Frühlingsregen (Drinnen)

Regen auf einer Autoscheibe
Ein Auto rast durch den strömenden Regen eines Sommergewitters. Leichte Gänsehaut auf den nackten Armen des Fahrers. Aber er musste eine Entscheidung treffen, zwischen Wörme und nicht beschlagenen Fenstern.
Die üblichen Heimwegsengpässe bahnen sich an, und während das Auto in einer mittleren Blechkolonne steht, tätigt der Fahrer einen Anruf. Er nimmt den Regen nur noch als Prasseln auf der Scheibe wahr, wie ein Trommeln, das einen langsam in Trance versetzt. Das regelmässige Auf-und-Ab des Wischers beruhigt.
Letzendlich besiegt der Mensch mit der Technik die Natur – jedenfalls glaubt er das.
Langsam zieht sich der Fahrer eine Zigarette aus der Schachtel, zündet sie an, öffnet das Fenster einen kleinen Spalt weit, nur soweit, damit er mühelos raus aschen kann, ohne nass zu werden.
Niemand geht ans Telefon. Versuchen wir es später nochmal.

Die Straße ist wieder frei. Hochschalten, Gas geben. Der Regen wird immer stärker. Die Sonne, die noch bis vor kurzem schien, scheint vollkommen vergessen zu sein. Jetzt ist es grau, nass und windig. Draussen. Der Motor schnurrt, wie der Fahrer mit einem Lächeln bemerkt. Der Zigarettenstumpf fliegt durch den Spalt auf die regennasse Fahrbahn, springt noch ein, zwei mal und bleibt dann liegen, wie ein überfahrenes Tier.

Das Fenster wieder zu, und das Auto auf die freie Autobahn, immer schneller, der Regen scheint sich dem Tempo des Automobils anzupassend. Im Inneren des Motors arbeiten die Kolben wie stumme Diener der Bewegung, ständig Benzin verdichtend, verbrennend, ausstossend. Das Gaspedal wird zum Hohepriester der Bewegungsreligion, die Kupplung zum Messdiener der Verbrennung, während der Wagen, einem Untier aus dem höllischem Bestarium gleich, weiter über die Straße rast, scheinbar ohne Unterlass, ohne Aussicht auf Halt, einem vermeintlich unbekanntem Ziel entgegen.
(Photo by Vanessa. Some Rights reserved.)

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