turn off european reality!

Unter diesem Motto fand gestern, also am 18. Juli 2005, eine große Demo gegen die neoliberale EU, den Kapitalismus und für mehr Autonomie und die Schaffung von Alternativen statt. Es ga auch Aufrufe gegen die EU-Verfassung und den Schengener Vertrag. Den ganzen Aufruf kann man hier nachlesen.

Gegen 15 Uhr sammelten sich die linken Demonstranten (und die luxemburgische Polzei, die im Vorfeld schon Grundrechte von Demonstranten mit Füßen getreten hatte (Artikel bei Indymedia) vor dem Bahnhof in Luxemburg Stadt. Ich nahm bei dem ganzen eine Stellung eines „embedded Journalist“ ein, dh. ich war gleichzeitg Reporter für Radio ARA und Demonstrant.
Kurz nach halb Vier dann ging es los, die rund 400 (und nicht, wie das „Wort“ fälschlicherweise berichtete, 150! Siehe hierzu auch den Link unten!) Demonstranten machten sich auf den Weg. Die Route führte über die Geschäftstraße nahe dem Bahnhof in die Innenstadt, wo auf dem „Knuedler“ eine Pause gemacht wurde. Unterstützt wurde der Protestzug von einem kleinen Lieferwagen, aus dem Musik – und die Protestkundgebung gespielt wurde.
Danach ging es weiter durch die Innenstadt, und wir machten uns auf den Weg Richtung Kirchberg, auf dem sich die „Place de l'Europe“ und die EU-Gebäude befinden. Kur vor diesen wurde der Zug jedoch von der Polizei gestoppt und eingekesselt, so dass beschlossen wurde, umzukehren.
Per Mikrophon wurde der Plan verkündet, die Demonstration offiziell zu beenden und auf dem „Glacis“ zu beenden. Dies wurde jedoch nicht getan, sondern der Zug marschierte nach einer Pause zurück in die Innenstadt, wo wir mit großem Krach die Leute auf uns aufmerksam machten. Auch hier versperrte die Polzei wieder den Weg, diesmal den Zugang zur „Place d' Armes“. Diesmal jedoch schafften es die Demonstranten, durchzubrechen und den im Volksmund „Pless“ genannten Platz zu „stürmen“. Auch hier wurde die Protestkundgebung abgespielt, und danach kam es noch zu einer Party.
Festnahmen gab es auf der Demonstation selbst keine, es kam auch niemand zu schaden.

Die Berichterstattung der Mainstream-Medien ist jedoch mehr als dürftig, wurden doch falsche Zahlen und teilweise sogar falsche Tatsachen berichtet.

Tonaufnahme zu dem Zeitpunkt als der Protestzug sich Richtung „Pless“ bewegt (mp3, 228 kb)
Artikel des „Wort“, der falsche Tatsachen wiedergibt
Videostream des „Journals“ von RTL-Luxemburg, in dem eine Reportage über die Demo vorkommt (ca. letztes Drittel)

8 Kommentare “turn off european reality!

  1. Verdammt noch mal. Die europäische Realität ist gut! Ich bin froh, dass wir von demokratisch legitimierten Volksvertretern regiert werden und nicht von eurer lärmenden Horde.

    Ja! zu Europa, Ja! zu Schengen, Ja! zur Verfassung, Ja! zu Eigentum, Ja! zum Rechtsstaatsprinzip (was versteht ihr unter "mehr Autonomie"??) und Nein! zu Menschen, die gegen alles und jeden protestieren, weil man so bequem "das System" für die eigene Unzufriedenheit verantwortlich machen kann. "Schaffung von Alternativen" hört sich toll an, aber was genau ist denn darunter zu verstehen? Notorische Marx-Lesestuhlkreis-Abende mit anschließender kapitalismuskritischer Diskussion? Nein danke.

    Mal eben den internationalen Kommunismus vom Zaun brechen und glücklich sein, das klappt nicht. Es hat ja nicht mal auf nationaler Ebene geklappt. Wenn Kommunisten heute schwärmen wollen, reden sie über Zapateros im mexikanischen Urwald. Na toll. Nur weil es bei denen angeblich so schön anarchistisch zugeht, können wir aber nicht mal eben die Aldi-Brüder enteignen und die EU-Außengrenzen zur Spielwiese postpubertärer Linksideologen erklären. Was diese natürlich trotzdem als ihr Gott gegebenes Recht ansehen und in die Welt posaunen dürfen. Weil Meinungsfreiheit herrscht. Weil Demokratie herrscht. Und eben deshalb seid ihr nicht an der Macht. Zum Glück. Heul doch!

  2. Nein! zu Albi, die nichts verstanden haben und trotzdem jeden Furz, der ihnen ins Gehirn kommt, laut in meinen Kommentaren herausposaunen!

    Wenn du weiter nichts zu tun hast, als deine intelektuellen Fürze hierrauszulassen ohne wirklich auch den Schimmer eines Argumentes zu zeigen, schaff dir doch endlich ein ordentliches eigenes Blog an und müll das damit zu.

  3. Hey. Nicht gleich so aggressiv. Und im Übrigen habe ich eine Menge Argumente formuliert und dich nach deinen gefragt, weil ich diese nirgends gefunden habe. Dein Blog argument zieht nicht. Dito gilt: "Wenn ihr demonstrieren wollt, baut euch doch eure eigene Stadt". Oder passen dir fremde Meinungen nicht? Wiederhole: Zum Glück bist du nicht im Besitz von Regierungsverantwortung.

