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Kommentare, der Duft der Nacht und mein Ego

Ich wollte ja eigentlich über irgendetwas bloggen, ich weiß bloss nicht mehr, über was.
vielleicht darüber, dass die Diskusionen der letzten Woche hier teilweise sehr merkwürdige Zeitgenossen mit noch merkwürdigeren Webseiten/Blogs angezogen haben, die offenbar zumindest teilweise bloss wegen der Links kommentierten – sofern dies zu erkennen war, habe ich die Kommentare auch wieder gelöscht, vor allem, wenn der Kommentator mir früher schon in dieser Hinsicht negativ aufgefallen war.

Der Duft des Sommers schwebt zärtlich durch das offene Dachfenster in mein Zimmer und lässt mich sowas sehr viel ruhiger sehen. Wieso sollte ich mich aufregen?
Sowas habe ich für mein Ego nicht nötig. Ich bin unsterblich.

Die WM & die Nazis

Die Nazis sind sich offensichtlich selbst nich einig darüber, wie sie mit dem WM-Patriotismus umgehen sollen oder wollen, was ja schon von einigen Kommentatoren sehr richtig angemerkt wurde. Jedenfalls die NPD nicht. Darüber berichtet das NPD-Blog.

Kunst (oder zumindest Bilder) aus HTML

websitegraph
Das, was ihr da über dem Text hier seht, ist Das Resultat eines Java-Programmes, das die verschiedenen HTML-Tags in verschiedenen Farben anzeigt und damit ein Bild aus der Webseite malt. So stehen grüne Punkte beispielsweise für „divs“, orange für Linien und Zeilenumbrüche, blaue für Links, usw. Das Script findet sich bei aharef.info
Eine sehr schöne Sammlung von den Resultaten bekannter Webseiten findet sich im dazugehörigen Blog. Besonders schön finde ich davon ja das Bild von boingboing.
(via Gervase Markham)

WM & Patriotismus: Teil II

„Ist doch alles nur Spaß!“
„Lasst sie doch feiern, sie tun doch niemanden weh!“
Oh nein. Smoke them out!

Wir warten am Fischbrunnen auf weitere Bekannte, als uns eine Gruppe von besoffenen Nazis auffällt, die auf der anderen Seite des Brunnens grölend „Deutschland, Deutschland“ skandiert, den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben. Relativ ernüchternd ist für uns die Tatsache, dass weitere Fans, die zumindest optisch nicht zu der Neonazigruppe zuzuordnen sind, sich zu den Neonazis gesellen, mit ihnen gemeinsam skandieren und sich von ihren offensichtlichen Gesten nicht im geringsten stören lassen.

Wenn ich das lese, kann ich es eigentlich bloss noch mit ATR halten

Wohlgemerkt geht es hier nicht um „friedlich feierende“ Fans – die sind hoffentlich noch in der Überzahl – das ganze zeigt aber sehr wohl, dass aus „Sieg! Sieg! Sieg!“ sehr schnell „Sieg Heil!“ werden kann.

Hach,

Anonyme Hass-Kommentare hatte ich in den letzten Tagen vermehrt hier. Unter anderem original mit der falschen Schreibweise von „Intellektuell“, was wohl ein Kampfbegriff des Pöbels sein soll. Das ich solche Peinlichkeiten, im Gegensatz zu berechtiger Kritk, lösche ist wohl selbstverständlich. So schnell wie sich die Sache mit dem Nationalfeiertag sich in der luxemburgischen Youtubeverlinkersphäre Blogosphäre verbreitet hat, zeigt, dass wohl die allermeisten von denen hier mitlesen.

Ja, das ehrt mich schon. Es ist wohl nicht besonders schwer, bei einer so kleinen Anzahl an Blogs eine Stellung wie meine anzunehmen, aber, in meiner grenzenlosen Selbstüberschätzung: I'm the man. (Und noch besser, heute (26.6) erst eingefallen:) Ich bin 12 Meter groß und alles ist unvorstellbar!

Die Ruhe nach dem Sturm kehrt wieder ein, zumindest am Himmel über E., der schon fast wieder so blau ist, wie er am Nachmittag war. Aus meinen Lautsprecheren dröhnt, von der gleichnamigen Band, der Ruf nach einem Atari Teenage Riot, draussen singen die Schwalben, denen zuzusehen mir das Herz leicht macht, sind sie für mich doch Symbol für eine ganz spezielle Jagd. Das sind Dinge, die man zwischen Freibier und Nationalflaggen niemals verstehen kann, geschweige denn selbst erschaffen. Die Poesie des Alltäglichen fehlt ganz einfach.

