Gute Bandnamen (I)

gutebandnamen

Ich habe heute aus Gründen mal nachgeschaut, was ich im Laufe der Jahre auf twitter alles mal als „guten Bandnamen“ bezeichnet habe. Ich bin leider einer jenen Menschen, die sich lieber Bandnamen ausdenken, als Bands zu gründen (wobei ich immer noch davon träume, kryptische Texte zwischen Industrialklängen zu schreien). Es wird also in absehbarer Zeit keine Veröffentlichungen unter diesen Namen geben: Weiterlesen

Keine Antworten.

snowing vienna photo by whiteout_box
„Und, wie geht‘s dir damit?“, werde ich gefragt und muss mit einem leeren Blick antworten.
Ich weiß nicht, wie es mir damit geht. Vor allem, weil „damit“ ein Wirrwarr von ungefähr 10.000 verschiedenen Dingen sind, die ineinander verwoben und miteinander verstrickt sind. Ich kann sie nicht entwirren, nicht nach dieser Woche, die definitiv zu anstrengend für meinen Geschmack war. Ich war seit Jahren nicht mehr verliebt, aber da fragt mich niemand, wie es mir damit geht. Die Antwort wäre übrigens genau die gleiche: „Ich weiß es nicht.“

Nichtsdestotrotz denke ich darüber nach. Über beide Fragen.
Ich sitze drinnen, draußen fängt es an zu schneien und ich habe Zeit zum Nachdenken. Das ist schön, das mag ich am Winter, wenn ich drinnen sitzen kann und es draußen schneit und aber noch nicht dunkel ist. Oder den Weg vom Café zur Straßenbahn, da darf es auch ruhig etwas schneien. Der Schnee lenkt ab, der Schnee fragt nicht, wie es mir damit geht, dass ich mich schon ewig nicht mehr verliebt habe (Oh, habe ich das nicht gerade dem Rest der Welt vorgeworfen?). Allerdings wird er auch wieder zur Hälfte schmelzen und sich zur anderen Hälfte mit Hundekot, Reifenabrieb und den festeren Teilen von Autoabgasen zu einer grauen Masse verwandeln, die unsere Städte bis Mitte April nicht verlassen wird. Weiterlesen

„Wer kein Selbstbewusstsein hat …”

werkeinselbstbewusstseinhatIch hatte diese Woche bisher zu wenig Schlaf, heute sieben Stunden Uni, dazwischen Schreckensmeldungen und dann noch eine lange Besprechung. Und als ich heimkam, noch einen Haufen Arbeit. Als mir dann endlich ein Titel für dieses Interview eingefallen ist, ich die Social Media-Timer gestellt hatte, spülte mir irgendwer dieses Foto in die Twittertimeline:

Da haben in Erfurt also Leute sich gegen Nazis engagiert, indem sie ein Poster aufgehangen haben, auf dem steht „Wer kein Selbstbewusstsein hat, braucht ein Nationalbewusstsein“. Ich verstehe den Gedanken, der dahinter steht. Das ist alles gut gemeint. Und vielleicht bin nach diesem Mordstag etwas mit den Nerven am Ende, aber mich hat das unglaublich aufgeregt. Not in a good way. Wenn ich kein Selbstbewusstsein habe, brauche ich nicht zwangsläufig ein Nationalbewusstsein. Das sagt der Satz aber, grammatikalisch. Und wahrscheinlich ist es auch so gemeint. Weil alle coolen™ Leute haben ja Selbstbewusstsein und wer keins hat, wird halt Nazi.

