“Oh mein Gott, wir sterben!!” brüllte er, während er das Radio mit einer Axt in kleine Stücke zerteilte und Tee über die Trümmer goss II

„Die globale Erwärumg schlägt jetzt also zu. Und wir können nichts dagegen tun, dass ein Großteil der weiblichen Bevölkerung nun allem Anschein nach so viel Haut wie nur irgend möglich zeigen muss – is das wirklich so angenehm oder fühlt man sich in gewissen Kleidungstücken nicht *zu* nackt?“

Anne nahm einen großen Schluck des eisgekühlten Orangensaftes, den ich ihr serviert hatte und wie ich ebenfalls einen trank, bevor sie antwortete:
„Ich hab dir ja erzählt, was für Ängste ich manchmal habe.“
Ich lächelte und drehte mein Gesicht in die Richtung des Ventilators, der in der drückenden Hitze meines Dachbodenzimmers die einzige Kühlung darstellte.

Die Musik, die mir wie farbige, grünliche Dunstschleier in der schweren und dicken Luft des Sommerabends, der unter dem Dachboden einfach nicht abkühlen wollte, schien, war uns beiden bekannt und passte zu der Hitze.

Ich nippte ebenfalls an dem großen Orangensaft, der herrlich kalt war und mich sehr erfrischte. Trotzdem spürte ich, dass ich komplett durchgeschwitzt war und nichts dagegen tun konnte. Ich saß gegen meinen Kleiderschrank gelehnt, die Beine weit von mit gestreckt, phlegmatisch. Anne saß mir gegenüber, auch auf dem Boden, allerdings gegen mein Bett gelehnt. Sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt und beobachtete das rege Treiben der Schwalben über unseren Köpfen.

Der Ventilator schnitt kaum merklich durch die Musik, jedes Mal, wenn er sich Kühle spendend zu mir drehte.

Ich erzählte Anne von meinem Tag. Dass die luxemburgische Bahn das erste Mal in meiner Bahnfahrerkarriere Verspätung hatte, und auch gleich noch so heftig, dass ich ne halbe Stunde Verspätung hatte und die Frau, die ich interviewte, auch noch so lange warten musste.
Nach der Sendung, die meiner Einschätzung nach gut geworden war, hatte ich mir ein Eis gekauft.

Eis erschien fast wie ein Luxusobjekt im Anbetracht der Hitze unter dem Dachboden. Glücklicherweise wehte ein wenig laue Abendluft hinein.

Anne fragte mich, wo ich das Eis gekauft hatte, und ich erklärte ihr die Stelle. Ich erzählte ihr auch von den merkwürdigen Gedanken, die ich bei dem Mädchen im Zug hatte, das ich eigentlich nicht kannte. Ich saß nur mal mit Ohrstöpseln in den Ohren neben ihr in der Bibliothek.

Meine Gesprächspartnerin lächelte und nahm einen großen Schluck Orangensaft.

Ich mochte diese ruhige, von der Hitze beherschte Stimmung.

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