Whole lotta love (II)

Sie massiert deinen Rücken, und wieder einmal hört ihr Whole lotta love. Das Lied scheint dich bei ihr geradezu zu verfolgen. Diesmal ist es das Original, Led Zeppelin II. Du errinerst dich wage an einen Stapel von CDs, den du mal durchgesehen hast.
Nein. Andere Person, anderes Leben, anderes Bett, andere Hände.
Sie schafft es, auf dir zu sitzen und dir nicht die Blase zu zerdrücken, wie es bei anderen Personnen der Fall war, die versucht haben, dich zu massieren.

Der Gentleman schweigt und geniesst. Aber du bist eher ein Flegel und sprichst mir ihr. Es ist merkwürdig, über welch scheinbar profanen Dinge ihr beide in dieser doch relativ intimen Situation noch reden könnt.

Draussen fällt langsam der Schnee in dicken Flocken. Du geniesst die Wärme in ihrem Zimmer, und fragst dich, ob du nicht noch eine Nacht bei ihr verbringen sollst, obwohl du es nicht wirklich wagst, nocheinmal aufzuwachen und dich verzweifelt zu fragen, neben wem du eigentlich liegst.Ihre Hände sind unglaublich zart. Oder scheinen dir nur so, denn eigentlich kannst du das nicht wirklich beurteilen und willst es vielleicht auch gar nicht. Der Glaube allein genügt schon. Wie eine Zigarette im Mondschein, die du nur geraucht hast, weil du deinen plötzlichen Gelüsten nachgehen wolltest.
Sie beugt sich tiefer über dich, als es eigentlich nötig wäre.

Du hast den Kopf zum Fenster geneigt und siehst so aus dem Fenster. Du errinerst dich an die Frage, die du als Kind oft hattest, wenn dein Kopf in dieser Position war. Nämlich sieht man die Welt auch liegend nicht wirklich „schief“, sondern es scheint alles noch irgendwie immer so zu stehen wie in gerader Kopfposition. Wieso das, war deine Frage früher.
Heute ist es dir egal. Du beobachtest eine Krähe, die sich auf dem Baum vor ihrem Fenster niedergelassen hat und ihr Gefieder putzt.

Sie legt sich auf dich. Du weißt ganz genau, dass sie grinst, denn sie weiß, dass sie dich so erregen kann, wenn sie nur will. Das wusste sie schon immer, und spätentens seit diesem verhängnissvollen Abend ganz genau. Du bist damals ziemlich auf die Fresse gefallen, was keineswegs ihre Schuld war.
Im Nachinhein fällt dir auch auf, dass deine Hausschuhe von erstaunlich vielen Leuten ausgeleiht wurden. Und das obwohl sie fürchterlich aussehen und Löcher haben. Sehr unsexy. Du solltest dir neue besorgen. Oder anfangen, stolz darauf zu sein, dass sie so unsexy sind und fürchterlich aussehen.

Du spürst ihre Brüste auf deinem nacktem Rücken und versuchst, dich nicht ablenken zu lassen. Die Krähe putzt noch immer ihr Gefieder. Du putzt deine Brille immer, wenn du nicht weißt, was du gerade tun sollst. Du gaukelst dir dann selbst vor, an der Situation gänzlich uninteressiert zu sein, weil du ja nichts siehst. Dabei vergisst du, dass du nichts zu sehen brauchst, um Gespräche mitzuhören.

Du willst dich nicht umdrehen und sie küssen und danach Sex mit ihr haben. Eigentlich willst du nur da liegen, sie spüren und zum Fenster hinaus schauen und diese Krähe beobachten.

Sie küsst dich auf den Nacken, in diese kleine Kuhle zwischen Kopf und Halsansatz.
Die Krähe breitet ihre Schwingen aus und fliegt weg.

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