Ich weiß nicht, wie ich das nett sagen soll, aber: VIELLEICHT DENKT IHR MAL AN DIE FÜNF MINUTEN IN EUREM BEKACKTEN ICHBINSOBELIEBT-LEBEN ZURÜCK, IN DENEN IHR PROBLEME MIT EUREM SELBSTBEWUSSTSEIN HATTET? Und dann stellt euch mal vor, dass diese fünf Minuten sich länger ziehen. So fünf Stunden. Oder Monate. Oder Jahre. Oder ein ganzes verficktes Leben lang. Und – surprise! – es geht trotzdem ohne Nationalbewusstsein. Es geht sogar sehr gut, denn zwischen diesen beiden Dingen gibt es keinen kausalen Zusammenhang. Es gibt viele – viel zu viele – Nazis, Neonazis und andere Rechte, die viel Selbstbewusstsein haben. Und genau soviel Nationalbewusstsein. Nichts ist gefährlicher als das Bild vom Nazi, der einfach „zu dumm“ ist, um zu verstehen, warum es wichtig ist, Refugees aufzunehmen und dass es keine Alternative ist, diese Menschen im Mittelmeer ertrinken oder von DAESH erschießen zu lassen. Dieses Bild schiebt Rassismus als Problem ab. „Ich muss mich nicht damit auseinandersetzen, ob ich rassistisch handele(n könnte), ich hab ja Selbstbewusstsein“ ist die Botschaft, die bleibt. Nichts könnte falscher sein, vor allem wenn weiße Mittel- und Westeuropäer_innen diesen Satz denken.

Im Grunde sind alle diese Pathologisierungen von Nazis und Rechten nämlich nur eins: Betroffenen ihre Menschlichkeit absprechen. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Menschen, egal wie „dumm“, „behindert“, ohne Selbstbewusstsein, arm, usw. sie sind, die Fähigkeit zur Menschlichkeit und „Nächstenliebe“ haben. Ja, der theoretische Hintergrund darüber, wie Rassismus (und andere -ismen) unsere Gesellschaft durchzieht, ist nicht der einfachste. Und ja, da ist sicher Aufklärungsarbeit zu leisten. Oder Zuhörarbeit.

Mich trifft das mit dem Selbstbewusstsein persönlich. Ich habe Tränen vor Wut in den Augen, während ich das hier schreibe. Es ist nur ein nerviger Spruch auf einem Plakat, aber verdammt nochmal – ich habe nicht gefühlt mein halbes Leben mit Teenage Angst verbracht (und mein halbes Blog damit vollgeschrieben), um mir von einem Plakat pauschal Nationalbewusstsein unterstellen zu lassen. Ich brauche das nämlich nicht und habe das nie gebraucht, nicht einmal dunkelsten Stunden.

Zweitausendfünfzehn

eine Straße, eine Kaffeekanne und ein verschneiter Bahnsteig

Zweitausendfünfzehn, du warst eigentlich ganz okay. Jahre, in denen Dinge fortgeführt werden, wirken im Rückblick nie so spektakulär wie jene, in denen Dinge angefangen oder beendet werden. Ich erinnere mich an den Anfang des Jahres, als das Magazinprojekt aufregende neue Perspektiven bot und wir eine neue Person dafür suchten.

Im Februar besuchte ich Bratislava mit eben jener neuen Person. Tage voller Arbeit. Ich stand als Erster auf, duschte mich und kaufte mir einen Kaffee in einer kleinen Bäckerei ums Eck. So ungefähr stelle ich mir Urlaub als Erwachsener vor, frühes Aufstehen, Duschen und dann den Morgen mit einem einzigen langen Kaffee mit viel schaumiger Milch verbringen. Leider war es kein Urlaub, sondern eine Klausur, also verbrachten wir den Tag in der Küche und tippten Entscheidungen in unsere Computer, bis die Nacht uns überraschte und wir benebelt in der Küche saßen. Am Endes des Monats starb Leonard Nimoy, was mich wirklich traurig machte. Das war – glaube ich – das erste Mal, dass mich der Tod einer berühmten Person ernsthaft traurig und betroffen gemacht hat.

Ich wurde etwas wider Willen zum wort.lu-Blogger und erklärte gleich einmal meine Bauchschmerzen bei dem Projekt. Heute ist mein Blog immer ganz unten in der Liste der deutschsprachigen Blogs, wobei die meisten Blogs in der deutschsprachigen Liste mittlerweile auf Englisch geführt werden. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Liste anfangs rotieren würde, aber vielleicht hat sie das auch nie getan. Der Traffic, der von wort.lu kommt, ist jedenfalls wenig atemberaubend. Weiterlesen

Bücher 2015

buecher2011

2015 habe ich wesentlich weniger gelesen als 2014, zumindest was Freizeitliteratur angeht. Meine Schnellhefter mit Literatur für Seminare sind ziemlich dick geworden und auch für einige Artikel habe ich nicht wenig Papers gelesen, vor allem für das Stück über die COP21 wühlte ich mich durch ziemlich viel wissenschaftliche Literatur zum Thema. Das macht Spaß, bringt aber keine Goodreads-Punkte.

