Frühlingsabend (im Zug)

Eine Zugfahrt.
Grüne Wiesen, die untergehende Sonne knapp über den Hügeln. Und über der Wiese kriecht der Dunst, wie flache, freundliche Nebelschwaden. Und du fühlst dich entführt in ein anderes, fremdes Land. Es ist noch kein Sonnenuntergang, kein rotes oder oranges Glühen, aber die Sonne steht schon tief genung, dass sie die saftig erscheinenden Wiesen, des kleinen, hügeligen Landes, die Obstgärten und Kuhweiden, die lichten Wäldchen, an denen der Zug vorbeirast, vergoldet.
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Und selbst hinter der Scheibe durch die du dieses wunderbare Schauspiel erblickst, kannst du den Duft des Frühsommers erahnen, die Blüten, der Pollen, der Staub, der diesem Abend seine besondere Duftnote gibt.

Und die vergoldeten Koppen und Wiesen, an die dich der Zug vorbeizieht, immer am Fluss, auf dem die Abendsonne glitzert, entlang, erscheint dir während eines kleinen Moments wie ein mögliches Refugium, du möchtest sie betreten, erkunden, schmecken, riechen, erfühlen.

Von unten im Zug pöbelt ein Besoffener, der Zug möge gefälligst schneller fahren und reisst dich zurück in die Realität. Und die ist sicher kein Garten Eden.
Es ist bloss noch eine einzige Station, du genisst die letzten Blicke und hoffst, dass der Wind ein wenig des Frühlingsduftes auch noch nach E., die dreckige und stinkende Kleinstadt mit einem einzigem Park, der zu einer Nervenheilanstalt gehört, gebracht hat.
Es ist ein wundervoller Abend, ohne dass sonst irgendetwas besonderes passiert wäre.

2 Kommentare “Frühlingsabend (im Zug)

  1. Ja, irgendwie liegt in diesem Pollengwirr, diesem goldenen Staub des Frühlings etwas… irgendetwas, was die Gedanken mit dem Wind fort trägt.
    Soetwas kann einen festhalten, auch wenn sonst nicht passiert.
    Ja, auch bei mir war es das Übliche. Frühling. Sonne. Abitur bestanden. N bisschen gelesen. Spazierengegangen. Eben das Übliche.

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