translunar

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Ich war mal auf einem Seminar, einem sogenannten „Train the trainer“, mit den Themen Antidiskriminierung und Werkzeuge gegen Rassismus. Ein Seminar, das in vielerlei Hinsicht ein ziemlich einschneidender Punkt in meinem Leben war und vieles ge- und verändert hat. Nicht nur, weil wir ziemlich intensiv mit der Thematik gearbeitet haben, sondern auch weil ich mich persönlich enorm weiterentwickelt habe, bzw. die Grundlagen für diese Weiterentwicklung gelegt wurden.

Translunar, also sich hinter des Mondes befindend, war ein Wort, dass ich durch wahlloses Blättern in einem Fremdwörterbuch, das damals herum lag, gefunden habe. Ich nahm mir ein Moderationskärtchen und schrieb das Wort und die Definition auf, weil es mir gut gefiel.

trans|lu|nar [adj. astron.]
1. (of a spaceflight or trajectory) towards the Moon from the Earth or another planet
2. situated beyond the Moon, or its orbit; unworldly
Im Nachhinein ein sehr richtiger Reflex. Das Wort ist mir vor kurzem wieder eingefallen. In letzter Zeit habe ich mich ein klein wenig mit dem Dune-Zyklus beschäftigt, will sagen, ich höre das Hörbuch zum Einschlafen und habe Dune 2000 gespielt. Letzteres vor allem, weil ich als Kind mal einen Spielbericht über das Spiel gelesen habe (wahrscheinlich in der Gamestar) und die Sandwürmer, die Einheiten verschlingen, faszinierend fand. Wie alles, was man als Kind in der Vorstellung unglaublich spannend fand, wurde das Spiel leider relativ schnell langweilig.

Was blieb, war die Sehnsucht. Ich kann nicht richtig sagen, wieso, aber in mir schlummert eine unbändige Sehnsucht nach den Sternen. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind immer gezwungen wurde, mir „Raumschiff Enterprise“ anzusehen, was ich dann auch immer so mäßig interessant fand.
Ich brauche weit entferne Zukünfte, Dis- und Utopien, fremde Welten und altvertraute Probleme in neuen Gewändern.

Was an Science Fiction so großartig ist, ist die (fast) unendliche Grösse des Universums, die Abermillionen und – milliarden von Sternen und Planeten, auf denen Geschichten spielen können. Und damit entsteht auch die Möglichkeit, doch mal einen Planeten komplett mit einer Stadt zu bebauen. Oder ein ganzes Sonnensystem in eine Dyson-Sphäre zu hüllen, weil man erforschen will, wie das Leben in so einer Umgebung so ist. Etwas, was in unserer Realität sehr viel schwieriger ist, denn wir haben halt nur einen einzigen Planeten.
Und obwohl ich die Ortungsschwierigkeiten im beginnenden 21. Jahrhundert immer noch die spannendsten finde, sehne ich mich nach mehr. Ich will die Einsamkeit des Weltraums erfahren, die Spannungen bei Kontakt mit fremden Wesen, die Probleme einer Zivilisation, die sich nicht einmal darauf besinnen kann, dass alle ihre Mitglieder auf dem gleichen Planeten leben.

Pink Floyds „Brain Damage/Eclipse“ trägt das Versprechen, dass es zumindest auf der erdabgewandeten Seite des Mondes weiter geht. Die auch ruhig, wie so vieles in der Sci-Fi, als Metapher verstanden werden kann. Die Reise zur anderen Seite des Mondes ist immer auch die Reise auf die dunkle Seite seiner Selbst.

Und da will ich hin.
Auf die dunkle Seite des Mondes.
Und noch viel weiter, translunar.

Dieser Beitrag erscheint zusammen mit diesen individuell gestalteten Artikeln von Chris, _ben, Fym, Markus, Codecandies und Oli­ver im Rahmen der Aktion “Bühne frei?”. Es geht hierbei darum, eine Sensibilität für individuell gestaltete Blogposts aufzubauen. Und es macht riesigen Spaß.

10 Kommentare “translunar

  1. Pingback: 3 MCs and 1 DJ - coldheat.de

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  4. Science-Fiction! Dem habe ich ja nicht entgegenzusetzen. Da bin ich völlig wehrlos. Und wie grandios sich hier die 70er, die – wenn ich das recht im Blick habe eine großartige Zeit für Science Fiction waren – in Text, Bild und Musik wieder finden. Superkuhl.

