* fucker

Alle Gedanken tun weh, auch wenn die Musik schön ist. Vielleicht zu schön, zu traurig.
Ich muss das Licht ausmachen und einen dieser Räucherstäbchen anmachen, die sie mir zum Geburstag geschenkt haben. Welch ein wunderbares Geschenk.

Ja, doch, alle Gedanken tun weh, schmerzen unablässig, und dennoch habe ich heute niemanden angelogen, wenn ich gesagt habe, mir würde es gut gehen, denn mir ging es wirklich gut, bis eben, bis die Musik einsetzte und es anfing, weh zu tun, ohne Grund, ohne Sinn, sinnlos, namenlos, am Boden zerstört, kläglicher Rest des einstigen Bauwerkes.

Es zieht mich in die Tiefe, den Marriannengraben, da, wo selbst Wale eigentlich nicht überleben sollten, aber dennoch muss ich dorthin. Ich muss tauchen. Das Meer ist sowieso vergiftet. Leise trommele ich einen Takt auf einer Getränkedose. Ribosome, Mitochrondrien, Chromoplasten, Leukoplasten, Kernkörperchen, endoplasmatisches Retikulum.

Frühlingsregen im Herbst. Wunderbar. Der tröstende Gedanke, ist es nicht er, der zählt? Ein Blick nach oben, an die Oberfläche, wo sich die Sonne im Wasserspiegel bricht und das alles wirkt unendlich schön. Aber ich, ich kann nicht zurück. Das Senkblei zieht mich nach unten, zum Grund hin.

L. Hatten wir diesen Buchstaben nicht schonmal? Und hat er nicht unendlich viel Entäuschung über uns gebracht? Hatten wir nicht alle diese Gedanken schon einmal, und sind sie jetzt nicht alle Asche im wehenden Wind, verbrannt, nicht mehr benutzbar, nur noch Schatten im Gedächniss, am besten gar nicht daran denken.
Ich möchte vor das Pendel treten, wie einst Jacobo Belbo und Gewissheit haben, das es einen Plan gibt, dass alles einen Sinn ergibt, den es nur zu erforschen gilt. Was muss das für eine herrliche Gewissheit sein, zu wissen, dass es ein Ziel für die Suche gibt, dass man nicht umsonst suchen kann! Und selbst wenn die Suche mehere Leben, tausende von Jahren dauern wird, wenn man weiß, dass es ein Ziel gibt, dann macht selbst das nichts mehr aus! Wenn man es doch nur wüßte!

Dreht sich denn wirklich alles ums Ficken? Geht es wirklich nur darum? Ich möchte mir keine solchen Geschichten mehr anhören müssen. Habt ihr alle zu kleine Schwänze, dass ihr mir erzählen müsst, wer sie geblasen hat?

Und hinter der Tür steht der Sensemann und droht mit dem Finger. Ein kleines Zeichen von ihm genügt, um zu wissen, dass die Annahme, man sei unsterblich, für immer auf Erden, völliger Blödsinn war und das Ende an jedem Ort lauert. Ich möchte nicht in einer Geisterbahn in Disneyland enden.

Was sollen diese wirren Gedanken? Genügt es nicht einfach, ein schönes Gefühl zu haben? Genügt es nicht einfach, Wärme zu spüren? Genügt es nicht einfach, jemanden zu haben, an dem man vor dem Einschlafen denken kann, und sei es nur für eine winzige Sekunde, ein Herzschlag im Angesicht der Ewigkeit, die uns zwar nicht beschert ist, von der wir aber immer noch gerne reden, denn in Wahrheit sind es doch wir, die unsterblich sind, wenn überhaupt jemand es ist.
Wie Vampire.

Meter für Meter stampfe ich durch den Dreck bedeutender Metaphern und zitiere die Einstürzenden Neubauten, nur um des Zitates Willen, weil mir die Zeile gerade in den Kopf gekommen ist. Was ist los? Ich fiele auf die Knie vor dem Pendel, betete es an, um nur die Reflexion der Gewissheit in ihm zu sehen, um nur einmal in meinem Leben eine einzige Schwingung zu sehen, und dann für immer Ruhe zu haben, zu wissen. Mehr als wissen. Spüren. Fühlen. Glauben. Mit erschreckender Sicherheit glauben, es in jeder Zelle stehen zu haben, dass der Körper jedesmal laut schreit, wenn auch nur das Anzeichen eines Gedanken daran aufkommt.

Dies hier hat nichts mit Mut zu tun. Es ist nötig, und vielleicht ist es sogar feige. Aber mit Mut hat es wirklich nicht zu tun. Mut haben andere. Mut hatte Sam, der Frodo tief in Mordor schleppte, Mut hatten die anderen Helder jener vergessenen und ungelesenen Legenden, für die ich weinen könnte, denn so sehr erschüttert mich der Gedanke an die verlorenen Geschichten, an die Gewissheit, nie alles gelesen haben zu können. Da hilft es auch nicht, zu wissen, dass vieles nur zum Klopapier taugt. Der Gedanke, auch nur eine einzige wichtige und wunderbare Geschichte zu verpassen, ist und müsste jedem unerträglich sein, könne genau sie doch den Schlüssel enthalten.

Vor mir tauchen Gesichter und Stimmen im Dunkelen auf, und Phantasien werden beunruhigend real, während mein Gehirn fieberhaft nach dem sucht, was eigentlich mein Herz sagen sollte. Aber ich wusste es ja schon immer: Bei mir sind die Organe an den falschen Plätzen, ich habe nur simulierte Gefühle.
Das Zentrum für Liebe fehlt bei mir, man hat es nach der Geburt entfernt und all die merkwürdigen Dinge, die mit mir passierten, waren weder Zufälle noch Viren sondern Zeichen meiner Herkunft, die ich selbst noch nicht erkannt habe. Doch wenn dem so ist, dann werde ich mich doch wohl bald verwandeln und alles Leben hier hinter mir lassen.
Als ob das erstrebenswert wäre.
Als ob das überhaupt eine Alternative wäre.
Wo liegt mein Schwert?
Als ob es jetzt noch was nützen würde.

Ich versinke in der Tiefe und meine Gedanken steigen mit meinen Luftblasen auf und bringen Kunde vom dunklen Meeresgrund.
Kuscheln, Schmusen, Küssen, Umarmen, Blasen, Lecken, Fingern, Runterholen, Ficken. Wo bleibt das Konzept „L.“ ?
But this stays hated to all of human nature it tears down hope almost to the ground.
Reduction à l'absurde…
Was ist die Befindlichkeit des Wassers?
Kein Mut. Keine Feigheit. Keine Antworten.
Que serra, serra, what will be, will be…
Gegrüßest seist du oh Pendel, dein Reich komme, die Frucht deines Leibes
shall rise like a king, like king, like a king

Erased. Over. Out.

6 Kommentare “* fucker

  1. "Der Gedanke, auch nur eine einzige wichtige und wunderbare Geschichte zu verpassen, ist und müsste jedem unerträglich sein"

    Ich mag das Konzept "Es gibt keinen Zufall". Weil ich mir grade heute über genau das (s.o.) Gedanken gemacht hab.

    Naru

  2. Over, out?

    mix

    "Der Gedanke, auch nur eine einzige wichtige und wunderbare Geschichte zu verpassen, ist und müsste jedem unerträglich sein"
    daat fannench wierklech wouer

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