Über den Mikrokosmos einer Brotbackmaschine

Wenn man ein Brot backt, so wie Fire es nach Beendigung dieses Postings vorhat, dann hat das immer einen alchemistischen, fast magischen Anklang. Sofern man den Teig selbst zusammenmischt und das ganze dann in den Ofen schiebt.
Eine Brotbackmaschine hingegen ist witzlos. Es ist der Sieg der Technik über alles Schöne, Gute und vor allem über die jahrtausendalte Kunst des Brotbackens.
Wie sieht so ein Ding überhaupt aus, war die Frage, die ich und andere Leute mir gestellt haben. Die Antwort:
So, so oder so. Und auch so.
Völlig witzlos also. In der Küche stehen sowieso schon viele zu viele Geräte herum, die aussehen, als hätte man sie bei einem Setbesuch von „Star Trek: Voyager“ mitgehen gelassen. Ich meine, wäre ich ein Sci-Fi Autor von vor 10 Jahren, ich würde mein ganzes Raumschiff mit merkwürdigen Küchengeräten von heute vollstellen und ihnen merkwürdige Namen wie „Antimaterie-Materie-Schleuder“ oder „Kohlenstoffvaporisator“ oder auch „Schallmixer“ geben. Und das würde sehr echt aussehen, oh ja!

Genauso verhällt es sich mit dem Teetrinken. Stellt euch vor, es gäbe plötzlich „Teemaschinen“, in die man Wasser, Zucker und „Tee-KonzentratX500“ schütten würde und heraus käme ein Getränk, das immer genauso schmeckt, wie man es selbst gerade gerne hätte. Und dann sagt man zu den Verwandten, die einen besuchen, „Sieh mal, ich habe selbst Tee gekocht! Ganz ohne Beutel und so!
Und die Verwandten werden zu staunenden Verwandten und schreien entzückt aus: „Oh wow! Wie hast du das denn gemacht! Der Tee ist ja wirklich wundervoll!
Ich möchte dann am liebsten Kurt Cobain zitieren und 16 mal „Hallo?“ sagen.
Tee ohne Teebeutel zu kochen mag Stil haben, aber in einer „Teemaschine“? Da geht ja alles verloren, wirklich alles. Dass man den Tee aussuchen muss, dass man ihn auspacken muss, dass man Wasser kochen muss, dass man warten muss, bis er fertig ist, dass man sich Zucker reinmachen muss.
Verdammt, gäbe es Teemaschinen, wäre der ganze alchemistische, fast magische Aspekt des Teekochens für immer verloren. Das wäre der Sieg der Technik über alles schöne, gute und vor allem über die japanische Teezeremonie. Das wäre ein Atombombenangriff auf die Teekultur. Ach, auf die Kultur überhaupt.
Wie gut, dass es noch keine Teemaschinen gibt.

Ürbigens sind Brotbackmaschinen und meine hypertheoretischen Teemaschinen das, was man bei TV-Shoppingsendern wie „RTL Shop“ angeboten kriegt und wahrscheinlich auch nur dort kauft. Und die potentiellen Käufer solcher Sender haben auch genau das Persönlichkeitsprofil, um Brotbackmaschinen toll zu finden, genauso wie sie sich von „DIESE DIGITALKAMERA DIE ES NUR EXKLUSIV FÜR DIESEN SENDER GIBT HAT UNGLAUBLICHE 8 MILLIONEN PIXEL!!!“ blenden lassen und unbedingt solch eine Kamera haben wollen. Oder eben eine Brotbackmaschine.

2 Kommentare “Über den Mikrokosmos einer Brotbackmaschine

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