Die Viskosität

Als ich über dunkle Landschaften nachdachte

Der Tag war so anstrengend, ich kann kaum glauben, dass ich ihn überlebt habe. „Immerhin war mein Schlaf und mein Stuhlgang besser als gestern“, denke ich mir, als müsste ich mir selbst einen Trostpreis verleihen. Ich habe die quälende halbe Stunde im zähflüssigen Baustellenverkehr durch die Innenstadt schon fast wieder vergessen, als ich mich am Abend darüber ärgere, dass die beste Verbindung, die ich noch erwischen kann, die längere Zugstrecke ist. Immerhin weiß ich, womit ich mich davon ablenken kann, dass es in der Dunkelheit viel zu langweilig ist, aus dem Fenster zu schauen.

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Die Fakeschlaflosigkeit

Als ich nicht mehr schlafen konnte

Ich wache kurz vor fünf in der Früh auf und muss unglaublich auf‘s Klo. Ich ahne bereits schlimmes, aber ich weiß, dass ich nicht einfach so gegen meinen Harndrang wieder einschlafen können werde, also mache ich mich auf den Weg, zwei mal eine halbe quietschende Treppe hinunter, zu dem Klo, auf dem ich so lange sitze, dass ich wieder wach werde. Vielleicht bräuchte das Bad doch ein Nachtlicht, dann könnte man auch im Halbdunkeln duschen.

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Der Fahrstuhl

Als ich mir selbst Mut machte.

Die Woche wirkt unglaublich anstrengend. Und dann überlege ich mir, was dieses Gefühl eigentlich in mir auslöst, denn wenn ich darüber nachdenke, sind es nur einige Kleinigkeiten und die übliche Angst vor einem großen Text, die meistens ohnehin spätestens dann verfliegt, wenn ich über die Hälfte der Zeichen bin. Ich sollte also optimistisch sein, ich sollte mir den Stein, den ich den Berg hochrolle, als glückliches Fossil vorstellen, ich sollte mutig sein (für mich selbst).

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Der Schoß

Als ich (wieder einmal? Schon wieder? Noch immer?) müde war.

„Du weißt das doch eigentlich.“
Die Stimme klingt tadelnd. Als hätte ich mich über eine Regel hinweggesetzt. Dabei stimmt das nicht, ich habe mich lediglich nicht so sehr ausgeruht, wie ich es hätte können. Aber es ist nicht so, als ob ich mich überanstrengt hätte – es hat nur merkwürdig an meinen Kräften gezerrt, ohne dass ich es bemerkt habe.

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Die Tragödie

Als ich im Supermarkt fast weinte.

Immerhin kann ich gut prokrastinieren. Ein erfundenes Verb für einen erfundenen Menschen mit ausgedachtem Talent. Ich sehe im Supermarkt Produkte mit einer ähnlichen Verpackung wie jene, die ich jahrelang gewohnt war und möchte beinahe weinen.

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Der Bushalteschlaf

Als ich viel zu müde war.

Ich bin den ganzen Tag über müde. Mir kommt vor, als habe ich diesen Satz schon viel zu oft geschrieben. Beim Heimfahren erwischt es mich so heftig, dass ich am Bushäuschen am liebsten hinlegen würde, zumindest bis der Bus kommt. Das ist natürlich nicht möglich und wäre vermutlich auch eine schlechte Idee, aber ich träume trotzdem davon, wie eine Katze in der Sonne zu liegen, mit glückselig geschlossenen Augen.

Die Matebrauerei

Als ich keine Pommes hatte.

Ich könnte mich an dieses Leben gewöhnen, an die langen Treffen nach der Arbeit, die einfach noch viel mehr Arbeit bedeuten, an die Girlanden, die nicht mehr über uns hängen, an das Bier danach und die Pommes, denen ich nachtrauere, weil auch ich nicht jeden zweiten Tag Pommes essen kann.

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Das Zusammenbrauen

Als ich Kaffee in der Sonne trank

Die Hitze wirkt trügerisch, und trotzdem ist es mir in der Jogginghose zu heiß, als ich im Garten auf dem Beckenrand des leeren Bassins sitze und Kaffee trinke. Ich versuche, es dennoch mit jeder Faser zu genießen, denn wer weiß schon, wie lange es hält? Irgendwo im Hintergrund braut sich schon die nächste Minikatastrophe zusammen und über all dem schwebt unsichtbar wie ein Spurengas Drama, das mich unrund macht.

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Das Laugengebäck

Als ich den Horizont nicht sehen konnte.

Auf dem Bahnsteig steht eine Reklametafel, die zwischen einer Anzeige für ein SUV und einen Burger, der zwischen zwei Laugenbrötchenhälften serviert wird, wechselt. Ich vermisse Laugengebäck, einst ein ständiger Begleiter in meinem Leben, jetzt quasi verschwunden.

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