  4. @Albus: Ja, demokratie ist schon gar nicht so schlecht, es fragt sich nur worin sie eingebettet ist. Im Kapitalistischen Rahmen ist Gerechtigkeit nicht möglich, egal ob nun in einer Demokratie oder einer Räterepublik oder sonstwie. Produktion ist nur durch die Notwendigkeit des Profits gesichert und kein grüner Politiker kann das ändern. Den Parlamenten bleibt nur ein geringer Spielraum innerhalb dessen, was der Markt trägt und sie sind somit der Spiegel kapitalischtischer Interessen. Eine Alternative wäre ein anderer Grund für die Produktion, den zu finden Marx- u.ä.Lesekreise sicherlich ein geeignetes Mittel sind.
    Ich würde übrigens nicht sagen, dass Kommunismus "nichtmal" auf nationaler ebene geklappt hat, sondern bisher gerade eben als Staatssozialismus gescheitert ist. Antisemitismus und andere Ressentiments wurden munter weiter reproduziert und eine Aufgabe wäre es, aus diesem Scheitern zu lernen, noch radikaler jene Elemente zu dekonstruieren die damals reproduziert wurden.
    So long

  5. Haha. Radikal war schlecht, also werden wir jetzt noch radikaler.. Der Fehler liegt im Dogmatismus, lieber FreeQ. Und Dogmen bekämpft man mit einem offenen Geist, nicht durch strengsmögliche Orthodoxie. Ich halte es insoweit mit John Locke, als ich denke, dass der Mensch ein Recht auf Eigentum besitzt. Ich bin Mitglied der Gesellschaft, damit der Schutz meines Eigentums gewährleistet ist. Wenn die Gesellschaft mir mein Eigentum nimmt, warum soll ich ihr dann beitreten?

    Dass das Parlament nicht grenzenlos in den Markt eingreift hat gute Gründe. Primäre Funktion des Staates ist nämlich die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und nicht die volkswirtschaftliche Allokation, welche ein Markt deutlich besser regeln kann als ein Fünf-Jahres-Plan. Die Gründe hierfür sind trivial.

    "Produktion ist nur durch die Notwendigkeit des Profits gesichert und kein grüner Politiker kann das ändern. Den Parlamenten bleibt nur ein geringer Spielraum innerhalb dessen, was der Markt trägt und sie sind somit der Spiegel kapitalischtischer Interessen."

    Bingo! Zur Produktion ist notwendig, dass sie sich rentiert. Wenn ich zum Anbau von 3 Bananen 5 Bananenschalen benötige, werde ich irgendwann nicht mehr satt. Und selbst wenn ich nur 3 Bananenschalen brauche- Irgendwie muss sich die Menschheit doch weiterentwickeln. Fortschritt: Jenes dunkle Geheimnis, welches uns aus Höhlen in Häuser gebracht hat.

    Dass das Parlament nur mit dem spielen kann, was der Markt "trägt", ist eine Selbstverständlichkeit. Kartoffeln, die keiner anbaut, kann auch keiner verteilen.

    "Ein anderer Grund für die Produktion" – VEB? You're kidding. What about privat enterprise? Der Mensch ist von Natur aus faul und braucht Anreize für sein Tun und Lassen. Ich bin kein Misanthrop (dann wäre ich wohl eher auf eurer Seite), aber ich glaube nicht an Altruismus. Irgendwie müssen wir jedenfalls noch an unsere Kartoffeln kommen – Und ein Marx-Lesekreis hilft uns in dieser Beziehung wenig. Warum nutzt ihr nicht die Freiheit des Systems, gründet ein Unternehmen, und verteilt eure Gewinne unter den Ärmsten der Welt? Well that's some bread now.. Was machst du eigentlich mit deinem Taschengeld? Ich bin mir sicher, dass es zu 100% nach Afrika geht.

    Naja, aber zum Glück werden die Kommunisten in Deutschland niemals die 5%-Hürde knacken. Misanthropen könnten argumentieren, die Masse wäre einfach nur zu dumm, aber der Kommunist ist Altruist und muss an das Gute im Menschen glauben.

    Go figure.

  6. ???
    Du Beschreibst ausschließlich Nachteile eines Staatsmonopolkapitalismus, welcher wohl keiner der Campbesucher (soviel ich weiß v.a. Anarchisten, Antinationale und Autonome)befürworten würde!
    Und, um in deinem Bild zu bleiben, wirklich niemand "den Kartoffelacker besorgen" würde wenn kein Konkurrenzdruck und von Oben diktierte Regeln ihn dazu zwingen, dann wären die Menschen tatsächlich zu dumm zum Leben. Für so blöd halte ich sie aber echt nicht- Altruismus?????

  7. Niemand, der Anspruch auf die Kartoffeln des anderen hat, baut selber welche an, nur damit diese ihm dann umgekehrt wieder von den anderen weggenommen werden.

    Altruismus=Selbstlosigkeit. Bitte erklär du mir im Umkehrschluss, von welchem Camp du gerade redest? Sehr schön wären auch weitere "alternative Gründe für die Produktion" – Bisher kannte ich nur die Planwirtschaft. Liegt vielleicht nur daran, dass ich noch nie im Stuhlkreis Marx rezipiert habe ;-)

    Ja, ja.. der Anarchismus. Ist uns gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. "Leider" haben sich innerhalb des anarchistischen Urzustand diejenigen behaupten können, die herausfanden, dass der überwältigenden Mehrheit der Menschen an einem Ordnung und Sicherheit gewährleistenden Regelwerk liegt. Diese Ordnung wurde dann ganz im Sinne des totalen Anarchismus einfach mal hergestellt :-D

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