    Ich wußte bisher gar nicht, dass Science Fiction auch in Deinen Interessenbereich fällt. Ich glaub ich muss dringend mal ein paar mehr von Deinen Sachen lesen. Sind da auch SF-Geschichten dabei?

  5. Ich hatte ja mal ein Wiki, in dem ein eigenes Universum entstehen sollte, als Grundlagen für eine “Serie” rund um Kopfgeldjäger, was alles ziemlich an Cowboy Bebop erinnerte. Eine einzelne Geschichte hat es ins Blog rüber geschafft, wobei ich mir eigentlich sicher war, dass es auch noch eine andere gegeben hätte. Einen Anfang eines postapokalyptischen Szenarios mit dem Arbeitstitel EVA (dreimal darfst du raten, woher der stammt!) gab es auch. Und wohl sicherlich noch einiges. Vielleicht sollte ich mich dann doch mal mehr um ordentliche Verschlagwortung und Katalogisierung der älteren Blogeinträge kümmern, wenn ich meine Sachen selbst schon nicht mehr finde. *seufz*

    Aber ja, ich würd auch gerne mehr Sci-Fi schreiben.

  6. Zum “Raumschiff Enterprise! gucken gezwungen! Welch schreckliche Kindheit! Das erklärt all die verworrenen und verschachtelten Einträge hier!! ;-)
    Toller Text! Texte die Bilder erschaffen (denn ich habe den Text erst pur im Reader unterwegs gelesen) sind leider zu selten. Wenn dann Texte noch so präsentiert werden.. what should I say? Awesome!

  7. Erschlagt mich jetzt ruhig alle, aber ich mag dieses einzelne Design für einen Eintrag nicht. Deine CSS-Fähigkeiten in Ehren, Joël, aber es ist halt nicht mein Geschmack. Ich habe lieber Konsistenz, und nicht ein komplett anderes Layout wenn ich die ersten Zeilen auf der Startseite lese, und dann plötzlich alles sich radikal ändert wenn ich auf “mehr” klicke. Ich find das ist eigentlich nur zu rechtfertigen, wenn man das auf einer einzelnen Seite macht, wie mit deinem Ina&Zoe Text, der nicht als regulärer Artikel im Blog ist.

    That being said, ich mag den Text. Auch wenn ich nicht verstehe, warum man einen Menschen zwingen müsste, Star Trek zu schauen. Also ich habs mir freiwillig reingezogen. :)

  8. Es gibt sicherlich Argumente dagegen. Genauso wie es Argumente dagegen gibt, dass jeder Artikel exakt gleich aussieht. Klar sind Bilder eine Möglichkeit, ein wenig Farbe in die Artikel zu bringen, aber hey, wir haben die Möglichkeit, bestimmte Artikel besser aussehen zu lassen als andere. Und ich denke, dass da durchaus Zukunft drin steckt. Evtl. könnte ich die Verwirrung ja dadurch lindern, dass auf der Startseite nur ein Teaser-Text steht, der dann später nicht mehr anzeigt wird?
    Andererseits, wenn das Argument von jemanden kommt, dessen Blog bei jedem Besuch ein klein wenig anders aussieht, dann muss ich schon ein klein wenig grinsen. ;-)

    Was Raumschiff Enterprise angeht: Baut Toyota eigentlich auch Ironiedetektoren?

  9. Ich habe mir die anderen Blogs angesehen, und ich muss sagen, dass mir coldheat.de aussergewöhnlich gut gefällt. Jede Seite hat einen individuellen Hintergrund und unterschiedlich viele Spalten, aber die Schrift bleibt gleich, der Header und der Footer sind die gleichen, und die Kommentare sehen auch immer gleich aus. Ein perfekter Mix von Konsistenz und Individualität.

    Würden sich meine Leser mit dem zufrieden geben, was ich ihnen in blau vorlege, wärs auch immer noch blau. Aber Leser meckern halt immer. ;D (Ist aber doch auch besser, als stille Leser!)

  10. Pingback: David Eugene Edwards – Straw Foot | anmut und demut

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