schal hat – auch nicht, wie viel Wolle die Frau dabei hat.

meadow photoPhoto by Bill Ward’s Brickpile

Ich versuche sie zu fragen, hoffe, dass sie mir die Farbe ihres Schals beschreiben kann, denn ich kann es immer noch nicht herausfinden und werde langsam etwas unruhig, weil ich befürchte, plötzlich farbenblind geworden zu sein. “Darf ich dann noch Fahrradfahren?”, frage ich, ohne eine Antwort zu erwarten. Weiterlesen