Das Ziehen im Arm

Als ich euphorisch aufwachte.

An den Tag davor erinnert mich beim Aufwachen nur noch mein schmerzender Arm, an die Nacht meine Euphorie. Ich muss innerlich grinsen, bevor ich an den Grindstein des Erwachsenenlebens denke, dem ich mich auch heute wieder widmen muss. Ich sitze viel zu lang verschwitzt und ungeduscht in der Küche und trinke Kaffee mit Mandelmilch, bevor ich mich wieder schöneren Dingen widmen kann, wie den leichten Nachwirkungen und dem Ziehen in meinem Arm.

Die Impfnebenwirkungen

Als es mich doch erwischte.

Es ist nicht so schlimm, aber auch nicht angenehm. Jemand hat noch mehr Watte in meinen Wattekopf getan. Mein Arm fühlt sich immer noch an, als hätte ich einen schrecklichen Muskelkater, die Einstichstelle glaube ich auch zu spüren. Ich komme nur im Schneckentempo voran, aber ich fühle mich wie ein Held, der großes für die Gemeinschaft verbringt, indem er dösig vor dem Computer sitzt.

Die Impfung (I)

Als ich die erste Dosis erhielt.

Ich spüre nicht nichts, aber ich bin mehr von den Ablenkungsversuchen abgelenkt, als dass ich mich groß auf irgendwelche Schmerzen konzentrieren könnte. Ich kriege kein Pflaster, weil ich zu viele Haare am Arm habe. Ich finde diese Betrachtungsweise sehr rührend, bereue aber wenig, nachher kein Oberarmfoto posten zu können. Dafür poste ich einen lustigen Spruch, auch damit kann ich leben. Fünfeinhalb Stunden später fühlt sich mein Arm an, als hätte ich einen Muskelkater. Und alles etwas weniger schlimm.

Die Unumarmtheit

Als ich im Regen nachgab.

Ich stehe im Betonhof, ungeschützt, unter keinem Dach, obwohl es in Strömen regnet. Ich schaue auf den Quittenbaum, unter dem ich einst einen Pfirsich aß. Er ist in voller Blüte, der Regen macht ihm nichts aus. Ich sehne mich nach dieser einen Schulter, an der ich mich ausweinen könnte – oder einfach danach, einmal nicht vor Rührung zu weinen.

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Das Herumträgen

Als ich träge war.

Der Mai beginnt nicht sonderlich freundlich. Statt Sonnenschein oder zumindest einem grauem, aber trocknen Wetter begrüßt mich das Draußen mit Regen. Ich halte nichts von solchen Umgangsformen und beschließe, Drinnen zu bleiben und mich mit Festplattenarchäologie und anderen merkwürdigen Sonntagshobbys zu beschäftigen, die vor allem darin von meiner Arbeit unterscheiden, dass ich dabei weniger abgelenkt bin oder mir die Abgelenktheit nicht so vorkommt. Ich poste einen Artikel auf social media, streite mich mit Menschen auf social media, ziehe mich in ein Spiel zurück und möchte am Liebsten gar nicht mehr aufhören.

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Der Sonnsamstag

Als sich der Samstag wie ein Sonntag anfühlte.

Ich werde das Gefühl nicht los, es sei Sonntag. Vermutlich liegt es an dem Feiertag, an der dösigen Stimmung und dem Wetter, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will. Ich erwarte, morgen freudig überrascht zu sein.

Der Brief

Als ich Post bekam.

Ein Brief kommt, er verrät schon auf dem Umschlag, worum es geht. Außerdem hat das Netz mich schon informiert, was kommen wird. Ich kann es nicht ganz fassen, es ist wie unerwartete Geburtstagsgeschenke an an der Haustür entgegenzunehmen.

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