Der Morgenkaffee

Als ich nicht unter den Wimpeln saß.

Beim Morgenkaffee versuche ich nicht daran zu denken, dass dies der letzte schöne Tag des Jahres ist, versuche nicht in Melancholie zu verfallen und konzentriere mich auf meinen Kaffee und den Sonnenschein und das Interview, das ich über meine schlechten Handylautsprecher höre.

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Die Latte

Als ich in mir zusammen fiel.

Der Tag fühlt sich am Ende an wie ein Springschloss, das sich auf mir aufgeblasen hat. Es liegt schwer auf mir und irgendwer hopst darin herum. Irgendwer anderes kümmert sich darum, dass ich Essen bekomme, eine Stimme redet fast eine Stunde mit mir und am Ende falle ich in mich zusammen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass schon bald wieder Wochenende ist und ich dann sicherlich einmal eine Stunde länger schlafen kann. Die Latte liegt tief, aber wir sind auch in einer globalen Pandemie.

Die Gespräche

Als ich Teilnehmer an Gesprächen war.

Ich sitze alleine in der Küche und esse meine aufgewärmte Suppe, auf die ich mich schon den ganzen Tag freute. Es sind Menschen in der Küche, sie reden miteinander, nebeneinander, aneinander vorbei. Es ist nicht mein Gespräch, ich esse nur meine Suppe. Ist es schärfer geworden?

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Die Druckermelancholie

Als ich zwischen den Goldruten stand.

Es gibt ein klärendes Gespräch zwischen den kanadischen Goldruten, die zwar eine invasive Pflanzenart sind, aus denen man jedoch guten Tee machen kann, wie ich erfahre. Das ist nur ein schwacher Trost dafür, dass ein Teil des Gartens voll mit ihnen ist. Die Globalisierung des Pflanzenreiches macht auch vor diesem Flecken Erde nicht halt. Es ist so faszinierend, wie wir Papageien in Städten einführen, in denen sie nicht heimisch sind und niemanden interessiert es, aber kaum stört uns eine Gans, werden die großen Geschütze aufgefahren.

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Der Sirup

Als alles so anstrengend war.

Der Tag ist anstrengend, und es ist nicht so, als hätte ich das nicht vorher gewusst. Ich versuche, auf die Zähne zu beißen, oder mich durchzubeißen oder irgendeine andere unangenehme Zahn-Metapher. Ich habe immer noch das Gefühl, einen schweren Schatten als Dopplereffekt hinter mir herzuziehen. Alles ist schwieriger, behäbiger, als bestünde die Atmosphäre zu 78,1 Prozent aus zähflüssigem Sirup und nicht aus Stickstoff.

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Die Zahnräder

Als ich neben mir stand.

Mein Kaffeetrinken am Morgen dauert lange, ich bleibe einfach etwas im Garten sitzen und starre auf mein Handy oder in den Himmel. Atemholen, bevor ich den Tag wirklich beginne. Als müsse ich ihn mit dicken Backen durchleben und die Luft dabei anhalten.

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Der Luftdruck

Als ich Rentrée hatte.

Ich bin so müde, denn ich war den ganzen Tag in der Stadt. Die Stadt, die gar nicht so groß ist und mir eigentlich lächerlich vorkommt, sie wirkt gerade groß. Überhaupt fühlt sich alles nach dem ersten Schultag nach den Ferien an, als ich für einen halben Tag im Büro bin. Ich fühle mich so erschöpft, dabei habe ich überhaupt nichts getan. Das schreibe ich, um mich dann zu erinnern, dass mein „überhaupt nichts“ vielleicht gar nicht so wenig war. Ich möchte das loswerden, dass ich ständig nach Produktivität strebe, als sei es nicht genug, jeden Tag zu existieren, zu atmen, zu verdauen und zu versuchen, nicht vollkommen unterzugehen in dieser Welt, in der der Luftdruck noch das Angenehmste ist.