Die Challenge für 2015 lag bei 25 Büchern, wobei goodreads Kurzgeschichten und Comics ebenfalls akzeptiert. Ich habe sie mit Ach und Krach gerade noch so geschafft, bin aber nicht wirklich zufrieden. 5403 Seiten soll ich gelesen haben, wobei das längste Buch „nur“ 445 hatte. Ich habe 2015 vor allem die Welt von Comics und Graphic Novels entdeckt, was auch daran lag, dass mir einige geschenkt oder geliehen wurden und ich so ohne große Kosten reinschnuppern konnte. Definitiv ein Medium, das ich 2016 weiter entdecken will. Aber was habe ich 2015 alles so gelesen? Weiterlesen

Schlagloch

schlagloch

Früher habe ich Texte über mein kompliziertes Gefühlsleben geschrieben, heute habe ich kein kompliziertes Gefühlsleben mehr. Tag as: Lieber nicht daran denken. Das ist komfortabel, aber es funktioniert natürlich nur so lange, bis es irgendwann nicht mehr funktioniert. Ich könnte über meine Wut und meinen Frust in diversen Projekten schreiben, aber ich weiß nicht, ob das wirklich Wut und Frust ist. Oder nur der Cynar (Artischockenlikör, wie gut ist das eigentlich?) in meinem Magen. Oder ich könnte über alles das schreiben, was heraus kommt, wenn ich tief in mich rein schaue. Angst vor der Zukunft, dem Tod, Einsamkeit, Zweisamkeit, von allen Menschen lächerlich gehalten zu werden. Heute schreibe ich also Texte über die Texte, die schreiben könnte, wenn ich denn wollen würde. Oder wollen könnte.

Ich starre in einen Abgrund, der überhaupt keiner ist. Es ist mehr ein Schlagloch. Weiterlesen

Klimakonferenz in Paris – High Stakes

In diesen Tagen läuft in Paris die UN Klimakonferenz (COP 21). Dort wird es vor allem um Finanzierungsfragen gehen. Wie im Kasino sind dabei die (finanziellen) Einsätze hoch und der Ausgang ungewiss. Dieser Artikel erschien zuerst in einer etwas kürzeren Fassung im luxemburgischen Magazin forum.

highstakes01

Eigentlich sollte es doch nicht so schwer sein: Es gibt eine Bedrohung für die Umwelt, die ein globales Problem darstellt. Alle Staaten treffen sich und überlegen sich mithilfe von ein paar Wissenschaftler_innen und anderen Expert_innen, wie alle gemeinsam das Problem lösen können. Sowohl die internationale Politik als auch die Wissenschaft hat mit dem Verbot von FCKWs zum Schutz des stratosphärischen Ozons eigentlich schon einen Erfolg erlebt. Leider war das jedoch ein vergleichsweise einfacher Fall: FCKWs sind im Gegensatz zu Treibhausgasen eine klar abgegrenzte Stoffgruppe, deren Einsatz in der Wirtschaft auch eher auf verschiedene Anwendungen begrenzt war. Es war somit 1987 – nur zwei Jahre nach der Entdeckung des Ozonlochs und 13 Jahre nach der ersten Warnung über die Gefährlichkeit – in Montreal nicht besonders schwer, eine Reduktion auszuhandeln. Weiterlesen

