Today

Today is the greatest
Day I've ever known
Can't live for tomorrow
Tomorrow's much too long
I burn my eyes out
Before I get out

Ich wippe mit dem Stuhl hin und her, schaue zu dem blauen Himmel. Es sind viele, unschuldig weiße Schäfchenwolken zu sehen. Im Hintergrund singt Billy Corgan zusammen mit seinen Fans in Chicago „Today“. Vielleicht tut er das heute Abend wieder. Das erste Konzert seit beinahe 7 Jahren. In einer knappen halben Stunde. Mein Körper fühlt sich merkwürdig an. Ich habe heute den ganzen Tag über Schnupfen, tränende Augen und „Watte im Kopf“ geklagt und mich gefragt, ob ich auf einmal Heuschnupfen haben sollte oder krank werde. Schwalben fliegen über den Ausschnitt des Himmels, den ich sehe. Ich finde ihn wunderschön so. Er ist nicht monoton. Ich hasse einen einfarbigen Himmel, egal ob er grau oder blau ist.
Mein Körper kribbelt. Und ich weiß nicht wieso. Manche sagen, dass dies ein sicheres Zeichen für einen drohenden Herzinfakt ist, aber wenn dem so wäre, hätte ich schon mehr als einen Herzinfakt hinter mir. Oder er kommt heute, endlich.
Vielleicht weiß ich auch bloss nicht, wegen wem meine Hände kribbeln. Was für ein blöder Gedanke. HIL-Syndrom.
Alles ist klar und ich habe trotzdem nichts verstanden?

Ich interpretiere. Vielleicht sollte ich das nicht tun. Vielleicht sollte ich einfach nachfragen: Wie ist das gemeint? Was wolltest du damit sagen? Stattdessen große Gesten. Die große Rock-Geste. Dann: Fuck you!, am besten groß geschrieben und fett gedruckt, mit einer Manga-ähnlichen Bewegung. Die Grenzen der Interpretation flimmeren wie die Luft an einem heißen Tag, an dem der Asphalt langsam schmilzt. Ein Tshirt.
Ich denke die ganze Zeit daran und dennoch habe ich alles fast vergessen. Schrub-Schrub. Den Kopf auf ihre Schulter legen, die Augen schliessen und Musik hören. Doch wer ist „sie“? Ich schaue durch zwei dicke Scheiben durch die Realität und behaupte, ich wüsste, wovon das Leben handeln würde. Fast 20 Jahre und nichts dazugelernt.

Und jetzt? Alles löschen? Es ist nicht mehr der Schrei nach der Muse, sondern die Frage, wer sie ist. Alles wird unklar, flimmert, verschwindet vor meinem Auge, als drücke jemand meinen Kopf unter Wasser. Die Farben verschwinden vom Himmel, die Schwalben sind schon schwarz-weiß. Vielleicht habe ich bloss Fieber. Ich zerfließe in vollständige Unwissenheit, Unentschlossenheit, Gefühlslosigkeit. Zurück in den Mutterleib. Sich ins Bett legen und in eine klebrige, orange Flüssigkeit zerfliessen. Eingang ins Nirvana. Messias für Niemanden.

Wir sind doch alle bloss Sternenstaub

3 Kommentare “Today

  1. Uns geht's wohl gerade ähnlich… Nur bei den körperlichen Beschwerden weiss ich zumindest, dass es der verdammte Heuschnupfen ist.

    Ich hasse blauen Himmel mehr als grauen. Beim Grauem gibt's weniger Pollen, weniger Sonne ergo weniger Hitze und weniger Sonnenbrand. Überhaupt krieg ich bei blauem Himmel immer sofort Kopfschmerzen. Ich bin ein Nachtmensch, Sonne schadet mir. :)

    Den letzten Satz finde ich genial.

  2. Stardust… meine Rede. Soll jetzt mal schreiben das es mit 40 nicht anders ist? Ach nö, besser nicht..

  3. Wir sind nicht nur Sternenstaub… aber ich fühl mich heute genauso und mein Herz schlägt zu schnell und benimmt sich auch nicht so wie sonst und – liegt was in der Luft?

    Naru

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