Postkarten

Ich habe meine Postkarten alle in nem Album, und zwar äusserst diletantisch in Klarsichthüllen wo sie umherfallen, aber zum ansehen und rausholen und lesen reichts. Ich kann mich gar nicht dazu entschliessen, all das Zeugs, was einen so errinerungswürdiges per Post erreicht, in eine Schuhkiste zu packen und zu verstauen.
Erst mal besitze ich keine einzige leere Schuhkiste. Schuhkisten werden hier im Haus immer direkt beschlagnahmt. Oder mit dem Stempel „Die wird sicher irgendwann zum Basteln gebraucht“ versehen und ist somit unberührbar. So ein Ordner mit Klarsichthülsen ist ja eigentlich auch sehr viel ordentlicher, wenn ich diese lustigen Postkartenhülsen hätte. Anderseits lagen vorher alle Postkarten und Briefe auf einem Haufen, jetzt liegen nur noch die Ordner „Briefe“ und „Postkarten“ auf einem Haufen.

Es gibt ja auch Leute, die hängen Postkarten auf, ehe sie sie in einer Schuhkiste verschwinden lassen, um sie an grauen Sonntagnachmittagen voller Melancholie anzusehen, während sie sich ein Tori Amos-Album anhören. Und dann beschliessen sie, verschiedensten Leuten wieder zu schreiben, bloss um am Montag zu bemerken, dass sie die Adresse gar nicht mehr haben, was sie aber an dem nächsten grauen Sonntagnachmittag voller Melancholie und Musik von Tori Amos wieder vergessen haben.Die betreffenden Leute haben die eigene Adresse aber noch immer und schicken zu Weihnachten eine Karte, weshalb man sie um Neujahr mit einem gewaltigen Kater anruft und verspricht, aus dem nächsten Urlaub eine Karte zu schicken, man habe ja jetzt die Adresse.
Im Urlaub angekommen hat man schon 50 Postkarten mit immer dem gleichen nichtssagenden Text beschriftet und will den Leuten, die einem eh schon immer ein wenig unsymphatisch waren, eigentlich gar keine Postkarte mehr schicken. Sie würde ja eh nur in einer Schuhkiste landen, denkt man.

Für viel wichtiger als die Frage, was man nach einer gewissen Aufhängezeit mit den Karten macht, ist meiner Meinung nach die Frage, welche Seite der Karte man sichtbar aufhängt. Ich könnte mich einfach nicht entscheiden. Oft ist das Motiv nicht umbedingt das allerschönste, aber man will doch aber einen gewissen Eindruck der Landschaft, die Freunde und Bekannte so besuchen, haben. Und die Rückseite ist – zumindest bei meinem Bekanntenkreis, und da muss ich besonders die Leute hier ausm Netz, die regelmässig Geld für Postkarten und Briefmarken für mich ausgeben, mal besonders loben – oft mit sehr netten und schönen Texten beschriftet, die oft auch zum Schmunzeln anregen, und die kann man auch für solche herrlichen Aussichten wie drei Ausburger Kirchen, die allesamt das Wort „Lindenstraße“ in mir hervorrufen, einfach so verwerfen?

Per Email wär das alles einfacherer. Ich mag es trotzdem, Postkarten zu bekomen. Und ich glaub die werden auch einfach weiter so im dreidimensionalen Raum herumliegen und betrachtet werden, ehe sie in den Ordner verschwinden um an melancholischen, grauen Sonntagnachmittagen voller Tori Amos-Musik rausgeholt zu werden.

5 Kommentare “Postkarten

  1. hm. ich piekse die einfach mit ner reißzwecke mit der motivseite an die wand, weil sie mich in urlaubsstimmung versetzen. freunde von mir hatten aber mal die geniale idee, ein stück paketschnur an der wand zu spannen und die karten mit wäscheklammern aus holz dranzuhängen. man kann sie dann bei bedarf auch öfter mal umdrehen.

  2. Oujo, daat ass och ech ganz praktesch an dekorativ Méiglechkeet!

    Misst ech och mol maan, am moment hun ech se all op enger Magnéitwand, mä sou lues passen wirklech keng méi drop.
    Geséit deck chaotesch aus, zumools well ech sou mann Magnéiten hun an emmer sou 4 Kaarten ennert deen selweschten Magnéit maan, sou dass een awa all Kaart geséit (Front séit, hannendrun ass privat, daat muss net jiddereen gesin a wann ech loscht hun kann ech se jo emmer nach roofhuelen an liesen, just leider net ouni dass nach 3 Kaarten roffaalen :/ )

    Egal, dei Léisung huet och hieren Charme..
    Alles e bessen duercherneen, Fotoen, Postkaarten, Concertsticket'en, Dokter-rendezvous'en etc.

    Et ass ee Konschtwierk an eenzegarteg ^^

    Iwwregends, waat ass en Samsden, wellste wierklech net (fréiwëlleg) op den Baal kommen?
    mix

  3. ich bin da unsentimenatl (geworden)
    Eine Postkarte hängt so lange , bis die nächste Karte kommt. Dann fliegt die erste in den Mülleimer. Zack.
    Ich halt mich nicht so mit der Vergangenheit auf. Aber ja, das war nicht immer so.

  4. Na, das wäre ja was, wenn ich alle Postkarten die ich so in den letzten 4 Jahrzehnten bekommen habe, in Albumen gesammelt hätte. Naja, ich war nie so sentimental mit Postkarten. Es gibt ein paar wenige die in ein schön designten Schuhkarton lagern und sonst landen die meisten schnell in den Papiermüllcontainer. Aber ich bekomme auch nur noch selten Postkarten, muß ich sagen.

  5. Ich sammele die in einem – wer hätte es gedacht – Schuhkarton. Prob ist bloß, dass ich sie vorher auf einem dieser tollen Ständer auf meiner Fensterbank ausstelle, zumindestens, wenn sie schön sind. Normalerweise scheint dann aber Sonne drauf und man kann sie nicht mehr lesen, wenn ich sie in den besangten Schuhkarton packe…bleibt die Frage, was wichtiger ist: die Vor- oder Rückseite!

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