Hi-Fi is dead

Auf jeden Fall fast. Die Musikindustrie forciert die Produzenten, Stücke bis aufs letzte durch den Kompressor zu jagen, damit sie so laut wie möglich klingen. Dadurch ensteht das, was man gemeinhin als »Brei« bezeichnet. Die Rolling Stone (USA) hat ein exzellentes Dossier dazu zusammengestellt: The Death of High Fidelity.
Was noch dazukommt: Radiostationen jagen ihr Programm ebenfalls durch einen Kompressor, um im Gegensatz zur Konkurenz noch einmal lauter zu wirken. Was dabei rauskommt, muss ich niemanden mehr beschreiben.
(via Nerdcore)

9 Kommentare “Hi-Fi is dead

  1. Thierry: Das heisst nun wirklich nicht, dass diese Musik nicht durch den Kompressor gejagt wurde.

    Ich kann allerdings dieses Verfahren bei Radiostationen durchaus nachvollziehen. Damit in den billigen Autoradios- und Lautsprechern – ganz abgesehen davon, dass ein Radiosignal technisch eh viel weniger Informationen übermitteln kann als eine CD – die Feinheiten und sogar nur einfach leise Töne nicht verloren gehen, werden die Lieder halt durch den Kompressor geschickt. So bekommt man halt noch immer “alles” mit, neben den ganzen Nebengeräuschen (Motor, Fahrtwind, Lärm von anderen Autos etc). Finde ich hier also ganz legitim. Allerdings auch nur hier.

  2. was die cds anbelangt ist das anwenden eines kompressors legitim, weils die musik einfach am einfachsten zu hören macht, und das sich am besten verkauft. ich denke das 80% der musikkonsumenten keine lust haben, sich irgendwelche besseren lautsprecher oder kopfhörer kaufen, um die details in den songs zu finden. wenn ich allerdings die meisten sachen höre die ich mag, finde ich dass da selten plattkomprimiert wird.
    was radio anbelangt ist das anwenden eines kompressors legitim und notwendig. einfach ums ins band zu quetschen. so hab ich das gelernt, als ich damals noch beim radio war. und immer wieder enttäuscht wenn die geilsten gitarrensoli einfach wegkomprimiert wurden und garnicht mehr toll klangen.
    interessanter artikel

  3. fede: Bei Klassik bezweifele ich, dass die durch den Kompressor gejagt wird, da die Hörerschaft da sehr empfindlich ist, was Hi-Fi angeht. Nicht umsonst verkauft die deutsche Grammophon 320kbps-mp3s.
    thorben: Die Zeit der Über-Kompression hat erst vor wenigen Jahren angefangen. Davor klang Musik ebenfalls gut, wenn nicht sogar besser. Und das Musik durch das Küchenradio mit “Mega Bass” nicht gut klingt, ist halt so. Da hilft auch Kompression nicht mehr.
    Allgemein: Kompression mag bei Radio bis zu einem gewissen Grad angebracht sein, allerdings wird es oft nicht mal um “ins Band zu quetschen” benutzt (im Band ist eigentlich genung Platz), sondern um “am lautesten zu klingen”, um bei Zappen sofort aufzufallen.
    Radio ARA hat übrigens seit der Inbetriebnahme des neuen Studios keinen Kompressor mehr. (da sich die eingesetzten Modelle als sch… erwiesen haben)
    thorben: Ist der Link auf youporn absichtlich gesetzt gewesen?

  4. Joël: Naja, wieso sollte Klassik heute anders behandelt werden? Natürlich hast du wohl Recht, wenn du sagst, dass es eher selten ist und die Hörerschaft empfindlicher ist. Ich fand es nur nicht gerechtfertigt zu sagen, dass Klassik & Indie prinzipiell unkomprimiert sind.

    Du hast Recht wenn du sagst dass Musik aus dem Küchenradio mit “Mega Bass” nicht gut klingt, allerdings: doch, durch Kompression klingt sie in dem Sinne besser, als dass du alles vom Lied mitbekommst, sprich, nichts untergeht. Ich persönlich höre auch lieber etwas mehr, als weniger. Die “Überkompression” zum Lauter-Klingen ist natürlich ein anderes Thema. Und wenn ich eine CD mit einer guten Anlage höre, dann will ich natürlich auch lieber keine Kompression – im Auto aber schon.

    Meine Meinung nochmal zusammengefasst: Überkompression auf CDs: nein-danke (ausser sie ist “intelligent” angewendet), im Radio: fast notwendig.

    Übrigens wird auf iTunes mit “iTunes Plus” nun auch langsam angefangen alles in doppelter Qualität, also ca. 250 kbps, anzubieten. Ein kleiner Schritt nach vorn (es bringt natürlich nichts einfach die Bitrate zu erhöhren wenn das Stück selbst sowieso schon totkomprimiert ist).

    PS: youporn? ;)

  5. Die klassische Musik die ich mir bisher gekauft habe, war jedesmal kristallklar bis aufs letzte Instrument. Ich würde mir keine CD kaufen wenn sie durch den Kompressor gejagt worden wäre. In meiner Indie Kollektion (damit meine ich Indie, also jene die tatsächlich noch in privaten Studios aufgenommen wird und nicht Musik à la “Arcade Fire” die als Indie verkauft wird aber eigentlich keine mehr ist) gibt es kein Album, das durch einen Kompressor gejagt wurde. Jedenfalls höre ich da sehr viele Details raus, was ich von meinen neueren Rockalben leider nicht behaupten kann.

    Bei iTunes Plus muss man allerdings darauf achten, dass es sich bei den 256kbps um AAC handelt, auf MP3 umgerechnet sind das also ~512kbps. Das finde ich schon ziemlich anständig für einen Onlineverkauf.

  6. Ich bleibe dabei: auch echte Indie Musik – wieso sollen die Produzenten dieser Musik, diese durch eigene Entscheidung, nicht auch durch einen Kompressor schicken? Prinzipiell kannst du nicht sagen dass Indie Musik immer kompressionslos ist, auch wenn es vielleicht so gut wie immer der Fall ist. Ist ja nicht böse gemeint.

  7. Na ja, klassische Musik wird sicherlich auch irgendwie gemastert, aber da in der Klassik halt besonders auf Dinge wie “piano” und “forte” geachtet wird, wäre (Über)Kompression hier schlicht und einfach unsinnig. (Auch, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, ein ganzes Orchester fachgerecht aufzunehmen.)
    Und ja, auch Indie-Produktionen (in jeder Abstufung von “Indie”) können durch Kompressoren gejagt worden sein. Bei der Stimme ist das (meistens) auch nicht mal so verkehrt. Trotzdem ist es meistens so, dass Künstler, die ihre Musik “aus Liebe” machen, darauf achten, sie nicht durch Kompression zu zerstören. Von daher greift Thierrys Argument schon.

    Ich finde, es wird Zeit für verlustfreie Formate à la FLAC. Aber die müssten erst einmal von gängigen Playern (bzw. vom iPod) unterstützt werden. Bei FLAC ist der Aufwand für eine Unterstützung sehr klein, aber bei Apple wundert es mich ja (leider) schon mittlerweile, dass sie überhaupt mp3 unterstützen.

    fede: Ja, thorben hatte einen Link auf Youporn in der Adresszeile. Das muss aber nicht sein, finde ich.

  8. Pingback: Fireball’s Weblog - Literature is the new rock! » Blog Archive » Überkompression und »Loudness War«

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