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Die Fackel

Als ich ein Konzept halbwegs durchzog.

Ein Streichholz in der Dunkelheit

Ich möchte eine Fackel entzünden und durch die Dunkelheit laufen, alleine. Das Licht, das ich bringe, wird niemanden wärmen, es wird niemanden erleuchten, es wird höchstens Menschen verblenden. Ich hingegen wärme mich an der Unverständnis, die mir entgegengebracht wird, denn ich trage eine Fackel durch die Nacht, obwohl in der Stadt eine funktionierende und funktionale Straßenbeleuchtung existiert. Das ist mein Lebensgefühl, das ich nicht anders beschreiben kann.

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Der McMoment

Als ich mich – wie alles – wiederholte.

Ein Glas Wasser, in dem Chiasamen schweben.

Ich will nicht jeden Tag nur eine Variation des gleichen Textes schreiben. Aber leider scheint mein Leben gerade eins dieser single-issue-lifes zu werden, von denen ich immer höre, dass niemand sie lebt. Am Morgen habe ich versucht, den McMoment des letzten Mittwochs – er wirkt schon wieder so unvorstellbar weit weg – nachzustellen, aber es ist mir nicht gelungen. Mein Kopf war nicht in der Musik, der Regen nicht anwesend, und auch der Nebel, der gewissenhaft am Horizont hing, konnte die Stimmung nicht retten.

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Das Biegen und das Brechen

Als ich über Herzensbruch nachdachte.

Fertiggerichte in Dosen in einem österreichischen Supermarkt.

Immer, wenn ich dachte, jemand hätte mein tiny heart gebrochen, war es stets eine Lüge. Mein Herz ist intakt, alles was gebrochen wurde ist dieses merkwürdige, unkontrollierbare Nervenbündel in meinem Bauch, das als zweites Gehirn funktioniert. Außerdem habe ich vor kurzem gelernt, dass eine meiner Gehirnhälften nicht sprechen kann und deswegen eventuell ein Doppelleben führt, von dem ich bisher nichts wusste und das ich auch nicht verhindern kann, selbst wenn ich es wollte.

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Das Urlaubsgefühl

Als ich Popmusik hören musste, um mich abzulenken.

Blick auf eine Autobahn, einen Parkplatz und eine Baustelle von einem Turm herab. Am Horizont und am Himmel sind viele weiße Wolken zu sehen.

Ich finde mich selbst sehr lächerlich. Dann versuche ich, mich mit Popmusik abzulenken von dem Draußen und dem Drinnen, das mich schon etwas quält. Ich weiß nicht einmal, wie ich meinen Zustand wirklich beschreiben würde. Die bleierne Müdigkeit ist größtenteils verschwunden, das Kribbeln in den Händen ist immer noch da. Ich wage es nicht, meine Vermutung auszusprechen, sie darf nicht genannt werden.

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Das Regenwetter

Als meine Hand kribbelte.

Strahlend blauer Himmel, von unten fotografiert, so dass einige Baumkronen voller grüner Blätter sichtbar sind.

Ich steige aus dem Zug und bemerke, dass meine Hand nicht mehr so merkwürdig kribbelt, was selten irgendetwas Gutes bedeutete. Dafür ist mein Gesäß eingeschlafen – immerhin gibt es Abwechslung im Bereich des Merkwürdigen, des Nicht-Einzuordnenden, des Unkategorisierbarem, das mir zwar nicht den Schlaf raubt, mich aber auf eine merkwürdige Art und Weise beschäftigt.

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Der Cybretraum

Als ich von elektrischen Schafen träumte

ein sehr glitchiges bild eines netzwerk-switches

Ich hatte einen Traum – oder was es nur etwas, worüber ich las? – in dem das Internet noch mit diesen altmodischen Einwahlmodems funktionierte und alle, die sich darin bewegten, kannten sich aus und einander. Retrofuturistisch, aber nur um zwei- oder dreieinhalb Jahrzehnte verrückt. Ich bin zu spät geboren, ich bin zu früh geboren, nie ist mir etwas recht.

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Der ewige Sommer

Als ich mich an ein Badegewässer wünschte

ein Badesee. Es ist nur ein schmaler Streifen Horizont zu sehen, sonst nur Wasser, im Hintergrund ein Boot und eine Boje

Irgendwann wird er kommen, der ewige Sommer
und alle Städte werden an der Donau liegen
oder es wird nur noch eine Stadt geben
und viel wichtiger: Wir alle werden schwimmen gehen
an einem Alt-Arm oder in der Donau selbst
das Wasser wird immer Badewannentemperatur haben
und wir immer zu salzige Pommes.

Die Kernspaltung

Als ich den Kern traf.

Hauling crates of peaches from the orchard to the shipping shed, Delta County, Colo.

Unter Beobachtung schreiben ist immer merkwürdig. Meistens können die Menschen gar nicht auf mein Display sehen, oder nicht in mein Notizbuch. Das ist gut, denn mit Schreiben verhält es sich wie mit dieser merkwürdigen Theorie aus der Physik, dass sich Dinge verändern, sobald sie beobachtet werden. Ich weiß nicht, ob das nicht einfach auf alles zutrifft, was beobachtet wird. Verändere ich mein Verhalten, wenn ich mich selbst beobachte? Ich beobachte mich seit 96 Tagen selbst. In einer Form, die ich so noch nie praktiziert habe. Es ist ein Experiment.

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