Ann Leckie – Ancillary Mercy

Ancillary Mercy Als ich Ancillary Justice kaufte, dachte ich wenig darüber nach. Das eBook war für den deutschen Sprachraum recht billig, ich brauchte neuen Lesestoff und das Buch hatte gerade einen Hugo gewonnen und war von einer Frau. Ich habe das Buch vorbestellt, weil es dafür die ersten drei Kapitel von der Autorin gab. Wenn ich englischsprachige ebooks kaufen will, ist das meistens so ein wenig ein Krampf, um einen Shop zu finden, der einigermaßen günstig ist und nicht irgendwelchen merkwürdigen IP-Sperren hat, um Leuten außerhalb der USA ihre Bücher nicht zu verkaufen. Google play ist da oft eine gute Anlaufstelle, aber das mit dem Vorbestellen hat nicht so ganz geklappt. Oder eher: Das mit dem Ausliefern nicht. Der große Tag war da, aber das Buch war nirgendwo zu sehen. Ich schrieb dem Support und bekam – statt dem Buch – mein Geld zurück. Kobo konnte ich dann doch noch überlisten, indem ich zuerst auf kobo.at ging. Ich habe aufgegeben, das verstehen zu wollen. Immerhin hatte ich jetzt das Buch und konnte mit dem Lesen anfangen (unnötig zu erwähnen, dass ich die ersten drei Kapitel, die ich vorab bekommen hatte, noch nicht gelesen hatte).

Das zumindest von mir lang erwartete Ende der „Imperial Radch“-Trilogie hat auf jeden Fall nicht enttäuscht. Während „Justice“ einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des ehemaligen Raumschiffes Breq gewährte, zeigte „Sword“ eine einzige teezüchtende Welt des weiten Radch Imperiums. „Mercy“ ist anders: Schneller, düsterer, verzweifelter und überraschenderweise auch lustiger [kleinere Spoiler ahead]. Weiterlesen

14 Jahre bloggen: mein halbes Leben.

vierzehnjahrebloggen

Vor ein paar Wochen ist mir beim Duschen aufgefallen, dass mein Blog 14 und ich 28 Jahre alt werde und ich damit doppelt so alt wie mein Blog bin. Oder umgedreht: seit heute blogge ich schon mein halbes Leben lang (Das weiß ich so gut, weil ich mein Blog praktischerweise nur wenige Tage nach meinem Geburtstag begründet habe). Das ist so ein bisschen überwältigend. Von jetzt an werde ich immer schon länger als mein halbes Leben bloggen. Das ist nicht nur einer dieser merkwürdigen Timeghost-Momente, sondern auch eine schöne Gewissheit: der Anteil meines Lebens, in dem ich Blog führe, wird nun stetig größer werden. Mir fällt eigentlich sonst nichts ein, was ich schon mein halbes Leben lang tue und was ich durchgehalten hätte. Weiterlesen

Octavia E. Butler – Dawn

dawnDie Erde wird in einem Atomkrieg zerstört und die letzten Menschen werden von sehr merkwürdigen Aliens, den Oankali, gerettet. Die lassen die Menschen erstmal eine Runde schlafen und nach ein paar hundert Jahren wecken sie Lilith auf, die erst lernen muss, sich an den Anblick der Oankali zu gewöhnen, um dann in eine Familie aufgenommen zu werden. Die Oankali haben nicht nur ein merkwürdiges Aussehen mit vielen vielen tentakelähnlichen Sinnesorganen, sondern auch noch ein etwas komplexeres Fortpflanzungssystem als Menschen, mit drei Geschlechtern. Außerdem können sie (zumindest das „neutrale Geschlecht“) direkt DNA manipulieren, Krebs heilen und müssen sich öfters mal mit anderen Spezies paaren, um ihre genetische Vielfalt zu erhöhen. Das Wenige, was von der Menschheit nach dem Atomkrieg übrig blieb, wurde also gerettet. Aber die Oankali stellen eine Bedingung: Für sie kommt so eine Rettungsmaßnahme nur in Frage, wenn sie „einen Tausch“ dabei erledigen können.

Dieser Tausch besteht darin, dass sie die Erde mit Oankali/Menschen-Hybriden wiederbesiedeln wollen. Lilith findet diesen Plan schrecklich, kann aber in ihrer Lage als „Gerettete“ (oder Gefangene?) nichts dagegen tun. Sie integriert sich in eine Familie, in die sie zugeteilt wurde und freundet sich nach und nach mit dem Kind an. Ihr wird die Aufgabe zuteil, eine Gruppe von Menschen aus dem Tiefschlaf aufzuwecken und sie darauf vorzubereiten, mit den Oankali gemeinsam die Erde wiederzubesiedeln. Weiterlesen