Der Geländewagen

Als die Straße so still war.

Ich weiß nicht, warum mir so heiß ist, obwohl es das eigentlich überhaupt nicht ist. Ich falte meine Shorts zusammen und lege sie gemeinsam mit der Hoffnung auf einen Sommer in den Schrank. Dann drehe ich die Heizung runter und lasse etwas Winterkälte in mein Zimmer, um aus diesem Gefühl rauszukommen. Die Straße riecht nach Hausbrand, trotz der Ausgangssperre schleicht sich ein Auto einsam durch sie durch. Es dauert einige Minuten, bis das nächste zu hören ist. Ich könnte mich an die Stille gewöhnen.

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weekend reading 93

Als ich viele Links hatte.

Diese Woche gibt‘s viele Links. Da ich mir die Tabs oft aufheb und im Zweifelsfall Freitags les, es jetzt aber schon spät wird, kann es sein, dass ich ein paar Sachen einfach so poste, ohne sie ganz gelesen zu haben. Ganz geschrieben habe ich über Verschwörungsmythen unter dem Titel Von roten Löwen und Schafen. Und diese Woche spreche ich Sexpodcast über die Dauer vum Sex, auf Luxemburgisch.

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Die Schneedecke

Als er liegenblieb.

Der Schnee fällt in dicken Flocken, den ganzen Tag lang. In diesen Zeiten fühlt es sich wie ein kleines Wunder an, dass er wirklich liegenbleibt, für etwas länger als ein paar Stunden und tatsächlich einige wenige Zentimeter hoch. Ein Rechteck mit Schnee, wo sonst Beton ist. Die Streifen, wo ein wenig Moos zwischen den Platten wächst, sind nicht zu sehen, die Decke ist dichter.

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Der Kissenberg

Als ich mich sehr müde fühlte.

Ich hake die Punkte auf der Liste ab und fühle mich brav und fleißig. Nachdem ich anderthalb Mal auf Snooze gedrückt habe, drehe ich mich um, um auch aus einer anderen Richtung nicht wach zu sein. Ich versinke im Ohrensessel als bestünde er aus Treibsand.

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Der Heizkörper

Als ich im Winter schwitzte.

Ich fühle mich so leer- und vollgeredet, seit Tagen schon. Als könnte ich kein Gespräch mehr führen, als wüsste ich überhaupt nicht mehr, was ich sagen sollte. Oder könnte. Es ist schon so viel gesagt worden, nur noch nicht alles von mir. Die Kälte zieht in das Haus, zuerst in den Flur dann ins Stiegenhaus und dann in die Knochen, wo sie verbleibt, bis ich mir den Rücken am Heizkörper verbrenne. Irgendwodran muss ich mich ja schmiegen.

Ich imaginiere mich in einer Hütte im Wald, in dem es tatsächlich schneit. Ich hacke Holz und befeuere den Ofen, der viel zu groß für diesen kleinen Raum ist und muss mitten im Winter schwitzen. Für zwei Minuten beruhigt mich diese Fantasie, dann denke ich wieder an die Kälte im Flur und an die Tatsache, dass ich eine Jacke anziehen muss, wenn ich in den Garten gehe und möchte ein Jahr lang jammern.

Die Plane

Als ich auf den Sommer hoffte.

In der Wintersonne glitzert der Raufreif. Die Stille ist durch ein geschäftiges Hintergrundrauschen ersetzt worden. Der Tag ist noch jung, Tatendrang sammelt sich in den Herzen der Menschen, um mit dem dritten Kaffee wieder zu verschwinden. Es bleiben gute Vorsätze, ein kleiner Klumpen im Magen und die Gewissheit, dass Morgen auch noch ein Tag ist.

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Die Automatenzäsur

Als ich über den Cybercottagepunk nachdachte.

Der Wurstautomat, etwas abseits der Bushaltestelle, für dich ist er ein lustiges Fotomotiv aus der Provinz, für die Menschen die ihn betreiben ein neues Standbein und für die Bevölkerung Nahversorgung. Die Zukunft hält überall Einzug und leuchtet die ganze Nacht über in grellen Neontönen. Es gibt kein Zurück, es muss ständig etwas blinken, möglichst in einem Blauton, der sich in meine Netzhaus einbrennt.

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Das Purpur

Als ich rührte.

Ich koche ein Risotto, es ist purpurfarben. Mir fehlt eine Zutat, weshalb ich nicht diesen üblichen leichten Rausch habe, den ich sonst verspüre, wenn ich in dem Reis herumrühre, als ginge es um mein Leben. Die Brühe und der Reis und die Hitze formen eine stärkehaltige Flüssigkeit, durch die ich den Löffel hindurch bewege, wie durch ein rosarotes Labyrinth, in dem nur ich die Wege erkennen kann. Ich freue mich und schütte noch etwas Brühe nach. Beinahe habe ich das Gefühl, ich versuche, den Kochprozess zu verlängern.

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