Sexual Healing (II)

Ihr sei kalt, sagt sie.
Ihr liegt beide auf dem Sofa und hört euch – mal wieder – Ben Harper an, der ebenso wie „whole lotta love“ deinen Besuch bei ihr zu verfolgen scheint. Vielleicht ist es auch gut so. Immerhin bringt diese Musik diese gewisse, nicht zu schwere Melancholie in den Raum, die du sehr schätzt.

Du fühlst dich schwer und müde, wirst tief ins Sofa gedrückt. Die Sonne scheint nicht, der Himmel ist das so typische und verhasste ewige Grau, unter dem die Zeit still zu stehen scheint. Die Luft wird zu eben so einem festen Material wie die Wände. Es ist gleichermassen deprimierend wie wunderschön.

Du bist froh, dass sie da ist. Sie liegt ganz nahe an dir, und du hast deine Hände um ihren Bauch geschlungen, bewegst den Zeigefinger manchmal, nur leicht. Eine permanente Mikromassage, so würde sie es nennen, wenn sie die Gesamtsituation nicht einfach nur geniessen würde.

Du flüsterst ihr ins Ohr, du müsstest aus Klo, küsst ihren Nacken, stehst auf und vermeidest es, dich noch einmal umzudrehen. Du würdest ihren flehenden Blick nicht ertragen. Aber deine Blase drückt und du musst wirklich gehen.

Sofort bemerkst du die Kälte. Du spuckst ins Klo und spülst deinen Rotz mit deiner Pisse in den Abfluss. Wäschst dir die Hände. Schön langsam, sehr gründlich, mit der Seife aus Frankreich, die schon über ein Jahr da liegt und einfach nicht kleiner werden will.
Es zieht auf dem Klo.

Sie ist eingeschlafen, als du zurückkommst.
Vielleicht solltest du auch schlafen.

4 Kommentare “Sexual Healing (II)

  1. "Aber deine Blase drückt und du musst wirklich gehen."
    Ich würde den Satz weglassen, er nimmt der Szene nur Atmosphäre weg, weil er so absolut banal ist. Die Beschreibung was 'du' auf dem Klo tust zerstört das ganze Bild schon (das ist keine Kritik, ich nehme ja an das ist sehr wohl so gewollt), also lass den Leser das Bild vom Weggehen etwas länger vor seinem inneren Auge sehen. Der Unterschied ist auch, dass die Beschreibung vom Klo sehr stark im Gegensatz zu dem steht was du vorher beschrieben hast, "aber deine Blase drückt und …" wirkt etwas zu einfach. "Sofort spürst du die Kälte." finde ich wäre ein besserer Übergang.
    Ist aber nur meine Meinung und am Ende ist's und bleibt's dein Text. :)

    Ich habe mir jetzt auch mal einen Ben Harper Song reingezogen (ich geb zu ich kannte den Sänger nicht), jetzt versteh ich die melancholische Atmosphäre viel besser. Harpers Musik passt sehr gut hier. :)

  2. Hmmmmmm weiß nicht. Was heißt zerstört die Harmonie.
    Das er aus Klo geht ist so angenehm normal, und wirklich. Das macht nichts kaputt, es macht es einfach echt. Danke Hr. Fireball, sie sollten Filme machen, ich würds kucken.
    Entschuldigt, ich bin Realist.

  3. Ich denke mir mal, dass Thierry nicht unbedingt vom Fakt dass er aufs Klo geht meint es würde die Atmosphäre zerstören, sondern vielleicht eher wegen der Ausdrucksweise.
    Wenn der Text vorher eine gewisse Wärme ausstrahlt, ist die Beschreibung davon dass er aufs Klo geht ziemlich vulgär gehalten (-> "spülst deinen Rotz mit deiner Pisse in den Abfluss"). Das kann aber natürlich – und ist es wahrscheinlich auch – sehr wohl Absicht sein.
    Das ist mal meine Interpretation.

  4. Alles vor und nach dem Satz "Aber deine Blase drückt und du musst wirklich gehen." finde ich gut. Was mich irritiert ist, dass es eben diese Wärme gibt, und anstatt dass dies mit Kälte beendet wird ("Sofort bemerkst du die Kälte."), kommt da so ein banaler Satz… Der vulgäre Satz den frederico hier auch anspricht, ist auch verdaammt irritierend, aber da leuchtets mir ein, dass fireball das so gewollt hat. Bei "aber deine blase drückt…" versteh ich nicht warum das da steht.

    Vielleicht könntest du den Grund nennen warum du das so geschrieben hast Joel? Es wird wohl einen Sinn haben, ich versteh ihn nur nicht…

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