days of war, nights of love

L. Ich schreibe immer nur L. Und jedes Mal, wenn ich „L.“ schreibe, meine ich eine andere Person. Ich will keine ganzen Namen verwenden. Das ist einfach eine Sache von Pietät, weil ich nicht weiß, ob die betreffenden Personen mitlesen und so den Inhalt kontrollieren können. Einen Namen erfinden? Das wäre nicht mehr das Richtige.

Nebelschwaden im Mai, leise aus dem Flussbett meiner Errinerung kriechend. Und schon stehe ich wieder im Schnee der ersten Tage des Januars. Den Rücken zur Tür, dann langsam herunterrutschen. Am Ende. Unten angekommen, und dennoch oben schwimmend.
Es zog mich zum Wasser. Und so bin ich hinaus. Ich wusste nicht, ob ich mich in den See stürzen wollte, aber ich wollte auf diese Brücke, die den See in niedriger Höhe überspannt. Vielleicht würde es genügen, einfach nur dazustehen und in das schwarze Wasser zu starren, um klar zu sehen.

Ich stehe aber auch im Restschnee auf dem Bahnhof von E. und umarme sie, schaue ihr noch ein letztes Mal nach, vom Taxi aus. Ich werde dieses Bild für ewig in Errinerung halten. Kurz danach halte ich es nicht mehr aus und beginne zu schreiben. Es ist wie ein Wasserfall. Aber dennoch tauche ich nicht unter. Es gibt für mich nur eine mögliche richtige Flucht: Nach Paris, zum Pendel, um davor niederzufallen wie ein Götze und es anzubeten, die Weisheit zu erlangen, auf dass die tellurischen Ströme schlussendlich mir gehorchen!
Ceci n'est pas la fumée d'une pipe.

Ich fliehe in andere Richtungen, in ein vermeintliches Paradies, dann nach Köln. Ich sehe den Zug viel zu oft. Norddeich-Mole – Luxemburg. Er winkt mir jedes Mal zu und ruft „Freiheit!“. Aber steht nich in jeder Verfassung was von Freiheit? Letzentlich ist die einzig wahre Freiheit, die es geben kann, jene, das Pendel an den einzigen Fixpunkt des Universums zu legen und das Spiel zu spielen, die Karten eine nach der anderen aufzudecken, um sie dann zu deuten und zu wissen, wieso was passieren wird. Ein Spiel, das ein Leben lang dauert als Symbol für das eigentliche Leben. Ich wünschte, ich könnte eine Pyramide bauen und sie dann wieder zerstören, immer und immer wieder, mit meinem mächtigen Fuß, dem einem Fuß, dem Götterfuß.

Could danger be joyous? Do you ever need to see the sky? (Can you see many stars in it any more?) Do you ever need to see water, leaves, foliage, animals? Glinting, glimmering, moving? Is that why you have a pet, an aquarium, houseplants? Or are television and video your glinting, glimmering, moving? How much of your life comes at you through a screen, vicariously? If your life was made into a movie, would you watch it? How do you feel in situations of enforced passivity?

Was für Antworten auf solche Fragen geben, die ein ungutes Gefühl hervorrufen? Es ist gut, dass sie das tun. Das zeigt dir, dass du noch lebst. Und nicht nur, dass dein Herz schlägt. Du solltest sie oft lesen, deinen Puls messen, auf die Waage steigen, dich rasieren und in den Spiegel lächeln. (Nicht, dass es ein beschönigendes Gefühl wäre.)

Wieder und wieder bin ich geflohen. War es Flucht oder war es Ausziehen in die Wüste? Das eine ist feige, das andere ist heilig und gut. Wo liegt der Unterschied, ausser dem, den ich gerade erklärt habe? Kann das Ausziehen in die Wüste nicht auch eine Flucht sein – oder ist es gar immer – oder ist die Flucht nicht auch manchmal ein Ausziehen in die Wüste?

Es war kein Weglaufen, wohl aber ein überstürztes, unbedachtes, manchmal auch unüberlegtes Aufbrechen an andere Orte, um zu vergessen. Tanzen, Trinken, Schreiben. Drogen? Heilmittel?
Ich ziehe mich zurück in diesen Wald, noch ist alles in Ordnung, ich denke nicht einmal daran, dass etwas passieren könnte. Ich suche mir den schönsten Platz, geborgen zwischen den Bäumen, in einer Mulde, die ausgefüllt ist mit trockenen, sonnenbeschienenen Blättern und lege mich hinein.

Und dennoch, der Nebel hört nicht auf, aus den Flüssen zu steigen, und wieder erwache ich an einer anderen Stelle. Vor alledem. Im Zug. Es ist Winter. Ich schreibe. Es ist eine herrliche, wundervolle Geschichte und sie scheint jeden zur erfreuen, als sie fertig ist. Hat es geschneit in jenen Tagen? Wo war ich unterwegs, wen habe ich getroffen, mit wem gesprochen, was geplant?

DIe Kerze ist beinahe runtergebrannt, es bleibt jedoch so viel zu erzählen.
Ich erwache auf einer diesen beiden Matratzen, ewig lesend. Was tue ich mit diesem Wissen?
Muse ist das richtige Wort. Das und nicht mehr.

Ich könnte ewig vor diesem Fenster stehen und die Wolken beobachten, wie sie über das flache Land ziehen. Große Luftschiffe, angefüllt mit Wahrheit und Träumen. Es regnet dicke Tropfen voller Metaphern, während ich in Gedanken von der Schaukel springe, anfange zu schweben, dann fliege und mit den Wolken reise. Als schwimme man ein Jahr lang auf dem Rücken eines Wals.

Leise singen wir unsere Lieder, während ich dann doch irgendwann am Wasser ankomme. Ich habe gelernt, zu tauchen, in jenen Tagen, als ich die Brücke nicht gefunden habe.

Ein Kommentar zu “days of war, nights of love

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