Ein Traum wird wahr – ein Schulaufsatz (Note 46/60, 8.Klasse)

approximativ zurückdatiert

„Wer will mal mitfliegen?“ Alle verblüffte diese Frage, aber einige Kinder riefen sofort: „Ich will, nehmen sie mich!“ Ich war auch dabei, obwohl ich einen Kopf größer war als die meisten. Der Drachenreiter lächelte. Dann zeigte er auf mich : „Du, du kommst mit!“
Mir war, als würde ein Traum in wahr werden. Ich durfte auf einem Drachem mitreiten.

Jeden Monat kam einer der Drachenreiter zu uns ins Dorf, das hoch in den Bergen lag, um uns Post, wichtige Nachrichten und manchmal auch Geschenke von Verwandten zu bringen. Seit ich denken kann, war es mein größter Wunsch gewesen, auch einmal auf einem Drachen zu reiten. Ich stieg über die Landungsbrücke zu dem Reiter hinauf: Er hob mich in den Sattel. Dann versicherte er meiner Mutte, dass überhaupt nichts passieren könnte. Während dessen betrachtete ich den Drachen. Seine schuppige Haut war blutrot, außer der dünnen Flughaut, welche zwischen den Flügeln gespannt war. Ich blickte in die Augen des Tieres, als es kurz den Kopf nach hinten wandte. Sie waren wie die einer Katze, ihre Farbe war jedoch anders. Noch nie hatte ich eine ähnliche Farbe gesehen. Es war eine Mischung aus Silber und Blaugrün.

„So, los geht es!“, rief der Drachenreiter mir zu. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er schon im Sattel saß. Der Drache sprang in die Höhe, breitete seine Flügel aus, die zuvor zusammengeklappt waren. Ich hörte, wie ein Raunen durch die Menschenmenge ging, die unten zuschaute. Dann schlug der Drache ein-, zwei-, dreimal mit den Flügeln, und mein Dorf sah aus als wäre es ein Spielzeugdorf. Es war herrlich, auf einem Drachen zu fliegen. Der Wind strich mir sanft durchs Haar, und der Sonnenuntergang färbte die umliegenden Berge golden. Doch dann entdeckte ich etwas Schwarzes am Himmel. „Riesengeier!“ rief der Reiter mir zu. „Du musst dich jetzt gut festhalten.“ Doch der Ratschlag kam zu spät. Ich war hinuntergefallen,als der Drache den Geiern ausgewichen war. Ich fiel in die Tiefe. Zuerst hatte ich das Gefühl zu schweben. Doch dann ging es rasend schnell hinab. Der Boden kam immer näher, und mir wurde es immer banger. Ich dachte an meine Mutter. Was sie wohl denken würde, wenn sie erführe, dass ich tot war? Dann entdeckte ich noch einen Drachen. Er war auch beritten. Ich wollte den Mund öffnen, um „Hilfe“ zu rufen, aber ich konnte nicht mehr. Ich fiel zu schnell.

Dann hörte ich auf zu fallen. Erst dachte ich an ein Wunder, doch im nächsten Moment bemerkte ich, dass ein raues Seil um meine Hüfte geschlungen war. Dann erkannte ich, dass das Seil der Schwanz eines Drachen war. Er hob mich hoch. Ich erblickte das Gesicht des Reiters. Es war derselbe, der mich mitgenommen hatte. Er hatte die Geier abgehängt und war dann zu meiner Rettung herbeigeeilt.

Wir machten uns auf den Rückflug. Ich betrachtete den ganzen Weg lang die Berge, wie sie ihre goldene Farbe langsam verloren und sich schließlich rosa färbten. Dann erblickte ich mein Dorf. Ich war fast wieder daheim. Ich fühlte mich sehr erleichtert, und ich hatte nun nicht mehr so große Lust, auf einem Drachen zu reiten, obwohl mich später von Zeit zur Zeit die Sehnsucht doch noch packte.

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