Initationsriten

was habe ich?
was habe ich nicht?
was habe ich gesagt?
ich weiss es nicht mehr
ich habe getan was ich konnte
die welt zu entzweifeln
bis kein tropfen gewissheit
mehr uebrig war
nicht das in meiner erinnerung
etwas fehlt
bis mir auffaellt
das da eine luecke klafft
zwischen den naechtlichen exerzitien
und dieser meiner jetzigen agonie
(Currently listening: Einstürzende Neubauten – Selbstportrait Mit Kater)

Die Geschichte des letzten Tages beginnt früh. Um 8 bin ich aufgestanden, habe gefrühstückt und mich mental auf den Tag vorbereitet. Es sollte Pizza geben, und damit es Pizza geben konnte, musste ich einkaufen gehen. Und weil auf der Abenteuerspielplatz nicht nur dreissig, sondern bis zu hundertneunzig (190) Kinder anwesend sind, gleicht das Einkaufen mehr einem Plündern. Man plündert das Käseregal, man plündert den Fertigteig, man plündert das Fleischregal (ieh.)

Kurz vor Eins ging ich dann, mit all meinen Einköufen im Einkaufswagen los. Und ich denke: So also beginnt der Weg zu deinem Initationsritus, der letzte Arbeitstag vor dem Moment X. Du gehst mit einem voll gefüllten Einkaufswagen los. „Mit dem Einkaufswagen zum Initationsritus“ klingt wie ein Buchtitel, für was für ein Buch auch immer. Max Goldt vielleicht?

Jedenfalls, ich wurde abgeholt, der Arbeitstag began, und ging schnell vorrüber. Und zwichen dem großem Moment, der allabendlichen Versammelung saßen einige der Neuen im Schatten der Abendsonne und witzeln über das, was da kommen mag. Und dann, nachdem wir einen merkwürdigen Tanz für den letzten Abend (heute Abend!) geübt haben, geht es los.
Als erstes dürfen wir uns ausziehen. Das heißt, man hatte uns vorgewarnt, und wir hatten alle Badebekleidung an. Das war gut, denn wir mussten ins Schwimmbecken. Also, auf dem Abenteuerspielplatz gibt es ein Schwimmbecken, das hauptsächlich aus Strohballen und viel Folie und wasserdichtem Tape besteht, und in das mussten wir. Gegenüberstehend an den Händen gefesselt. Und wir mussten Murmeln suchen. Tauchend, sagten sie. Wir tauchten allerdings nicht, denn es war saukalt. Na ja, wurden wir halt mit dem Wasserschlauch nassgespritzt. Ich und meine Partnerin (Ausser mit wurden nur Mädchen eingeweiht, von daher hätte ich Schlammcatchen als „Aufgabe“ begrüßt, darauf wurde jedoch vezichtet.) fanden die Murmeln recht schnell, und als Belohung bekamen wir etwas zu trinken, was wohl eklig schmecken sollte. Wie gut, das niemand vorher gekostet hat. Es schmeckte wie Ananassaft mit Salz, was wohl auch die größten Bestandteile waren. One down, two to go.

Ab in den Kriechkanal, dessen Boden mit Stroh und leckeren Sachen wie Nutella, Schokopudding, usw. bedeckt ist. Beim Herauskommen wurden wir mit Cola und Mehl überschüttet.
Nett, ich wollte schon immer mal wissen, wie man sich als Muffinteig fühlt. Two down, one to go.

Das letzte war harmlos, ohne Hände so schnell wie möglich drei „Negerküsse“ essen, wovon der letzte angeblich mit Nutella und tatsächlich mit Senf gefüllt war. Allerdings war es recht diletantisch von den Aufgabenstellern, die senfgefüllte Süßspeise als letzte dahinzustellen. Ich hatte den Mund so voller „Negerküsse“, dass ich den Senf gar nicht mehr schmeckte. Three down, none to go.
Oh doch, eine haben sie noch. Eine Puppe ist vollgeschmiert mit Schokolade, und sie muss geküsst werden. Und danach, als jede die Puppe auf eine unmögliche Stellung geküsst hat, muss er seinen Nachbarn auf die gleiche Stelle küssen. Wie gut, dass ich die Puppe auf den Arm geküsst habe.

Oh, und dann wurde der Initationsritus mit Pizza und reichlich Alkohol begossen, was zur Folge hatte, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben Sangria aus einem Eimer getrunken habe, mich aber die meiste Zeit an den bekannten Martini gehalten habe, obwohl man ja nicht mischen soll. Habe ich Kopfschmerzen, habe ich Bauchweh, habe ich mich übergeben?
Na also.

*geht seine Haare nochmal ausspülen*

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