Die Kassenperson

Als ich eine Stimme hörte.

Es ist so still. Und es ist so kalt. Am ärgsten merke ich an den Zehen, sie werden immer als erstes so kalt, dass ich mich über mein schlechtes Schuhwerk ärgere. Ich umarme mich selbst, obwohl ich ganz genau weiß, dass das überhaupt nichts hilft. Nicht, wenn meine Zehen kalt sind und ich dickere Socken oder zwei Lagen oder einfach bessere Schuhe anziehen sollte. Vielleicht sollte ich auch nicht mitten in der Nacht irgendwo herumstehen.

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Die Anklage

Als ich (k)eine Sprachnachricht aufnehmen wollte.

Der Himmel beunruhigt mich. Das hohe Gras um mich herum hingegen empfinde ich als völlig normal, obwohl es ebenso nicht sein kann. Es ist so kalt, ich drücke meine Hände noch tiefer in die Fleecejacke. Ich erwarte, dass die Schneeflocken, von denen ich im Radio hörte, vom Himmel herunterfallen. Aber der Himmel tut einfach nichts. Er ist ein nutzloses Stück des dunkelsten Dunkelblaus.

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Der Fleece

Als ich mich im hohen Gras aufhielt.

Einen kurzen Moment lange habe ich das Gefühl, ich würde im hohen Gras stehen. Aber das kann nicht sein, es ist viel zu kalt dafür, die Jahreszeit hat alles Grün in ein matschiges Braun verwandelt, das auf jeden Fall nicht mehr hoch ist. Ich streife trotzdem den Raureif von einem hohen Grashalm ab. Er fühlt sich geradezu knackig an, wie Brokkoli, der genau richtig gekocht ist. Außerdem scharf. Ich habe Angst, mir eine Papierschnittwunde zuzufügen, obwohl der Grashalm überhaupt nicht aus Papier ist.

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Das Wasserverlangen

Als ich zu sehr auf die Werbung hörte.

Ich stehe unter der Dusche und höre eine Werbung für einen Online-Therapiedienst aus meinem wasserfesten Lautsprecher, mit dem ich Podcasts unter der Dusche höre. Ich frage mich kurz, was ich dem Dienst erzählen würde und ob nicht alle meine Probleme viel zu leicht zu lösen wären. Vermutlich ist das dieses Imposter-Syndrome, von dem immer alle erzählen. Das warme Wasser fühlt sich gut an. Manchmal dusche ich am Wochenende besonders lange und sage mir, dass ich sonst in der Wanne liegen würde, wenn ich denn eine hätte.

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Der Knutschtraum

Als ich von einer Holzterrasse flüchtete.

Ich bin nicht so wütend wie vor einer Woche, ich bin nicht einmal so müde wie die letzten Tage. Ich atme tief ein und schwachbrüstig wieder aus, die Luft ist mir zu kalt, sogar wenn meine eigenen Lungen sie aufgewärmt haben. Ich hatte einen wunderschönen Traum, von dem ich vermutlich noch Jahre zehren werde.

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Die Entschuldigung

Als ich nichts schnitt.

Am Ende des Tages überkommt mich das Gefühl, dass nun alles besser werde. Ich weiß nicht genau warum das so sein soll, aber immerhin ist der Tag vorbei, der mich angestrengt hat. Dabei habe ich nicht einmal über die wirklich schlimmen Dinge nachgedacht, keine neuen Termine gemacht, muir kein Abendprogramm aufgedrängt.

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Das Überbacken

Als ich Melanzani schnitt.

Überall suche und frage ich nach meinem Moussaka-Rezept, aber ich finde es nicht. In dem Buch, in dem ich es zweimal vermutete, ist es nicht, und das andere, in dem es vermutlich ist, habe ich überhaupt nicht mehr in meinem Besitz. Ich schaue kurz auf ein paar Seiten nach, aber die Rezepte sehen alle merkwürdig aus. Ich erinnere mich dann, wie ich das immer gemacht habe und mach es einfach so.

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Das Rühren

Als ich Kartoffeln machte.

Während ich Kartoffeln in der Pfanne anbrate, frage ich mich was dereinst diese eine Person dazu brachte, mich an dieser S-Bahnstation zu küssen. Rückblickend wirkte das dann doch eher untypisch, aber rückblickend lässt es sich leicht in den Kartoffeln rühren und Dinge „untypisch“ finden.

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