_

Der Geist der Rebbelion. Etwas merkwürdiges, aber wenn man bis einmal mit dem Gedanken infiziert ist, das das System schlecht ist, und es keinen Grund gibt, sich ihm zu fügen, sondern immer mehr Gründe sieht, sich dagegen aufzulehnen, sich gegen diese Maschine, die uns alle zu willenlosen und leicht zu beschäftigenden Arbeitern und Angestellen macht, uns unsere Wiederstandskraft raubt und uns als doppelte Spielfiguren missbraucht: zuerst produzieren wir Güter und Dienstleistungen, um nachher die von anderen hergestellten Güter und Dienstleistungen einzukaufen, und alles nur zu dem Zweck, die Reicher immer nur reicher zu machen, was den Effekt hat, dass die ärmsten nur noch ärmer werden. Wer sich nicht fügt oder ein kaputtes Rädchen der Maschinerie ist, wird isoliert, in Krankenhäusern, Gefängnissen, Irrenhäusern, usw. Verbrecher sperrt man ein, statt ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu bessern, Kranke, Alte und „Verrückte“ sperrt man weg, da sie dem System nicht nützlich sind.
Und uns, die Kinder und Jugendlichen züchtet man zur neusten Generation von Arbeitern und Angestellten heran. Das einzige, was man wirklich in der Schule lernt, die allererste und wichigste Regel ist: Es gibt nichts wichtigers als Punkte. Und die Obrigkeit, die Lehrer haben Macht über die Punkte. Und so werden wir gelehrt, uns anzupassen, zu kratzbuckeln vor unseren Vorgesetzen – während uns eingetrichtert wird, wie viel Glück wir doch hätten, in einem freihen Land zu leben.
Aber wo ist diese Freiheit?

Wie viel Zeit verbringe ich täglich am PC? Und wieviel von dieser Zeit nutze ich effizient? Diese Fragen sollte man sich mal stellen, denn so einfach ist das oft gar nicht. Na ja, ich versuche mal, mich nächste Woche nur auf Schreiben, Bloggen, Mails und Forum zu konzentrieren. Ich denke, das dies sinnvoller ist als einfach sich langweilend vor dem PC zu hocken und nichts zu tun, als auf irgendwas zu warten, von dem man selbst nicht genau weiß, was es ist.
Ich habe mir ebenfalls überlegt, zu dieser Friedensdemo in Lux/City zu gehen, und habe entschieden, dass es ohne Begleitung wohl langweilig wird und da mein Terminplan für Samstag eh etwas eng ist, lasse ich es besser bleiben.
Ansonten war heute wieder einmal ein netter Tag, und ich weiß endlich, wieso Macs so teuer sind: sie haben eine Taste, um das CD-Laufwerk zu öffnen. Nicht am Gehäuse, sondern auf der Tastatur. Style.
Dann habe ich an „Immanuels“ Geschichte weitergeschrieben. Und irgendwie kommt ein Typ darin vor, dem man wohl besser keine Schrotflinte kauft.

Mittwoch. Tag des Schmerzes und Wendepunkt der Bekämpfung der Woche. Sobald man ihn überstanden hat, ist der Kampf so gut wie gemeistert und man kann sich schon auf das Wochenende freuen.
Trotzdem bleibt die Versuchung nach Sandalen, dummen Bemerkungen und Telefonterror. Besonders, wenn man nicht das Recht hat, auszuspannen, da der Tag nicht so sonderlich anstrengend war, wie man gemeint hatte, dass er sein würde. Aber mir ist warm, und ich schreibe Mist, und daher höre ich lieber auf.

Lieder über Knochenmaschinen. Vorbeifahrende Autos, aus denen Rage Against The Machine dröhnt. Ein Lächeln.
das T-shirt unter dem Pullover herausziehen, um die Brille damit sauberzuwischen.In Sandalen herumlaufen.
Und dann, plötzlich, kommt die Sonne, ein gigantischer im Weltraum schwebender Feuerball, der beständig die Kernfusion vollzieht, Wasserstoff und Helium zusammenführt und dabei Energiemassen freisetzt, die ihre Reise durch das All, von dem Menschen als Sinnbild für die Unendlichkeit gesehen, beginnen, wie Odysseus, mit dem Unterschied, dass sie nie wieder zurückkommen werden, das übergroße Auge eines zornigen Untieres, das die Geschicke der Welt regelt, im ständigen Austausch mit dem Pendel, dass beständig schwingt, am einzigen Fixpunkt des Universums, und nicht sich bewegt, sondern das Universum um sich herum, wie ein unlösbares Rästel des Gleichgewicht, schwingend, auspendelnd in alle Ewigkeit, hervor und strahlt einem ins Gesicht. Und man ist einfach nur glücklich, für einen kleinen Moment lang kann man einen Apfel essen und alles um sich herum vergessen.

