Nikolausblues

In dieser Nacht ist er also unterwegs, der heilige Nikolaus und sein treuer Begleiter, Knecht Ruprecht (lux. Houseker) und beschenkt die Kinder. In Luxemburg verzeichtet der Nikolaus auf merkwürdige hausfriedenbruchfragliche Methoden wie den Eintritt über den Kamin und kommt einfach zu Fuß bzw. mit einem Esel.

Für den Esel wird eine Möhre bereitgestellt und für Knecht Ruprecht bzw. auch manchmal für den Nikolaus einen Schnaps. Immerhin ist es draussen kalt und die ganzen Geschenke schwer. Am Morgen des 6. Dezember, wenn sich der Nikolaus und Knecht Ruprecht dann wieder Richtung Himmel/Nordpol/wherever machen, muss der Esel ganz schön vollgefressen und der Kopf der beiden Männer sehr schwer sein.

Überhaupt kann ich mir für einen Mann im Alter von ein paar hundert Jahren interessantere Beschäftigungen vorstellen als die Zeit ab Mitte November in diversen Einkaufszentren, Städten, auf Weihnachtsmärkten und in jedglichen Vereinen, in denen Kinder Mitglied sind, aufzutauchen und Tüten gefüllt mir Süßigkeiten und Nüßen zu verteilen. Dazu kommt ja auch noch der ganze verwaltungstechnische Aufwand, den sich der ehemalige Bischof ja glücklicherweise mit dem Weihnachtsmann und diversen Gehilfen teilen kann. All die „guten“ und „bösen“ Taten der Kinder müssen ja registiert und archiviert werden! Wie gut, dass es heute Computer und Datenbanken gibt!

Ich würde ja verrückt werden: Jedes Jahr die gleichen unendlichen Nachmittage in Kaufhäusern, jedes Jahr den gleichen Papierkram (von den vielen Briefen hab ich noch gar nicht gesprochen!) und vor allem die wohl stressigste Nacht aller Zeiten am 5. Dezember. Dazu die ewig gleichen Fragen, die man stellen muss und die ewig treudoofen Antworten der umstehenden Erwachsenen, die für einen antworten, als habe man als Heiliger nicht die Kompetenz, für sich selbst zu sprechen!

Na dann, immerhin haben die beiden Kinderfreunde heute Nacht die Gelgenheit, den Stress der letzten Wochen zu vergessen und sich gehörig einen hinter die Birne zu kippen. Ich wünsche viel Spaß. (Und hoffe, keine Nikolauslieder mehr hören zu müssen, bis in einem Jahr. Und vor allem keine neuen Versionen mit Technobeat!)

Was ich mich allerdings frage, wie die Realtion zwischen Nikolaus und Knecht Ruprecht ist. SInd die beiden Freunde? Berufskollegen? Ein Liebespaar? Oder bekommt man als Heiliger automatisch einen treudoofen Diener, der nicht nur aussieht, als hätte er mehere Jahrzehnte als Einsiedler im Wald gelebt, sich zusätzlich auch noch komplett schwarz schminkt und sein Leben damit verbringt, Ruten zu schneiden und auszuteilen?

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