Insomnia

Und nun sitzt du hier.
Es ist Nacht, du weißt eigentlich überhaupt nicht mehr, was dich die letzten 2 Stunden wachgehalten hat, und jetzt bist du an dem Punkt, an dem es endweder wirklich Zeit ist, ins Bett zu gehen, oder unsterblich zu werden und bis in den Morgengrauen hinhein auf diesem Stuhl zu sitzen und die Zeit totzuschlagen, als wäre sie ein assfressendes Tier. Dann bliebe auch die Zeit, sich bei Blixa Bargeld zu entschuldigen, dass du ihm wieder einmal eine Idee geklaut hast. Hoffentlich würde er mir verzeihen.

Und im Hintergrund läuft Portishead, hundertmal gehört und doch jedes Mal anders. Du bist unrasiert, und was sich heute Mittag noch gut anfühlte, beginnt dich so langsam zu nerven, du denkst mit Schrecken an das Kratzen morgen früh – oder vielleicht auch erst morgen Mittag – wer weiß das schon so genau?

Du denkst an den Abend, der unbeschreiblich bleiben soll, jedenfalls für diesen Moment. Es geht einfach nicht, es ist nicht in Worte zu fassen – vielleicht, weil er aus so vielen Worten bestand. Du möchtest deinen Dank aussprechen, obwohl du es bereits getan hast. Es bleibt nichts mehr zu tun, ausser einem Einmachglas, das es zu holen gilt, und in das es diesen Abend einzumachen gilt, süß. Zu Konservieren. Denn mit unseren Errinerungen können wir ruhig – im tiefsten Sinn des Wortes – konservativ umgehen.

In deiner Tasche befindet sich noch immer dieses Stück Papier, dieses Dokument des geistigen Verfalls, das du eigentlich gar nicht besitzen möchtest. Ohne es bräuchtest du dich nicht zu rechtfertigen, es bliebe nur, sich verletzt zu fühlen und damit im Recht zu sein. Jetzt jedoch könntest du das Glück in deine Hand nehmen, Schmied spielen und diesen Ort aufsuchen und alles platzen lassen. Doch nicht nur dein eigener Unmut und das Symbol, das stumme Akzeptieren dieser pro-forma-Sache, sondern auch ein letztes Fünkchen Respekt und guter Wille in dir lassen dies alles nicht zu. Trug sie nicht auch das Zeichen, damals?

Du errinerst dich an Kosenamen von früheren Schwämereien. Du errinerst dich an Bilder, die du einst sahst. Drachen und Sterne. WIederkehrend. 0. Zero. Dabei steht mir der Diskordianismus besser. Aber seine Religion sucht man sich nicht raus, man wird erleuchtet. Wie die Jediritter. Ach, du seelige Zeit der Printmedien die nie gedruckt wurden.

Du wirst müde und kryptisch. Du bist nicht Deutschland (an och net Lëtzebuerg!). Du bist der Bombenleger. Betrachtet dies als Geständniss. Sûretée, ik hör di trapsen.

5 Kommentare “Insomnia

  1. Hehe… Noch jemand der nicht schlafen kann (oder will). :) Ich war auch gerade dabei einen Insomnia Text zu schreiben, aber ich lass das jetzt einfach mal, das ist mir dann doch etwas zu dämlich gleich zwei Insomnia Texte in einer Nacht in der luxemburgischen Blogosphäre zu publizieren. Ich heb's mir dann halt für ein anderes Mal auf. :)

    Ich werde jedenfalls die Nacht durch hier sitzen bleiben und mir noch Love Actually anschauen und A Christmas Carol lesen, das gehört einfach zu Weihnachten dazu. Das Fest ist zwar schon vorbei, aber das ist mir egal, Weihnachten begann für mich sowieso erst gestern Mittag, dann kann's auch ruhig noch ein paar Stunden anhalten. :-)

    Wow, dieser Diskordianismus ist ja mehr als absurd. :-P

  2. wenn man um diese zeit portishead hört, kann man nur kryptisch werden. vielleicht eher was leichtes hören wie tricky oder dead can dance (am besten die Within The Realm Of A Dying Sun).

    wobei ich ja schon mal die idee hatte ein late-night/early morning blog aufzumachen. die idee haben bestimmt schon viele gehabt. vielleicht sollte man daraus ein projekt machen? bloggen kann da jeder. aber gebloggt werden darf nur zwischen mitternacht und bis zur blauen stunde. am besten auch nur gelesen werden.

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