Die Stoppelfelder

Als ich die Heuballen beobachtete.

Das Land sieht so friedlich aus, mit den frisch gemähten Wiesen, auf denen die Heuballen sitzen, als wären sie übergroße Mühlenspielsteine, mit denen niemand etwas anfangen kann. Es trügt, so wie so vieles einen Anschein erweckt, der nicht stimmt. Ich sehe zum Beispiel viel extrovertierter aus, als ich es vermutlich bin, höre mich weniger oder mehr intellektueller an, als ich Gedanken in Worte fassen kann.

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Das Bröckeln

Als ich nicht in den Abgrund starrte.

Jeden Tag bröckelt ein Stück Grundvertrauen in alle Menschen um mich herum weg, ich halte mich beinahe nur noch an mir selbst fest. Dabei steht auch ich am Abgrund, der beständig errodiert. Ich kann nicht runterschauen, denn ich habe etwas Höhenangst, die sich vor allem darin manifestiert, dass meine Brille mir von der Nase fallen könnte (und ich ihr hinterher).

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Das Schraubglas

Als die Luft gut roch.

Ein Schraubglas mit Gurken

Das letzte große Abenteuer ist die Reise in mein eigenes Inneres. Aber ich genieße die Tage in der Sonne viel zu sehr, als dass ich wirklich wieder unter die Erde könnte. Am Abend trete ich in den Garten und die Luft hat genau die richtige Temperatur, der Wind eine angenehme Geschwindigkeit und alles riecht nach Sommer, vielleicht sogar nach Urlaub.

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Die Hummelhoffnung

Als ich den Hummeln zusah

Blumen, vor allem blaue Kornblumen und eine unscharfe dicke Hummel, die vorbeifliegt.

Ich stehe im Garten und schaue auf den Strauch Kornblumen vor dem Küchenfenster, die ich politisch fragwürdig finde, aber die Blume kann ja nichts für die Nazis. Innerhalb von zehn Sekunden sehe ich drei verschiedene Hummelarten und eine Honigbiene und freue mich meines Lebens, während wenige hundert Kilometer weiter nördlich Menschen gegen Braunkohleabbau demonstrieren. Beide Tatsachen – die vermutlich doch eher seltenen Insekten in meinem Garten und die Klimaaktivist*innen, die sich den Baggern entgegenstellen – machen mich glücklich.

Es bahnt sich eine Hitzewelle an und trotzdem habe ich Hoffnung.

Die Retrospektive

Als ich an ein gebrochenes Herz dachte.

Ich ziehe in den Kampf mit mir selbst. Wie immer brauche ich viel zu lange und beginne erst, als es schon weh tut. Ich bemitleide mich selbst, auch wenn es nichts hilft, aber ich kann auf sonst nicht viele zählen, die mit mir leiden könnten. Vor allem schwingt in diesem Gefühl ja doch immer das Wissen mit, dass eins selbst nicht betroffen ist, dass eins sich nicht plagen muss und sich heimlich darüber freut.

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Die Gartenstunde

Als ich lange telefonierte.

Eine Stunde im Garten sitzen
und nur reden, über alles was uns gerade einfällt
ich darf nicht zu viel herumgehen, sonst leidet die Verbindung
wir leben in einem magischen Zeitalter
in dem trotzdem nichts funktioniert
Ich möchte ständig rauchen
aber meine eine Zigarette ist schon
in den ersten viereinhalb Minuten
aufgeraucht gewesen
Ich blicke auf die Baumkronen am Horizont
eine Stunde lang
Früher haben mich die viel flacheren Hügel eingesperrt
heute fühle ich mich zwischen diesen Wäldchen geborgen
zumindest für eine Stunde.

Die Dämmerung

Als ich nach zu viel Bier einen Text zimmerte.Ich möchte die Stadt, nach der ich mich so sehne, verrücken, sie Stein für Stein, Stück für Stück, 1.000 Kilometer nach Nordwesten verschieben, um alle Zielkonflikte in meinem Leben in einer großartigen Gleichung zu lösen. Es ist nur eine Fantasie, aber gleichwie bei jeden anderen Idee bin ich der Überzeugung, dass sie nur lange genug wiederholt werden muss, um wahrhaftig zu werden. Weiterlesen

Die Dehnung

Als ich den Garten goss.

Ich wässere den Garten, gieße die Pflanzen, spiele Rege, und stelle dabei fest, dass diese Tätigkeit sehr angenehm ist. Nicht nur, weil es irgendwie meditativ ist, mit der Gießkanne durch den Garten zu gehen und Regenwasser neu zu verteilen. Auch, weil es sich vor allem um Gemüse handelt, das da heranwächst und gedeiht.

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