Der Niedergang des Journalismus

Die größte luxemburgische Tageszeitung, d'Wort, hatte heute Werbung auf der ersten Seite. Das ist nicht ungewöhnliches?
Problem bei der Sache war: Die gesamte Titelseite bestand aus Werbung.
Sowas macht nicht mal Bild, oder?

Soviel kann ich gar nicht essen, wie ich kotzen möchte.

19 Kommentare “Der Niedergang des Journalismus

  1. vor wenigen wochen hatten wir sowas in österreich auch. über die zeitung war ein eigenes blatt geschoben, das im oberen bereich wie der normale titel der zeitung ausgesehen hat, im restlichen bereich aber eine werbung war. hat man dieses "deckblatt" entfernt, kam die zeitung mit dem echten titelblatt zum vorschein. diese anzeige war an diesem tag in gleicher form auf "Der Presse" und dem "Kurier" – zwei relativ großen tageszeitungen in österreich. gleicher konzern (ein versicherer) hat am gleichen tag auch in der relativ zur bevölkerung gerechnet absatzstärksten zeitung europas (täglich 3 millionen leser bei knapp über 8 millionen einwohnern!), der "Kronen-Zeitung", eine seitenfüllende werbung geschalten; allerdings "nur" auf seite 3 … dennoch war diese werbung (aufgrund der absatzzahlen der "Krone") wahrscheinlich teurer als die 2 anderen titelseiten-werbungen bei der konkurrenz zusammen.

    die moral von der geschichte:
    1) soetwas gibt es auch in anderen ländern
    2) ja, ich halte das auch für sehr bedenklich
    3) ich will nicht wissen, wie teuer diese werbung (die kombiniert mit plakatwerbungen erschienen ist) hier in österreich war, denn …
    3) ich habe sie mit meiner verdammt teuren autoversicherung bei diesem konzern mitfinanziert. ;)

  2. Tja, Hochglanzpapier für Hochglanzwerbung. Aber hey, im WORT! Wo kommen wir denn hin?
    Ich lebe in einem Land, in dem in den Zeitungen das steht, was die Regierung und die Presseagenturen diktieren. Es gibt keine wirkliche Gegenöffentlichkeit.

    Aber ich habe heute zu gut gegessen, um Kotzen zu können.

  3. "vor wenigen wochen hatten wir sowas in österreich auch. über die zeitung war ein eigenes blatt geschoben, das im oberen bereich wie der normale titel der zeitung ausgesehen hat, im restlichen bereich aber eine werbung war. hat man dieses "deckblatt" entfernt, kam die zeitung mit dem echten titelblatt zum vorschein."

    Genauso war es im "d'Wort". Die "falsche" Deckseite hat aber sowieso komisch ausgesehen, da sie auf weissem Pappkarton gedruckt war, wogegen die normale Zeitung eben aus üblichem Zeitungspapier besteht. Aber es hat mich im ersten Moment natürlich auch stutzig gemacht.

  4. Ts, magst du mir das Ding einscannen und mailen? Man will doch wissen, was das eigene Ländchen da so treibt…
    Aber naja, das Ding hat seinen Zweck erreicht; es wird darüber geredet…

  5. Ich muss allerdings sagen, dass ich nicht weiß welche Werbung das ist, da ich reflexartig sobald ich erkannt habe dass es nur eine riesige Werbefläche war das Deckblatt sofort entfernt habe um das richtige zu lesen.

  6. Erna: Mach ich.

    Und ich finde nicht, dass so eine Sache schweigend hinzunehmen eine bessere Alternative wäre.

  7. Nein, kein Artikel. Eine ganzseitige Werbung für den Autohersteller "Nissan".
    Ich scann das heute Abend rein, in der Mittagspause hab ich keine Lust dafür.

  8. "Und ich finde nicht, dass so eine Sache schweigend hinzunehmen eine bessere Alternative wäre."

    Habsch net gesagt *mümmel*
    Aber so funktioniert Werbung… Päh, scheiß Matrix ;-)

  9. Kalter Kaffee. Der Tagesspiegel hatte das damals anlässlich der Karl-Lagerfeld-Aktion von H&M auch schon mal. Dürfte jetzt so ca. ein Jahr her sein. Liegt an der Finanzkrise der Medien, ausgelöst durch die Anzeigenflaute. Kauft mehr Markenprodukte, dann gibt's auch wieder Titelseiten ohne Werbung

  10. Dadurch, dass es schon einmal passiert ist, wird es nicht weniger schlimm und verachtenswert. Und da es immer wieder passiert, wird es eben kein kalter Kaffee.

  11. Bist du dir sicher, dass es nicht nur ein Faltblatt war, das bloss ungünstig lag? Bei mir jedenfalls war die erste Seite normal mit Artikel und dem Titel "d'Wort". Genauso bei der Online-Ausgabe ePaper.

  12. hui. verschwörung. fire bekommt als einziger werbeverseuchte zeitungen. wird er dieser gemeinsten form psychologischer kriegsführung auf dauer stand halten? oder werden die annoncen den letzten widerstand brechen? bleiben sie dran wenn es schon bald wieder heisst: "d'Wort"

  13. Hartmut: "Von Werbung leben die Zeitungen"
    Schön. Na und? Journalistischer Anspruch geht über Profit, besonders wenn man die auflagenstärkste Zeitung Luxemburgs ist, hat man *sowas* sicher nicht nötig.
    Wenn die Zeitung ein Problem mit zurückgehenden Leserzahlen hat, dann sollte sie sich um Inhalte Gedanken machen, nicht noch mehr Werbung.

