Frühlingsgewitter (in der Hotelbar)

Das Ambiente sieht aus wie in den 20er Jahren. Du sitzt in diesen schicken Sesseln und trinkst, vergnügt plauerend und Pläne schmiedend, eine heiße Schokolade, die du dir nach dem kurzem Ausflug in den strömenden Regen redlich verdient hast. Hier sieht es aus, als wären die goldenen Zeiten nie vorrüber gegangen und der Glanz und der Luxus scheint zeitlos.
Hotel Alfa

Draussen hingegen wütet das Unwetter. Es scheint, als bräche die Sinnflut erneut aus, und sei vor allem darauf aus, Luxemburg als erstes in einem Meer untergehen zu lassen. Ein paar Blitze zucken über dem Bahnhofsgebäude, das gespentisch beleuchtet wird. Die warme Atmosphäre drinnen verstärkt diesen Effekt noch. Hier das zeitweilige Paradies, oder wenigstens das Refugium, draussen die Hölle, das Unwetter, der Sturm, der Angriff des gewaltigen Monsters, das über der Stadt schwebt und sein Gift auf sie herabregnen lässt.

Ihr seid zu drei und redet über Lesungen. DIe idee wird für gut empfunden. Du freust dich, ein Traum wird in Erfüllung gehen. Du musst dir noch überlegen, wo und wie, noch ist nicht alles fest, aber die Grundidee steht, der zündende Funke ist übergesprungen.

Dann musst du die Runde verlassen, du verabschiedest dich und du wirst verabschiedet. Auch der Barkepper wünscht dir noch einen schönen Abend, genau wie die beiden Portiers am Eingang des Hotels. Hier gibt es noch Manieren, hier bist du Gast, und es scheint wirklich egal zu sein, wie du aussiehst. Natürlich ist es ihr Job, dich zu grüßen, aber sie tun es mit einer Freundlichkeit, die zumindest ehrlich wirkt.

Du nimmst ein wenig der Wärme des alterwürdigen Gebäudes mit auf die Straße, in das Unwetter, das den Dreck zwar aufweicht, aber nicht wegspülen kann.

(Image © by Mercure Grand Hotel Alfa Luxembourg)

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