Der letzte Sommertag

Als ich fürchtete, dass es nun wirklich so weit war

Im Radio sagen sie, dass heute der letzte Sommertag sei. Dann spielen sie Bright Eyes – First Day of my Life und meine low key-Traurigkeit fühlt sich realer an als die Kaffeetasse, an der ich mich festhalte, obwohl ich am Tisch sitze und sie drauf steht. Gestern haben wir noch darüber diskutiert, ob dieser Meldung wirklich Glauben zu schenken ist, da sie seit Wochen gefühlt ständig kommt, aber heute, an diesem Abend, glaube ich fest, dass sie stimmt, dass sie stimmen muss.

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weekend reading 34

Als ich Freitags wieder Links postete

Ich habe diese Woche wieder etwas längeres geschrieben – über die rasante Entwicklung der luxemburgischen Klimabewegung Youth for Climate. Die habe ich heute auch auf ihrer Demonstration begleitet. Im Podcast haben wir (auf Luxemburgisch) auch darüber geredet. Ein klein wenig über die umstrittene Umgestaltung des Boulevard Roosevelt habe ich auch geschrieben.

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Die Ungewissheit

Als ich mich fragte.

Ich wüsste immer noch gerne, was gewesen wäre, hätte ich mich damals – vor nur wenigen Monaten – getraut, etwas zu sagen, ein Zeichen zu geben oder auch nur mit jemanden darüber zu reden. Jetzt wirkt alles so weit weg und ich traue mich nicht, die Texte von damals zu lesen. Vor allem, weil ich Angst habe, mein Selbst von vor ein paar wenigen Monaten nicht mehr zu verstehen, mich nicht wiederzuerkennen, nicht zu wissen, wer ich eigentlich bin.

Die Viskosität

Als ich über dunkle Landschaften nachdachte

Der Tag war so anstrengend, ich kann kaum glauben, dass ich ihn überlebt habe. „Immerhin war mein Schlaf und mein Stuhlgang besser als gestern“, denke ich mir, als müsste ich mir selbst einen Trostpreis verleihen. Ich habe die quälende halbe Stunde im zähflüssigen Baustellenverkehr durch die Innenstadt schon fast wieder vergessen, als ich mich am Abend darüber ärgere, dass die beste Verbindung, die ich noch erwischen kann, die längere Zugstrecke ist. Immerhin weiß ich, womit ich mich davon ablenken kann, dass es in der Dunkelheit viel zu langweilig ist, aus dem Fenster zu schauen.

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Die Fakeschlaflosigkeit

Als ich nicht mehr schlafen konnte

Ich wache kurz vor fünf in der Früh auf und muss unglaublich auf‘s Klo. Ich ahne bereits schlimmes, aber ich weiß, dass ich nicht einfach so gegen meinen Harndrang wieder einschlafen können werde, also mache ich mich auf den Weg, zwei mal eine halbe quietschende Treppe hinunter, zu dem Klo, auf dem ich so lange sitze, dass ich wieder wach werde. Vielleicht bräuchte das Bad doch ein Nachtlicht, dann könnte man auch im Halbdunkeln duschen.

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Der Fahrstuhl

Als ich mir selbst Mut machte.

Die Woche wirkt unglaublich anstrengend. Und dann überlege ich mir, was dieses Gefühl eigentlich in mir auslöst, denn wenn ich darüber nachdenke, sind es nur einige Kleinigkeiten und die übliche Angst vor einem großen Text, die meistens ohnehin spätestens dann verfliegt, wenn ich über die Hälfte der Zeichen bin. Ich sollte also optimistisch sein, ich sollte mir den Stein, den ich den Berg hochrolle, als glückliches Fossil vorstellen, ich sollte mutig sein (für mich selbst).

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Der Schoß

Als ich (wieder einmal? Schon wieder? Noch immer?) müde war.

„Du weißt das doch eigentlich.“
Die Stimme klingt tadelnd. Als hätte ich mich über eine Regel hinweggesetzt. Dabei stimmt das nicht, ich habe mich lediglich nicht so sehr ausgeruht, wie ich es hätte können. Aber es ist nicht so, als ob ich mich überanstrengt hätte – es hat nur merkwürdig an meinen Kräften gezerrt, ohne dass ich es bemerkt habe.

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Die Tragödie

Als ich im Supermarkt fast weinte.

Immerhin kann ich gut prokrastinieren. Ein erfundenes Verb für einen erfundenen Menschen mit ausgedachtem Talent. Ich sehe im Supermarkt Produkte mit einer ähnlichen Verpackung wie jene, die ich jahrelang gewohnt war und möchte beinahe weinen.

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Der Bushalteschlaf

Als ich viel zu müde war.

Ich bin den ganzen Tag über müde. Mir kommt vor, als habe ich diesen Satz schon viel zu oft geschrieben. Beim Heimfahren erwischt es mich so heftig, dass ich am Bushäuschen am liebsten hinlegen würde, zumindest bis der Bus kommt. Das ist natürlich nicht möglich und wäre vermutlich auch eine schlechte Idee, aber ich träume trotzdem davon, wie eine Katze in der Sonne zu liegen, mit glückselig geschlossenen Augen.