    Es ging nie um die Unterscheidung zwischen reaktionellen Inhalten und Werbung, obwohl auch das nicht immer so leicht ist (siehe "Bild"), sondern einzig und allein um die Tatsache, dass Zeitungen nun schon so profitgierig sind, dass sie es nötig haben, ihre Titelseiten zu verkaufen.

    Lustig übrig finde ich, dass du mir meine Rechtschreibung ankrittels, was übrigens sehr von der Kraft deiner Argumente zeugt, und selbst einige Fehler machst.

    martin: Lies die Kommentare, dann merkst du, dass du falsch liegst.

  14. Bevor Du Werbung kritisierst, kannst Du gerne 'mal richtiges Deutsch schreiben: es heißt nichts (!) Ungewöhnliches – weil man nach "nichts" Adjektive groß schreibt.
    Von Werbung leben die Zeitungen, die manche sonst nicht bezahlen könnten, und wer Werbung nicht von Redaktion unterscheiden kann, um den sollten sich selbsternannte Weltverbesserer keine Sorgen machen….
    Hast Du ein Glück, daß Du keine anderen Sorgen hast!

  15. Hi Fireball,

    allein die Verwendung des Worte "Profit" zeigt, daß Du mit der existierenden Wirtschaftsordnung nicht zurecht kommst oder kommen willst. Profit gehört ins Kapital von Karl Marx!
    Aber nicht ins 21. Jahrhundert.

    Alle Zeitungen haben Probleme damit, daß wegen schwindender Massenkaufkraft, rückläufiger Entwicklung der Bevölkerung in bestimmten Altersschichten und rückläufiger Anzeigenerlöse die Einnahmen so stark zurückgehen, daß immer mehr Verlage das Handtuch werfen müssen. Das führt dann zu noch mehr Konzentration und weniger Meinungsvielfalt. Findest Du das besser als eine Anzeige auf einer Titelseite, die i.d.R. selbst von der Redaktion in Ausnahmefällen zähneknirschend bewilligt wird?

  16. Ich habe das Wort Profit genommen, weil ich es mit "Gewinn" gleichsetze. Wikipedia gibt mir damit nicht ganz recht damit, bestätigt aber, dass das Wort umgangssprachlich synonym für Gewinn gebraucht wird.

    Du hast allerdings recht mit deiner Annahme, dass mir der herschende Neoliberalismus nicht gefällt.

    Wie bereits mehrfach gesagt ist "d'Wort" die größte luxemburgische Tageszeitung und der Verlag muss sicher noch so bald nicht "das Handtuch werfen". Und ich denke, es gibt andere Möglichkeiten wie z.B. ganzseitige Anzeigen im Innern der Zeitung, die nicht das Erscheinungsbild und den journalistischen Anspruch einer Titelseite zerstören.

    Schwindende Massenkaufkraft und rückläufige Entwicklung der Bevölkerung mögen Gründe sein, sind aber bei weitem nicht die wichtigsten. Wenn einer Zeitung die Leser weglaufen, liegt das sicherlich nicht daran, dass es zu wenig Leser gibt.

    Im Übrigen würde ich dem "d'Wort" nicht eine Träne nachweinen.

  17. Hi Fireball,

    ich klinke mich jetzt 'mal aus der Diskussion aus, weil ich wenig Zeit habe.
    Lassen wir 'mal mein Gemoser über Rechtschreibung außen vor … – ich habe mich geärgert und ärgere mich über Leute, die – meist gesellschaftspolitisch einseitig ausgerichtet – etwas gegen Werbung haben.
    Ohne Werbung sähe sich kein Unternehmen veranlaßt, bessere Produkte auf den Markt zu bringen, niemand würde erfahren, daß es Produkte bei der Konkurrenz zu einem günstigeren Preis gäbe, und es hängen zigtausend Arbeitsplätze dran – in der werbungtreibenden Industrie und in der Medienbrache selbst.
    Wir hätten nach wie vor drei Fernsehprogramme, und man kann sich über die Werbeunterbrechungen schwarz ärgern, vielleicht auch über den Mist, der tagsüber gesendet wird, um ein Umfeld für die Werbung zu haben, aber ohne Werbung gäbe es abends ein paar Spielfilme weniger. Wer keine Unterbrechungen haben will, muß die Sendung halt auf Video aufzeichnen – nur er soll nicht über die Werbung meckern.
    Noch 'mal zum Thema "Profit" – auch wenn das Wort im Sprachgebrauch mit Gewinn gleichgesetzt wird – das Wort Profit ist ideologisch belastet und wird vorzugsweise von der gesellschaftspolitisch links ausgerichteten Personen eingesetzt, um Gewinne von Unternehmen (und die müssen welche machen, sonst investieren die nämlich nicht und es gibt keine Arbeitsplätze)zu diffamieren. Also – die Titelseite bleibt ein Hammer, aber man kann ja drüber wegblättern….
    So long …

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