Die Bitumenkaugummilava

Als ich in etwas trat.

Mir kommt der Tag so anstrengend vor, langgezogen wie ein Kaugummi, der im Hochsommer an der Schuhsohle kleben bleibt und bei dem nächsten Schritt einen langen, unglaublich ekligen Faden zieht, bevor er wieder mit dem ohnehin schon angeschmolzenen Asphalt verschmilzt. Diese Bitumen-Kaugummimasse bewegt sich wie sehr langsame Lava durch die Stadt, unbeachtet von ihren Bewohner*innen. Irgendwann löst sich die Blockade in meinem Kopf, möglicherweise durch den dritten Kaffee, der einige Zeit braucht, bis er wirkt.

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Die Müdigkeitswelle

Als ich schnell müde wurde.

Ich beende mein Abenteuer und fühle mich danach leer, wie immer. Leer und irgendwie zufrieden, weil diese Sätze so liebe, weil sie trotz all dem Regen und Schnee und dem Grau eine Hoffnung in mir erwecken, die ich nicht umschreiben kann. Ich esse die Nudeln und nehme mir Nachschlag und dann trifft mich diese Wellt der Müdigkeit, der ich für den Rest des Abend nicht mehr entkommen kann.

Das Rohr

Als es wenig überraschend regnete.

Das Rohr der Regenrinne im Hof hat sich gelöst, und statt der Schwerkraft zu trotzen hat es nachgegeben. Zwischen dem Metalrohr, das den Regen sammelt und dem Kunststoffrohr, das es in den Untergrund leitet, sind etwa fünf Zentimeter Luftweg, den das Wasser zurücklegen muss. Es klingt wie ein Didgeridoo, durch das jemand Wasser laufen lässt. Ich drücke das Rohr wieder nach oben. Das Geräusch verschwindet, es bleibt nur das Rauschen.

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Der großartigste Satz

Als ich von Bannern träumte.

Ich bin kurz auf einem anderen Kontinent, in einer anderen Welt. Ich schaue lediglich in den Himmel und blicke auf die Wolken, und mein Geist befreit sich für anderthalb Stunden aus meinem Körper. Ich schwebe frei von allen irdischen Problemen über den Wolken, bis ich das Beringmeer in meinem linken Nasenloch rieche. Ich schwebe hinab in einer eleganten Kurve, die keine Mathematik auf diesem Planeten beschreiben kann.

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Der Schneegriff

Als es dicke Flocken schneite.

Der Winter greift noch einmal nach dem Kontinent. Ich kann nicht anders, als das als eine Art Zeichen sehen, ein Omen aus merkwürdig dickem Schnee, der sich langsam über die Landschaft begibt, während ich drinnen sitze und die Heizung noch ein wenig nach oben drehe, um die Kälte weiter auszusperren.

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Das Aquarium

Als ich herumschwamm.

Ich fühle mich wie ein Fisch in einem zu kleinen Aquarium, an diesem Montag, der überhaupt kein Montag ist. So sehr mir das Konzept einer kürzeren Woche gefällt, so sehr missfällt mir der Zeitdruck, dem ich mich selbst ausgesetzt habe. Ich versuche ein Schwamm zu sein, der aufsaugt und gleichzeitig wieder abgibt. Es bleibt die Stille, die entsteht, wenn jemand vor der Tür steht und die Klingel betätigt.

Die Klimazonen

Als mein Desktop vollgemüllt war.

Es hagelt. Vor einem Tag saß an der gleichen Stelle noch jemand in kurzen Hose und T-Shirt und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen, als sie ihre letzten Minuten in Freiheit genoss, bevor sie hinter den Häusern verschwinden musste. Es ist so grau, als wäre wieder Herbst. Nur das Tageslicht kann mich davon überzeugen, dass dieser Eindruck falsch sein muss. Ich stelle mir vor, auf dem Deck eines Segelschiffs zu stehen und langsam durch sämtliche Klimazonen des Planeten zu fahren.

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Die Postapokalypse-Kreislaufwirtschaft

Als ich Autobahn fuhr.

Es ist immer noch so still, es hallt immer noch alles. Morgen wird es schon besser sein, in einer Woche wird mir nichts mehr auffallen und in einem Monat werde ich es nicht mehr bemerken. Ich sollte ein Loch in die Wand bohren, um meiner heiligen Wut über alles, was dazu geführt hat, Ausdruck zu verleihen. Ich will es füllen, mit Marmelade, denn irgendwo steht immer Marmelade, die niemand essen will, außer bei großen Sonntagsfrühstücken oder mit Pfannkuchen.

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Die Leere (2)

Als es leer wurde.

Es ist der Anfang vom Ende. Ein weiteres Omen, das auf den unaufhaltsamen Niedergang hinweist. Ich bin hilflos, trinke nur meinen Kaffee und schaue zu, auf den Stiegen zur Haustür sitzend. Es ist so leer und still und überall hallt es, wenn eins zu viele Schritte tut. Ich weiß noch nicht, wie ich das aushalten werde, vermutlich werde ich die Stille zu schätzen lernen und mich wie ein Eremit fühlen.

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