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Das Schuhkartongrau

Als ich über ein „irgendwie“ diskutierte.

„Erzähl mir doch mehr davon.“
Die Person, die wir einst Ruth nannten, sieht mich erwartungsvoll an, während ich den süßen Pfirsich kaue und der Saft mir durch den Mund schießt. Sie lächelt wieder dieses ernste, ehrliche Lächeln, das ich von ihr eigentlich nicht kenne. Was die Kontaktsperre mit Menschen – oder in diesem Fall metaphysischen Wesen – so anstellt. Der Boden ist immer noch nass, die Luft ist immer noch feucht, der Himmel hat immer noch dieses Schuhkartongrau, das ich in meiner Jugend so hasste.

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Der Regenpfirsisch

Als ich das Obst aß.

Ich beiße in den Pfirsich. Es regnet, und die Tropfen fühlen sich kalt und scharf auf an meiner Haut. Der nasse Betonboden liegt voll mit Rosenblättern, die es nicht mehr geschafft haben. Mir gegenüber steht immer noch die Person, die wir einst Ruth nannten, und lächelt mich an. So freundlich, als habe es ihren Zynismus, mit dem sie Selbsterkenntnis aus mir herauskitzeln wollte, nie gegeben. Der Pfirsich schmeckt genauso süß und saftig wie er gerochen hat, was ein wahrhaftiges Wunder ist, hat die Person, die wir einst Ruth nannten, ihn doch von einem Quittenbaum gepflückt, der zudem zu diesem Zeitpunkt noch in voller Blüte stand.

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Der Betonhof

Als ich getröstet wurde.

Wir stehen also im Garten. Die Person, die wir einst Ruth nannten, unter dem Quittenbaum und ich in dem Betonhof, nahe dem Wasserbecken, in dem kein Wasser ist. Wir schauen uns an und ich ziehe verwirrt eine Augenbraue hoch. Verwirrt, weil mein Gegenüber tatsächlich ein warmes Lächeln zeigt und nicht ihr übliches spöttisches Grinsen, mit dem sie mich dazu bringen will, mehr von mir selbst gegenüber mir selbst preiszugeben, als mir liebe wäre. Nichts dergleichen heute. Alles, was überhaupt auf ihre extradimensionelle Existenz hindeutet, ist der saftige, duftende Pfirsich in ihrer Hand.

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Der Blütenstaub

Als ich besucht wurde.

Ich blinzele. Und als ich die Augen wieder komplett öffne, sind 51 Tage, eine Stunde, acht Minuten und 47 Sekunden vergangen. Ich stehe in keinem Wald mehr, falls ich je wirklich in einem Wald gestanden bin. Ich stehe in meinem Garten. Er gehört nicht nur mir, aber ich nenne ihn der Einfachheit halber so. Wir gehen mit Gärten, in denen wir uns aufhalten, in denen wir arbeiten, eine Art symbiotische Beziehung ein, egal wie groß oder klein unsere Aktivität ist. Bevor ich weiter über die metaphysischen Verbindungen zwischen Menschen und Gärten nachdenken kann, höre ich eine Stimme, die ich 51 Tage, eine Stunde, 14 Minuten und 29 Sekunden nicht gehört habe. In diesen Zeiten ist das eher ein Grund zur Besorgnis, weswegen ich mich erschrocken umblicke, noch bevor ich wahrnehme, was gesagt wurde.

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Der Anfang

Als ich den Mond sah.

Als ich meine Augen wieder öffne, stehe ich im Wald. Es ist jener Wald, in dem ich öfters mit dem Hund gehe, so matschig und nass und kalt und dunkel wie immer. Hat es hier begonnen? Nicht weit von dem Weg, auf dem ich stehe, sind die alten Minen, ich muss nur die Treppen hinabsteigen, mich gut an dem Stahlseil festhalten und einen Schritt vor den anderen setzen, dann spüre ich schon den kalten, muffigen Wind, der aus ihnen weht.

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Der müde Blick

Als ich aufräumte.

„Gib mir deine Erklärung. Ich möchte es endlich wissen, nach all diesen Jahren.“, flehe ich die Person, die wir einst Ruth nannten, an. Ich erwarte keine Antwort. Zumindest keine klare. In all dieser Zeit, in der ich mich mit ihren orakelhaften Sprüchen herumplagte, habe ich noch nie eine klare Antwort bekommen, warum erwarte ich jetzt eine?
„Oh, du hast schon klare Antworten bekommen. Du hast sie nur nicht annehmen wollen.“
Ich hätte genau das erwarten können, aber aus irgendeinem Grund dachte ich, es würde etwas kommen, was ich besser verwerten könnte. Ich schließe die Augen. Der Abgrund, der nur aus Sternen besteht, macht mich schwindelig.

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Der verdammte Wespenschwarm

Als es immer noch kribbelte.

Ich halte inne. Ich weiß nicht, ob ich wirklich loslaufen soll. Meine Hand fühlt sich auf einmal kalt an, da niemand sie hält. Sie kribbelt dafür umso mehr, es tut schon beinahe weh. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe eine gute Erklärung dafür, die nicht „psychosomatisch“ lautet, dann hätte ich zwar seit über 15 Jahren eine schreckliche Krankheit, die dafür sorgt, dass meine Hände kribbeln, aber immerhin eine befriedigendere Erklärung.
„Du willst eine befriedigendere Erklärung?“, fragt mich die Person, die wir einst Ruth nannten.

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Das Ungleichgewicht

Als meine Hände nicht aufhörten.

„Nein, du musst mir meine Träume nicht erklären“, sage ich zu der Person, die wir einst Ruth nannten. Ich weiß selbst, was sie bedeuten. Eine Person, die ich lange nicht gesehen habe und immer schon unglaublich hübsch fand – für die ich also eine ästhetische Anziehung verspürte – hatte irgendein Foto gepostet oder ich musste aus einem anderen Grund an sie denken und deswegen träumte ich davon. Außerdem wird mein Körper nicht oft genug gedrückt, weswegen ich schon merkwürdig zucke, wenn jemand mich freundschaftlich auf die Schulter klopft. Ich bin fast schon wütend über die Suggestion, ich würde meine eigenen, wirren Träume nicht verstehen.

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Der Glasboden

Als ich Gänsehaut hatte.

Obstwiese im Sonnenaufgang, aus dem Zug heraus fotografiert.

Meine Augen sind weit geöffnet. Ich verstehe nicht, was ich da sehe. Erst denke ich, dass wir wieder einmal an der Decke eines Raumes hängen, statt auf dem Fußboden zu stehen, dass die himmlische Mechanik zwischen mir und der Person, die wir einst Ruth nannten, wieder einmal die Schwerkraft für kurze Zeit außer Kraft gesetzt hat. Es ist nicht das. Ich blinzele. Oder eher: Ich schließe und öffne meine Augen bewusst nochmal. Würde ich nicht immer noch ihre Hand halten, würde ich sie benutzen, um mir die Augen zu reiben. Da es recht ungewohnt und vermutlich auch wenig wirksam ist, nur ein einziges Auge zu reiben, lasse ich es sein. Dann starre ich nur noch.

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Das Augenöffnen

Als ich Pizza aß.

„Du kannst deine Augen wirklich wieder öffnen.“
Die Person, die wir einst Ruth nannten, wiederholt ihre Aufforderung. Ich kneife meine Augen noch etwas fester zusammen, weil ich mich nicht traue, vor allem nicht, wenn sie mich auffordert. Was habe ich schon zu gewinnen?
„Na los.“
Ich halte ihre Hand und hoffe, dass meine Augen sich von selbst öffnen.

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