Nun, ich sitze hier, und sehe mich. Mit wunden Fingern esse ich Suppe und rede über Sex. Einfach so, weil ich müde bin, man mir gesagt hat, einmal in der Wochen Cannabis rauchen wäre nicht schlimm und der Tag langweilig war. Ein toter Mann ruht sich von der Arbeit aus.
und dann sitze ich im Deutschunterricht und plane die Rebbelion. Ich schreibe Sätze wie „Ich betrachtete ihre Augen, die mir wie die Korona einer blauen Sonne, die von einem ewig schwarzen Mond verdeckt wird und ihr elektrisches Feuer nur in diesem kurzen und stillen Moment dem aufmerksamen Betrachter preisgibt.“
Oh, und ein neuer soit-disant Song hab ich auch geschrieben:
Death Man Walking
Aber ansonsten? Nur Müdigkeit. Fuck it.

Beautifull World
And the way, she was sitting there…
Argh, das war ein romantischer, stiller, melancholischer Moment. Wir saßen nur da, unterhielten uns leise, und wenn wir nichts zu sagen hatten, dann hielt ich meinen Kopf so, dass meine Augen von meinen Haaren verdeckt wurden.
Es ist egal. Es hat keinen Sinn, sich ständig das depressivste Lied der Welt anzuhören und darüber nachzudenken, was du hättest sagen oder tun sollen. Es war richtig. Es ist immer ales richtig, denn du lebst dein Leben, und niemand von dem du nicht willst, dass er es verrändert, wird es verändern. Und du wirst warten. bevor eine neue Karte gezogen wird, die die Regeln des Spiels komplett ändert. Und dann gibt es noch immer das Pendel, das über allem schwebt und uns befiehtlt, Löcher in die Hosen zu schneiden und unsere Klassenkameraden weismacht, dass Fire dies NICHT wirklich glaubt, sondern nur so schreibt, weil das halt an das foucaultsche Pendel errinert, und alles hat mit dem Pendel zu tun und das ist gut so. Da endlich sah ich das Licht der Kerze, das sich in meinen Brillengläsern wiederspielgelte, als Spiegelung einer Spiegelung, in ihrer Pupille, die von einer hellblauen Iris, einer Art Corona, wie eine magische Aura, die plötzlich sichtbar wird und den Spiegel ihrer Seele öffnet und schließt, je nachdem, wie das Licht einfällt,das elektrische Feuer am Eingang zu einer dunklen, geheimnissvollen Höhle, Sinnbild für den Brunnen, in den man hinabsteigen muss, um sich selbst zu erkennen, und ich erkannte, dass dieses Licht ein ewiges und doch vergängliches Feuer war, das diesen wundervollen Moment in meine Seele einbrannte und ihr das Brandzeichen einer Liebe zur Errinerung an diesen Moment, der niemals stattgefunden hat, aufsetzte.
Fireball,
im Pathos badend…

Gut, ich gestehe:
Ich errinere mich noch genau. Ich war damals im vierten Schuljahr, also 10 Jahre alt. Turngala. Der Ansager sagt zuerst einen mir nichts sagenden Namen. Danach verbesserte er sich und sagte Lisas Namen. Hui, sie alleine. Bodenturnen. Sie war damals genau so alt wie ich. Ich verliebte mich, und es war bisher das einzigste Mal, dass es sich so „echt“ anfühlte.
Ich sah sie danach nochmal und sagte ihr, dass ich es gut gefunden hätte, was sie das geturnt hatte. Und ich will nicht wissen, wie rot ich dabei war.
Die ganze Geschichte könnte ich nun noch weiter erzählen, ich kann mich an recht viele Details aus dieser Zeit errinern. Ich weiß nicht, ob man sich mit 10 schon richtig verlieben kann, und wenn, dann habe ich mich nur in ihr Aussehen und kaum in ihren Charakter verliebt – ich nehme jedoch an, dass das für einen Zehnjährigen relativ egal ist. Ich war auch verliebt in die Liebe, in gewisser Weise. Ich weiß noch, wie ich damals versuchte, das Thema „Liebe“ in meinen Aufsätzen einen Platz zu geben – mehr oder weniger erfolgreich. Ich weiß jedoch nicht mehr, ob meine Hände damals schon gekribbelt haben, wie jetzt, in dem Moment wo ich dies tippe. Aber eigentlich Kribbeln meine Hände ständig. Nobody knows why.
Und ja, ich glaube, dass das damals Liebe war und egal wie oberflächlich dass das war, sie ist immer noch der gleiche Mensch, zu dem ich damals diese Gefühle empfand, und da ich glaube, dass Liebe niemals wirklich verjährt, gibt es wohl immer noch ein mikrosopkisch kleines Teil in mir, dass diese Liebe aufrechterhält – und sei es nur als verstärkte Sympathie. Aber Liebe ist vergänglich, und es ist sicherlich keine Liebe mehr – aber vieleicht ist diese frühere Liebe, die für mich jetzt nicht mehr exisitiert, eine Art Erklärung für die tiefe Sympathie, die ich für Lisa empfinde, und für dieses „ich muss an sie denken“ und dieses „ich führe Selbstgespräche mit ihr“ und dieses „was würde sie sagen, wenn du ihr das erzählst?“, das meinen Geist im Moment ziemlich dominiert – neben den Gelüsten nach Zigaretten, meiner notorischen Internetsucht, meinen psychischen Krankheiten und meinem Drang zu schreiben.