Die letzte Frage

Als ich nicht im Matsch unterging.

Eine Wiese mit lila Krokussen

Fast ist die Welt wieder normal. Es fühlt sich an wie immer, nur anders. Ich verpasse meinen Bus, aber das ist in Ordnung, der nächste kommt fast pünktlich. Wir laufen irgendwann am Abend durch den Wald und ich vergesse wieder, Fotos zu machen, obwohl ich diesmal sogar vor dem Weggehen daran gedacht habe.

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Das große Licht

Als es viel zu warm war.

Die warmen Temperaturen um diese Jahreszeit sollten mir mehr Sorgen machen, als sie es eigentlich tun. Ich kann mich aber schlecht im T-Shirt in den Garten stellen und die Sonnenstrahlen nicht genießen, dazu ist der Leidensdruck in dieser düsteren Scheißjahreszeit viel zu hoch. Ich muss mich über die Sonne freuen, denn sonst kann ich mich nicht mehr über die Finsternis aufregen.

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Der Spätwintertag

Als alles passte.

Der Tag fühlt sich an wie Frühling. Wir machen einen Ausflug, auch wenn er nur zu einem Supermarkt führt. Es fühlt sich trotzdem gut an. Wäre es noch ein wenig wärmer, ich hätte Lust, das Fenster runterzukurbeln und meinen Kopf rauszustrecken und mir dabei etwas komisch vorzukommen. Am Parkplatz lernen wir einen älteren Herrn kennen, er streckt mir die Hand aus und sagt „Ich bin ein Revoluzzer.“ Das freut mich, obwohl ich keine passende Antwort habe.

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weekend reading 52

Als eine gute Tradition (über) ein Jahr alt wurde.

Der erste weekend reading-Post war am 25. Januar 2019, und nicht erst Mitte Februar. Ich habe ein paar Freitage verpasst, wenn ich im Urlaub war oder an Freitagen wichtige Dinge passiert sind, die andere Texte verlangten. Auf jeden Fall freue ich mich, dass ich diese Rubrik auch durchhalte, denn sie macht am Ende jeder Woche meine Tabs leerer. Und ermöglicht es mir, meine eigenen Texte hier zu verlinken.

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Die Verspannungen

Als es regnete.

Es regnet und ich bin alleine. Das ist alles, was ich über meinen Tag wissen muss. Es ist alles, was irgendwer wissen muss. Ich fühle mich nicht einsam, aber ich frage mich immer öfter, ob ich mich nicht selbst belüge. Und dann wieder, ob ich gerne einsam wäre, ob ich mich in den Straßengraben werfen, dort ein Loch buddeln und immer tiefer graben will, um mich in meinem Elend suhlen zu können. Als würde mir irgendetwas von alledem Spaß bereiten.

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Der Glasboden

Als ich Gänsehaut hatte.

Obstwiese im Sonnenaufgang, aus dem Zug heraus fotografiert.

Meine Augen sind weit geöffnet. Ich verstehe nicht, was ich da sehe. Erst denke ich, dass wir wieder einmal an der Decke eines Raumes hängen, statt auf dem Fußboden zu stehen, dass die himmlische Mechanik zwischen mir und der Person, die wir einst Ruth nannten, wieder einmal die Schwerkraft für kurze Zeit außer Kraft gesetzt hat. Es ist nicht das. Ich blinzele. Oder eher: Ich schließe und öffne meine Augen bewusst nochmal. Würde ich nicht immer noch ihre Hand halten, würde ich sie benutzen, um mir die Augen zu reiben. Da es recht ungewohnt und vermutlich auch wenig wirksam ist, nur ein einziges Auge zu reiben, lasse ich es sein. Dann starre ich nur noch.

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Die Schlupp

Als ich ein heimliches Lieblingsgericht kochte.

Ich stehe am Ufer, die Gischt der Suppe schlägt mir entgegen. Wenn ich einen Eintopf koche, fühle ich mich erhaben, wie am Meer. Noch schlimmer ist es nur bei Risotto, da wähne ich mich Kapitän eines alkoholdämpfenden Frachters.

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Das Schwimmbad oder das Museum

Als ich im Traum kuschelte.

Ich bin in einem Schwimmbad oder einem Museum, ein großes Gebäude auf jeden Fall. Gemeinsam mit meinen Geschwistern bewege ich mich zum Ausgang. Auf unserem Weg begegnen wir immer wieder kleinen Tischen, über die wir auf dem Hintern drüberrutschen. Ich weiß nicht, warum wir das machen, aber es macht Spaß. Insgesamt empfinde ich den Weg aber als mühsam. Irgendwann komme ich aber in einer Lobby herum.

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Das Augenöffnen

Als ich Pizza aß.

„Du kannst deine Augen wirklich wieder öffnen.“
Die Person, die wir einst Ruth nannten, wiederholt ihre Aufforderung. Ich kneife meine Augen noch etwas fester zusammen, weil ich mich nicht traue, vor allem nicht, wenn sie mich auffordert. Was habe ich schon zu gewinnen?
„Na los.“
Ich halte ihre Hand und hoffe, dass meine Augen sich von selbst öffnen.

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