Die Hundsrose

Als ich im Regen stand.

Ein Strauch Hunds-Rose.

Es regnet endlich. Nach dem trügerischen Donner hatte ich schon nicht mehr dran geglaubt, aber dann höre ich ihn doch. Mir bleibt keine andere Option als nach Draußen zu gehen und mich in den strömenden, kalten, sehr nassen Regen zu stellen. Die dicken Tropfen sind etwas unangenehm, aber ich will jetzt im Regen stehen und eine Zigarette rauchen, als würde mich der Regen nichts angehen und ihn dennoch genießen, nachdem es so lange so viel zu heiß war.

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Die Goldrute

Als ich mich duschte.

Es ist weiterhin viel zu heiß, also ich entschließe ich, einfach zu schwitzen. Ich bleibe unter dem Wellblechdach sitzen, so lange bis es überhaupt nicht mehr geht. Draußen geht immerhin manchmal ein Hauch von etwas, was wie Wind wirkt. Die Linderung ist nur von kurzer Dauer, möglicherweise ist sie auch nur ein Placebo. Vincent, die Aloe, steht ebenfalls in der Sonne und ich hoffe, dass es ihm gut geht.

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Die Tomate

Als ich die erste Tomate aß.

Langsam zieht sich der Himmel zu. Ich sitze wieder in dem Liegestuhl, lese diesmal wirklich ein Buch, neben mir steht eine kalte Flasche Bier, die ich vor allem deswegen trinke, weil sie im Kühlschrank stand. Kleine Wassertropfen kondensieren an ihrer Oberfläche. Ich wünschte, ich würde nicht so schwitzen, sondern die Luftfeuchtigkeit würde an mir kondensieren. Ich stelle mir vor, wie es wäre, meinen Kopf mit dem eiskalten Wasser aus dem Gartenschlauch zu übergießen, als wäre ich eine der Tomaten, die langsam heranwachsen.

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Die Aloe

Als ich in der Hitze saß.

Es ist ungefähr der heißeste Tag des Jahres, ich hänge dennoch Wäsche auf dem Dachboden auf, unter dem es nochmal so viel heißer ist. Der Schweiß perlt an mir ab, ich höre dabei einen Podcast, den ich schon lange nicht mehr hörte und weiß sofort, warum ich ihn vermisste.

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weekend reading 70

Als ich zum 70. Mal Links postete.

Diese Woche schrieb ich darüber, dass ein Tiny House auch keine Lösung ist, über „Vakanz doheem“ in einem fiktiven Staat und über den Comic-Band Hattest du eigentlich schon die Operation? Keinen längeren Artikel, aber angesichts meiner anhaltenden Beschäftigung mit einer verstopften Nase war ich ganz froh darüber. Ach, und die letzte Folge der zweiten Staffel vom Sexpodcast ist auch heute gelaufen. Nach der Sommerpause geht‘s weiter.

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Das Pendelschreiben

Als ich eine lange Mail schrieb.

Ich schreibe viel zu lange an einer Mail, die überhaupt keinen Effekt haben wird. Ich mache es trotzdem, aus irgendeinem Gefühl der Nostalgie und Verpflichtung heraus, für die es beides keinen Grund gibt. Danach fühle ich mich nur schlecht, als hätte ich die Zeit vergeudet, in der ich zum Beispiel auch ein merkwürdiges Computerspiel hätte spielen können. Oder den Rosenbusch anstarren. Wenn ich über die vergangene Woche nachdenke, komme ich überhaupt nicht mehr nach, ich weiß nicht einmal genau, was wann wie passiert ist. Es war zu viel, obwohl wir alle immer noch auf diesem Schiff sitzen, das immer noch keinen Hafen gefunden hat.

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Der Kunstregen

Als ich die Kürbisse goss.

Ich stehe im Garten und gieße die Kürbisse, bewege den Schlauch hin und her, damit ein feiner Nieselregen entsteht. Der Schlauch ist voller Löcher, und kaum biege ich ihn in die falsche Richtung, kommt überhaupt kein Wasser mehr heraus. Ich nehme mir diese Pause, von der Hitze, von den Nachrichten, vom Schnupfen, von der generellen Weltuntergangsstimmung.

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Der Liegestuhl

Als ich besorgt war.

Das Kratzen in meinem Hals besorgt mich, mehr als es vermutlich sollte. Beim Kochen überschlage ich in meinem Kopf, ob es wohl möglich wäre, zwei Wochen nur von den Vorräten zu leben. Ich komme zu keinem sehr befriedigendem, aber auch nicht besorgniserregendem Ergebnis. Fast hätte ich vergessen, dass das die Gedanken sind, die eins sich in dieser Situation eventuell machen muss. Die Rosen strecken auch unter dem viel zu heißen Himmel immer noch ihre Zweige aus, während ich im Liegestuhl sitze, besorgt bin, Comics lese, schwitze, rauche, bis ich mich nochmal an den Computer setze, um zwei Texte zu korrigieren.

Der Mittagstisch

Als ich Suppe aß.

Wir sitzen am Mittagstisch und essen alle Suppe. Kleine Fetzen Zucchini und Kürbis sind noch zu erkennen, grün und rot. Es ist ein grauer, regnerischer Tag, der trotzdem viel zu warm ist. Ich verstehe nicht ganz, wie das zu Stande kommt und ich muss ständig rauchen, um mit allem zurecht zu kommen. Wenn du das Gefühl hast, mit allen Krisen, die die Welt so brachte, halbwegs fertig zu werden, beschwört irgendwo irgendeine neue herauf, als wäre das ein gutes Hobby.

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