Die Bruchkanten

Als ich Fabriken baute.

Als ich mir ein Brot schmieren will, merke ich, dass mein Brot verschimmelt ist. Es ist die Krönung einer Reihe von Tagen, die nicht enden wollen. Ich trinke den Kaffee so gierig wie ich müde bin. In meinem Nacken hat sich die Verspannung verspannt. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich irgendwann bald alles lösen wird, dass es sich lösen muss. Bis dahin baue ich gigantische Fabriken, bis der Horizont noch dunkler ist als meine Aussichten. Jede Bruchkante fühlt sich scharf und ungewohnt an, bis der Wind sie erodiert hat. Wir schleifen alles mit jedem Tag etwas glatter.

Die Hügellandschaft

Als ich neben einer fremden Person aufwachte.

Ich muss so früh aufstehen, die Uhrzeit kommt mir wie eine fremde Person vor, neben der ich etwas verlegen aufwache. Es ist kalt in der Sonne, das warme Frühsommerwetter der letzten Tage ist verschwunden. Ich schmiege mich in meinen Kapuzenpullover, während ich die merkwürdige Landschaft betrachte, voller Hügel, dunkler Wälder und Schlösser. Mein Kartoffelbrei wird eine Suppe, ich bin am Ende der Suppe immer noch hungrig. Es ist so wenig Zeit noch übrig von dem Tag.

Der Plastikstuhl

Als es reichte.

Ich werde zu früh wach, obwohl es der einzige Tag in der Woche gewesen wäre, an dem ich hätte ausschlafen können. Ich rücke den Plastikstuhl in die Sonne, um darauf meinen Kaffee trinken zu können. Ich verrückte den Plastikstuhl nocheinmal, um meinen Kaffee darauf trinken zu können. Am Abend mache ich mir einen Tee, die Sonne scheint nicht mehr. Ich muss ganz früh schlafen gehen, obwohl ich mich gar nicht danach fühle.

Die Ereignisse

Als so viel passierte.

Es passiert so viel an einem einzigen Tag, die Ereignisse überschlagen sich regelrecht. Dabei ist alles völlig ruhig, niemand schreit oder haut mit einer Axt einen Tisch in kleine Stücke. Mit leisen Ping-Geräuschen kommen Mails an, Blüten öffnen sich, Geständnisse werden abgelegt, Suppen püriert. Am Ende des Tages höre ich nur noch das Blut in meinen Ohren.

Die Hummeln

Als ich den Hummeln zusah.

Im Garten stehen und sehen, wie die Hummeln sich an den Krokussen abmühen. Das letzte Sonnenlicht genießen, bevor die Dunkelheit kommt. Ein Panorama eines anderen Planeten sehen. Sich über Lichter in der Nacht wundern.

Der Marswind

Als ich unter der Dusche Geräusche vom Mars hörte.

Ich sitze im Garten in der Sonne, der Wind geht ganz leicht. Ich trinke meinen Kaffee und rauche meine Zigarette und möchte den ganzen Tag nichts anderes tun. Das ist keine Option, ich weiß das ganz genau, aber trotzdem wünsche ich es mir. Ich wünsche mir so vieles, was stets nur in meiner Vorstellung funktionieren wird.

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Der (vermutlich nicht ganz) schlechtester aller Tage

Als ich nur Kaffee in der Sonne trinken wollte.

Es ist der schlechteste aller Tage, zumindest fühlt es sich so an. Nicht nur für mich, sondern vermutlich für die gesamte Menschheit, obwohl einfach nur irgendein Tag ist, der wenig Bedeutung hat. Drei fremde Menschen reagieren auf mein Essensfoto auf Instagram, was mir noch nie passiert ist, ich verstehe es auch nicht ganz. Ich möchte doch nur meinen Kaffee in der Sonne trinken, vielleicht auch noch im Gras an diesem einen See, an dem ich viel zu lange nicht war.

Der falsche Februartag

Als es surrte und summte.

Die Sonne scheint so stark, die blühenden Krokusse wirken fast wie ein Anachronismus. Der Garten ist voller Bienen, es summt und surrt so laut, dass ich beinahe meine Sorgen nicht mehr höre. Es ist der erste Sommertag, auch wenn es noch nicht einmal Frühling ist. Zwischen all den Bienen auch eine riesige Hummel, die brummt wie ein kleiner Helikopter, während sie von Blüte zu Blüte fliegt. Der Kaffee ist etwas zu sauer, vielleicht vertrage ich die Sorte nicht so gut, vielleicht ist mir etwas auf den Magen geschlagen. Der Wind geht. Niemals würde ich annehmen, dies sei ein Februartag.