weekend reading 86

Als ich Freitags Links postete, so wie so oft.

Ich habe diese Woche über die kommenden Fahrplanänderungen im öffentlichen Transport in Luxemburg geschrieben, die sich vor allem durch die Ankunft der Tram am Hauptbahnhof auszeichnen. Im Podcast haben wir auch darüber geredet. Und ich habe euch noch gar nicht erzählt, dass ich letzte Woche über das Thema Transgender im luxemburgischen Sexpodcast geredet hab – allerdings ausnahmsweise auf Deutsch.

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Die Gedankenwurst

Als ich aus dem Wasser stieg.

Ich stehe in der Sonne und rauche und rede am Telefon. Ich versuche, meine Gedankenwurst so zu formen, dass sie am anderen Ende der Leitung Sinn ergeben kann. Möglich, dass mir das gelingt, möglich, dass wir wie zwei parallele Geraden in der Unendlichkeit einander nie berühren können, sondern immer nur aus der Ferne betrachten. Am Ende kennen wir überhaupt keine Menschen, nicht einmal uns selbst. Es ist kalt, es wird immer kälter. Trotzdem trage ich nur ein T-Shirt. In der Sonne ist es beinahe noch aushaltbar, auch wenn die vielen Haare auf meinen Armen anfangen, sich in die Höhe zu stellen, in dem vergeblichen Versuch, so ein Polster aus warmer Luft zwischen meiner Haut und der unbarmherzigen Außenwelt aufzubauen. Sie sind viele, aber nicht genug.

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Das Teekochen

Als es (wieder) kalt wurde.

Ich schreibe so viel in den letzten Tagen, es kommt mir selbst ganz merkwürdig vor. Ich tippe und tippe und die Wörter ergeben Sätze und die Sätze sogar Sinn. Es ist, als habe ich wieder aufgeatmet, obwohl der Berg an Aufgaben und Tätigkeiten nicht kleiner wird. Ich verstehe nicht ganz, wie ich nicht vor alledem einknicken kann, wie ich den Fels jeden Tag auf ein Neues heraufrolle, ohne ständig zu seufzen. Ich höre traurige, ätherische Musik, weil ich mir nicht einmal anderthalb gute Tage gönne. Es wird wieder kälter und habe keine Zuversicht, dass das nicht so bleiben wird. Meine Hände werden wieder rau, ich zahle meinen Blutzoll gegen die Pandemie und ob des Vergessens.

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Das Holzhacken

Als ich eine Alternative ausdachte.

Ich schaffe erstaunlich viel an einem Tag, aber es fühlt sich nicht so gut an. Ich leide nicht dabei, sondern drücke einfach auf die Tube, bis die Zahnpasta herausquillt. Der Nebel ist noch dichter geworden, noch näher gekommen. Die Wälder auf der Kuppe sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Die Welt schrumpft nicht, aber mein Erfahrungshorizont. Ich frage mich, ob ich mir eine Alternative ausdenken muss. Vielleicht schreibe ich nur noch über meine imaginäre Hütte in meinem imaginären Wald.

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Die Maßnahmen

Als alles voller Nebel war.

Der Nebel kommt näher, die Welt hat nur noch einen Radius von 500 Metern. Viel weiter muss ich ohnehin nicht gehen, denn es werden wieder einmal Maßnahmen verkündet. Ich habe mir schon vorgestellt, wie das wohl wäre, wenn alles irgendwie zu Ende gehen würde. Ob es überhaupt eine Möglichkeit gäbe, ohne all den zivilisatorischen Fluff, mit dem wir uns umgehen, zu überleben. Höchstens bis die Brille bricht oder die Augen zu schwach werden. Das ist die deprimierende Antwort, und vermutlich ist der hypothetische Zeitraum für mich länger als für viele andere.

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Der Kompostkübel (2)

Als ich das Elsternlied hörte.

Ich gehe mit dem Kompostkübel zum Kompost. Ich habe meine Kapuze auf dem Kopf, eine glühende Zigarette im Mund und schalte das Elsternlied ein. Ich komme mir sehr mystisch dabei vor, obwohl ich für Außenstehende mit der Jogginghose, dem Totoro-Pulli und den ausgetretenen Schuhen gar nicht so aussehe, wie ich mich gerade fühle. Ein festgehaltener Ton schwebt in der Luft, während über den Vogel gesungen wird, den ich ebenso bewundere. Irgendwo über dem Komposthaufen fliegt er vielleicht, neugierig. Der Gedanke, nicht von einem unsichtbaren Auge, sondern von einem Vogel in der Nacht beobachtet zu werden: Beruhigend.

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Die Aufklärung

Als ich nicht fotografiert wurde.

Hoch über mir im Orbit des Planeten nimmt ein Aufklärungssatellit ein Foto auf. Ich bin darauf nicht zu erkennen, denn die Auflösung ist nicht groß genug und die Sonne scheint nicht, so dass keine Schatten zu sehen sein werden. Ich bin für das Auge über mir unsichtbar, solange ich mich nicht zu breit mache. Ein beruhigender Gedanke in einer beunruhigenden Welt. Ich muss an die Perlenkette denken, die sich irgendwann im Frühling über den Himmel zog, und die ich ungläubig anstarrte.

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