Der Löffelmörder 2 (Prolog)

approximativ zurückdatiert

Prolog: Oracle

Das Orakel hatte wieder einmal seine Gestalt gewechselt. Mittlerweile tat sie das jeden Mittwoch und zuckte nur noch mit den Achseln, wenn jemand sie danach fragte. Neo betrachtete sie lange. Ihr Teint hatte diesmal die Farbe von geschmolzener Milchschokolade. Die Luft in der kleinen Küche roch wie immer verraucht.

„Du wirst gleich fragen, ob das ein Joint ist. Beziehungsweise, du wolltest es fragen, wirst es aber nicht nicht fragen, weil ich dir die Antwort geben werden: Nein, ich habe mir nur eine Zigarette gedreht, die so aussieht, Kleiner.“

Neo bleib der Mund offen stehen. Er wollte antworten, dass er die Zigarette – die tatsächlich aussah wie ein Joint, noch gar nicht gesehen hatte.

„Versuch nicht zu Lügen. Ich würde es sowieso merken!“
„M…“
„Nicht fluchen, Neo. Ich bin das Orakel – außerdem gibt es jetzt wichtigere Dinge“

Die Stirn der alten Frau, die in einem buntem Gewand gekleidet war, legte sich in Falten und sie blickte Neo mit ihren brauen, fast schwarzen Augen an.
Sie wusste genau, wo seine Augen waren, auch wenn er eine Sonnenbrille trug, das spürte er.

„Ich kann dir nicht viel sagen. Ich weiß nicht mal, wieso ich jeden Mittwoch meine Gestalt ändere. Ich weiß nicht, wieso du wieder in der Matrix bist, wieso du wieder unter Morpheus dienst und wieso Trinity noch lebt. Es ist so, als sei der letzte Tag der Matrix noch nicht gekommen. Niemand weiß genau, wieso dies passiert ist.“
„Was muss ich tun? Der Architekt?“
„Nein, Neo.“
„Smith?“
„Nein.“
„Der Merowinger?“
„Nein.“
„Der Schlüsselmacher?“
„Nein, der ist tot. Schon vergessen?“
„Aber ich dachte…“
„Ich weiß, was du gedacht hast. Ich bin das Orakel. Schon vergessen?“
„Sorry – ich mag solche Ratespielchen eigentlich nicht. Sie wissen, ich bin eher ein Mann der Taten.“
„Oh, diesmal sind große Taten von dir erwartet. Aber du weißt nicht, was du tun sollst, also kommst du zu mir. Du kannst diesmal nicht mit einem Gegner wie Smith oder dem Merowinger rechnen .Ich weiß nicht viel mehr. Lass mir dich eins sagen:
Löffel. Ich weiß nur, dass eine große Bedrohung von einem Löffel ausgehen wird.“
„Einem Löffel? Bitte, was soll das heißen?“
„Tut mir Leid, mehr weiß ich auch nicht. Du musst jetzt gehen.
Ich will Kekse backen. Tut mir Leid, dass ich heute keine für dich habe. Nimm dir stattdessen so eine kleine Tüte mit Lakritze!“
Neo betrachtete die kleine Tüte verwundert, spürte wie das Orakel ihm einen kleinen Schubs gab, um ihn aus der Küche zu befördern und stecke die Tüte schnell in seinen Ledermantel.

Löffel?„, dachte er, There is no spoon…

Ein Kommentar zu “Der Löffelmörder 2 (Prolog)

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