Und wie so oft habe ich das Gefühl, mich mit rasender Geschwindigkeit fortzubewegen, obwohl ich doch sitze. Und ich erinnere mich an jenen Abend in Köln. Die leere Wegbierflasche lässt man einfach stehen. Jemand wird kommen und sie aufheben. Und dieser jemand lebt davon, leere Flaschen einzusammeln und das Leergut zu kassieren. Das Stehenlassen der Flasche ist also keine Verschmutzung, sondern schon fast eine humanitäre Geste. Müll als Caritas.
Die Sonne beginnt ihre unaufhaltsame Reise gen Horizont, noch jedoch ist es hell. Das Wetter ist ähnlich klar wie in diesen Sommertagen, in denen du nur von der Sonne und vom Sturm lebst, aber deutlich kälter.
In dem Moment, da du die leere Flasche auf dem Boden des Wartehäuschens absetzt, kommt die Straßenbahn. Dort eine geradezu philosophische Diskusion, während an euch der Melaten-Friedhof vorbeizieht.
Und beim Aussteigen formulierst du das Credo, der heute, unter einem anderem Himmel an diesem wunderbaren Sommerabend, noch immer seine Gültigkeit nicht verloren hat:
Es gibt keinen einen richtigen Moment. Endweder sind alle Momente richtig, oder keiner ist es. Geniesse jeden Augenblick.

Was bleibt, sind die Schwalben.
Ave In Beatius Aevum Seposta Seges

Microsoft Fënster XP Doheem Editioun™

Microsoft hat heute, pünktlich zum Nationalfeiertag, Windows und Office auf Luxemburgisch veröffentlicht. Sehr lustig, für weniger als 450 000 native Speakers eine eigene Sprachenversion herauszugeben. Wann kommt die Version auf klingonisch?
Ich nehm mal an, MS hat sich mit dieser Übersetzung für gewisse steuerlichen Vorteile bedankt, die es hierzulande gibt.

OpenSource gibt es allerdings auch schon auf Luxemburgisch: zumindest die Installationsroutine des freien DTP-Programms Scribus gibt es in meiner Muttersprache.

Wieso Patriotismus gefährlich ist

Erstmal meine These nicht belegte, weder bewiesene noch geschichtlich belegte Idee: Patriotismus -> Nationalismus -> Faschismus

Nationen sind doch eigentlich künstliche Konstrukte, hauptsächlich durch die Geld- und Machtsüchteleien toter, „adeliger“ Leute enstanden. Die Stelle, an der ich geboren wurde, habe ich mir nicht ausgesucht, ich habe nichts dafür getan. Und wenn 11 Leute, die zufälligerweise in dem gleichen Land leben wie ich, einen Ball mehr oder weniger gut zwischen 3 Metallstangen kicken können, habe ich – folgt man der Logik – eigentlich sehr wenig damit zu tun. Im Grunde genommen eigentlich gar nichts. Wieso also sollte ich stolz darauf sein, in dem gleichen Land zu leben wie eben diese 11 Männer? (Gab es eigentlich Konvois bei der Frauen-WM? Da *ist* Deutschland Weltmeister – ich habe noch keine einziges Frauenfußballspiel im TV gesehen.) Und wieso sollte ich, wenn für mich als dem Sport Fußball Aussenstehenden nicht nachvollziehbare Freude über den Sieg dann doch gepackt hat, diese Freude mit Stolz für den Staat, in dem ich lebe, gleichsetzen?

Am 23. 6. ist der luxemburgische Nationalfeiertag. Gefeiert wird der Geburstag des Monarchen. Der momentane Großherzog Herni hat allerdings im April Geburstag. Der Tag ist eigentlich der Geburstag seiner Großmutter. Man hat den Tag wohl deshalb beibehalten, weil weder im Januar (Jean), noch im April gutes Wetter für Paraden zur Demonstration der lächerlichen militärischen Macht Luxemburgs zu erhoffen ist.

