lookin' back

Du hast gedacht, du könntest das merkwürdige Gefühl in deinem Bauch, diese Mischung auf Enttäuschung und Wut über dich selbst, einfach so verdrängen.
Doch hier, an diesem Bahnsteig kommt alles wieder. Umarmung, Abschied und dann bist du mit einem glücklichen Gefühl gegangen, hattest dir selbst gesagt, du solltest dir nicht zu viele Hoffnungen machen. Im Zu dann «Safe from Harm» gehört.
I was lookin' back to see if you were lookin' back at me
To see me lookin' back at you

Das schlechte Gefühl kommt wieder. Was, wenn du ihr begegnest? Sagen, du hättest keine Zeit. Was stimmt. Trotzdem: eine peinliche Situation, vor allem: Schock. Und der Wahrheit ins Gesicht sehen, wissen, wie man selbst reagiert, wie tief die Wunde wirklich ist. Eine Tauchfahrt ins Ungewisse, die du nicht unternehmen willst, nicht einmal mit Jacques Cousteau an Bord. Du stellst dir die Frage was schlimmer wäre: sie alleine oder in Begleitung.

Aber du begegnest ihr nicht, jedenfalls nicht im Bahnhof. Die Sonne scheint und du willst keine Musik hören. Alleine sein in der Masse, die umherwuselt, schlendert, den Tag genießt, sich nicht so fühlt wie du. (Woher willst du das wissen?) Ohne jemanden zu begegnen. Die Stadt ist voller asiatischer Touristen. Wie war das nochmal? Alle Japaner sind in Wahrheit immer öfter Chinesen? «Blödsinn», denkst du und gehst weiter. Alles scheint mit Erinnerungen behaftet, und was keine Erinnerung enthält, ist ein möglicher Treffpunkt.

Als ob sie nur auf dich lauern würde. Das sind doch alles nur Hirngespinste. Und trotzdem: Du bist nicht bei der Sache, musst ein paar mal warten, bis die Ampel auf Grün umspringt. Sonst hast du immer Glück. Oder läufst einfach bei Rot über die Straße. Heute aber bist du verletzlich, in Gedanken versunken und kannst dich auf nicht viel anderes konzentrieren. Vielleicht ist das auf die eine Art und Weise ein Weg, damit fertig zu werden, obwohl du dich selbst fragst, womit du denn fertig werden musst, denn eigentlich ist ja überhaupt nichts passiert, auf der anderen Seite weißt du selbst insgeheim, dass es dir gefällt, dich im Dreck deiner «Trauer» oder wie man auch immer dieses «Schlecht fühlen» nennen soll, zu suhlen.

Die Gedanken fliegen nur so, aber leider ist ihr Flug eine enge Kurve um dieses eines Problem, für das es keine Lösung gibt und bei dem man nur auf den Kopf hören und auf die Zeit hoffen kann.

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