Schleimballen, die Alchemie der Maschine und Hörbücher.

Ich würde dem hochverehrten Publikum ja gerne spannendere Geschichten als die meiner Krankheit erzählen, aber momentan gibt es nur das in meinem Leben. Ich habe gestern von mindestens halb 9 abends an geschlafen. Und ich war heute nicht fitter als sonstwann, sondern extrem unlustig, aufzustehen und überhaupt irgendetwas zu machen.

Ich lernte dann jedoch jede Menge über Atomkraftwerke von einem ehemaligen Atomtechniker, der jetzt Mechanik lehrt und sich hauptsächlich mit dem ständigen auf und ab von Kolben beschäftigt. Auf und ab, auf und ab, mehere Tausend mal in der Minute, wie mechanisches Herzschlagen. Mit Kopfschmerzen wird das Starren auf den Overhead-Projektor zur Agonie. Tausendmal gehörtes, wiederholend wie ein Mantra, wie auch die Maschine ihr mechanisches Mantra verrichtet, gebetsmühlenartig, immer und immer wieder, auf und ab, auf und ab, Tod und Wiedergeburt innerhalb Mikrosekunden.

Es ist fast alchemistisch, wenn man näher darüber nachdenkt – aber sollte man überhaupt die Verrücktheit begehen, über die Metaphysik der Maschinen, sozusagen die Metamechanik, nachzudenken? Ansaugen, Verdichten, Verbrennen, Ausstossen, wie der Herzschlag, ruhig und beständig, immer und immer wieder, sich dem Willen des Menschens beugend, der mit einer leichten Bewegung gebietet, als absoluter Beherscher über den Sklaven.

Ständiges Husten im Saal. Manche fragen, Andere geben Hustenbonbons an oder für mich. Als ob das jetzt noch was helfen würde, nachdem ich schon seit einer Woche diesen Schleim in meinem Körper habe, der sich anscheinend sehr wohlfühlt in mir! Ich spucke in Spucknäpfe, die sich beunruhigend hoch mit grün-geblichem Schleim füllen, spucke in Taschentücher, manchmal übergebe ich mich auch, um einen besonders großen Schleimbrocken loszuwerden, aber ganz will er nicht verschwinden. Ich verzichte auf Milche, himlischen Fruchtsaft und andere Dinge, die Schleim erzeugen, aber hilft es was? Es kommt immer nur mehr. Als gebäre ich ein Wesen, das aus der halbflüssigen, ekligen Materie besteht und sich nach allem Spucken und Würgen in der Kloake selbst zusammensetzt, um fortan einen Horrorfilm zu bevölkern, der ekliger nicht sein könnte.

Gerne möchte ich noch ein Hörbuch hören, aber ich habe alle, die mir zur Verfügung stehen, schon angehört. Vielleicht kennt jemand einen Podcast, der Literatur vorliest? So etwas in Richtung Fantasy/Sci-Fi wäre genau richtig, Terry Prachett herrlich! („Ab die Post!“ ist wunderbar gelesen! Eine geniale Stimmenvariation, die nicht nervt oder zu viel auf Effekten beruht!)

Nundenn, geschätzte Leser, ich, der es vorhin geschafft hat, vor der grellbunten Geräuschkulisse von „Super RTL“ einzuschlafen, lege mich nun ins Bett.
Good night, and good luck!

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