Die Raumtemperatur

Als ich pessimistisch wurde.

Ich bin unkonzentriert. So sehr, dass mir für einen Moment alles über den Kopf wächst und nicht mehr weiß, wohin ich eigentlich denken will. Ich stehe auf, laufe die Stiegen runter, gehe aufs Klo, rauche eine Zigarette, esse ein paar Kekse, dann geht es wieder.

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Das Paket

Als ich gute Laune hatte.

Eine oranges Paket, eine Stunde lang ein Mysterium, bis ich es öffne und dann beschließe, dass es weiterhin ein Mysterium bleiben soll. Zwei Stunden mitten im Tag, die mich herausreißen und dann dennoch wieder erden. Eine Diskussion, nur zur Hälfte geführt wird und im Stimmenwirrwarr untergeht. Eine erschreckende Nachricht, und ein Aufatmen.

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Der Eisregen

Als es sprudelte.

Der Tag beinhaltet eine Wasserfontäne, was sich als weniger lustig herausstellt, als es klingen mag. Der Frost war schneller als wir, sein eisiger Griff liegt jetzt über dem Land. Die Vögel sind von alledem wenig beeindruckt, sie kommen trotzdem in den Garten, um die Kerne zu holen, die wir für sie auslegt haben. Die Dunkelheit wird immer größer, während die Zeit vor dem Bildschirm und in Meetings immer länger wird. Ich koche und fühle mich danach, als habe ich einen langen Spaziergang gemacht.

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Die Frostblüten

Als ich mich über Vegetation wunderte.

Obwohl es in den Nächten bereits Minusgrade hat, wachsen immer noch Pflanzen im Garten. Ich weiß nicht, wo sie herkommen, ob sie während des Sommers einfach keinen Platz gefunden haben oder ob es zu ihrer evolutionären Strategie gehört, so spät im Jahr noch auszutreiben, ich finde es mysteriös. Überall versucht die Königskerze noch zu wachsen, obwohl die Zeit dafür sicher nicht mehr reicht. Letztes Jahr stand inmitten des Gartens ein riesiges Exemplar, beinahe furchteinflößend in seiner Größe, fast surreal in der Form.

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Der Mondschein (2)

Als der Mond mir auffiel.

Der Mond ist so hell. In meinem Kopf formuliere ich ganz viele Werwolf-Witze und -Anspielungen, die ich niemals laut ausspreche, noch nicht einmal aufschreibe. Ich schaue fasziniert in den Nachthimmel, der mir beinahe unwirklich vorkommt, mit so wenigen Wolken und so vielen Sternen, trotz all der Lichtverschmutzung. Wenig später werde ich nochmal den Mond anschauen, wie er durch die Wolken scheint. Es ist eine dieser Nächte, die nur wegen dem Zusammenspiel von Meteorologie und Astronomie so anders wirken. Ich muss daran denken, dass mir das schon einmal aufgefallen ist. Wie selten sind diese Nächte wirklich?

weekend reading 86

Als ich Freitags Links postete, so wie so oft.

Ich habe diese Woche über die kommenden Fahrplanänderungen im öffentlichen Transport in Luxemburg geschrieben, die sich vor allem durch die Ankunft der Tram am Hauptbahnhof auszeichnen. Im Podcast haben wir auch darüber geredet. Und ich habe euch noch gar nicht erzählt, dass ich letzte Woche über das Thema Transgender im luxemburgischen Sexpodcast geredet hab – allerdings ausnahmsweise auf Deutsch.

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Die Gedankenwurst

Als ich aus dem Wasser stieg.

Ich stehe in der Sonne und rauche und rede am Telefon. Ich versuche, meine Gedankenwurst so zu formen, dass sie am anderen Ende der Leitung Sinn ergeben kann. Möglich, dass mir das gelingt, möglich, dass wir wie zwei parallele Geraden in der Unendlichkeit einander nie berühren können, sondern immer nur aus der Ferne betrachten. Am Ende kennen wir überhaupt keine Menschen, nicht einmal uns selbst. Es ist kalt, es wird immer kälter. Trotzdem trage ich nur ein T-Shirt. In der Sonne ist es beinahe noch aushaltbar, auch wenn die vielen Haare auf meinen Armen anfangen, sich in die Höhe zu stellen, in dem vergeblichen Versuch, so ein Polster aus warmer Luft zwischen meiner Haut und der unbarmherzigen Außenwelt aufzubauen. Sie sind viele, aber nicht genug.

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Das Teekochen

Als es (wieder) kalt wurde.

Ich schreibe so viel in den letzten Tagen, es kommt mir selbst ganz merkwürdig vor. Ich tippe und tippe und die Wörter ergeben Sätze und die Sätze sogar Sinn. Es ist, als habe ich wieder aufgeatmet, obwohl der Berg an Aufgaben und Tätigkeiten nicht kleiner wird. Ich verstehe nicht ganz, wie ich nicht vor alledem einknicken kann, wie ich den Fels jeden Tag auf ein Neues heraufrolle, ohne ständig zu seufzen. Ich höre traurige, ätherische Musik, weil ich mir nicht einmal anderthalb gute Tage gönne. Es wird wieder kälter und habe keine Zuversicht, dass das nicht so bleiben wird. Meine Hände werden wieder rau, ich zahle meinen Blutzoll gegen die Pandemie und ob des Vergessens.

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