Momentan hängen bloss portugiesische, teilweise auch italienische Flaggen aus den Fenstern, spätentens für Freitag wird das aber anders sein. In den Geschäftsfenstern wieder Bilder des Monarchen, dessen ziemlich teurer Lebensstil von Steuergeldern bezahlt wird (von was sonst wohl?), der damit auch noch eine sehr hässliche Couchgarnitur gekauft hat (Ja, wenn ich schon in einer Monarchie leben muss, will ich, dass mein Monarch eine annehmbare Couchgarnitur mit meinen Steuergeldern kauft!), dessen Frau des öfteren wieder nach Cuba (!) fliehen wollte und dessen Bruder verdächtigt wird, vor 20 Jahren 18 Bombenattentate begangen zu haben.
Mir wölle bleiwen waat mir sin!“ ist der offizielle Wahlspruch des Landes. Unter diesen Umständen finde ich Patriotismus gefährlich. Das hat für mich nichts mit „Ich mag den Ort, an dem ich aufgewachsen bin und/oder lebe“ zu tun. Sondern mit einer Ideologie, die gefährlich nahe an ein Überlegenheitsgefühl herankommt.

Update zur Klärung einiger Dinge (aus den Kommentaren entnommen):

Ich mag Patriotismus nicht, weil es für mich keinen Grund gibt, auf das Land, in dem man lebt, stolz zu sein, weil man hierfür recht wenig getan hat und die Leistungen anderer Personen nunja, die Leistungen anderer Personen sind und nicht die eigenen. Freut euch wegen mir über was ihr wollt, aber seid stolz auf die Dinge, die ihr selbst getan habt.

Ich mag keine nationalen Symbole und keinen Patriotismus, weil mir das alles zu sehr ein „Überlegenheitsgefühl“ vermittelt. „Wir sind die, die wir sind, wollen *genauso* bleiben (dh. es darf sich nichts veränderen, dh. nichts fremdes soll hinzukommen – oder?) und alle anderen sind nicht so toll wie wir.“

Ich will nicht behaupten, dass Patriotismus zwangsläufig in Nationalismus endet, aber beides geht fliessend ineinander über, was die Sache für mich gefährlich macht.

(Vorsicht, provozierend!) Achja: Etwas gutes hatte die Diskusion hier. Die luxemburgische Blogosphäre wurde mal wieder einmal aufgerüttelt, und jene, die sich normalerweise damit begnügen, myyoutube-Videos zu bloggen, haben sich aufgerafft und ein paar Zeilen geschrieben. Und die Leute hassen mich mal wieder alle, aber hey, ich bin der erste, der kam, und ich werde der letzte sein, der geht, was also mach ich mir um so etwas Gedanken?

Seid patriotisch oder schweigt

Bei Bildblog. Ist Nationalismus jetzt wieder in?
Wozu brauchen wir Fahnen, wozu Nationalstolz?
Auch in Hinblick auf den 23.6. etwas, das mich bewegt. Ich hab einfach keinen Nationalstolz und halte jede Art von Patriotismus für gefährlich.
„Sei stolz auf dein Land?“ Was habe ich denn getan, um darin zu leben? Ist doch alles bloss Zufall!
Stolz kann man auf eigene Leistungen oder die von anderen sein, wo man mitgeholfen hat, dass es dazu kam, aber auf eine Nation?

Hagel

Vorhin der erste Sommerregen hier. Ich mag diesen Geruch. Was riecht eigentlich da? Der Regen selbst, der nasse Staub, die plötzlich kälter werdende Erde? Pollen?
Dann Endzeitstimmung, mit Hagel, Blitzen und richtig düsteren Wolken. 10 Minuten darauf wieder der blaueste von allen Himmel. Als wäre nie etwas gewesen.
Und all das errinnert mich an einen merkwürdigen Satz, der wohl unbedacht ausgeprochen war – was aber, wenn er wahr war?
Wutausbruch?

Ghostchase (frei nach ATR)

Merkwürdig, wie schnell die Zeit vergeht, und wenn zusätzlich zu der Entfernung in der Zeit auch noch geographische Entfernung zu einem Ereigniss hinzukommt, so scheint es bei mir zumindest immer noch sehr viel schneller „weiter weg“ zu sein.
Hattest du den selben wundervollen Traum wie ich heute Nacht?
Es gibt so vieles, was man hätte anders oder besser machen können, aber letzendlich sind die Dinge so passiert, wie sie nun einmal passiert sind. Vielleicht ist das ja die bestmögliche „Version“ der Geschehnisse gewesen.

Du stolperst mit angeschwollenem Arm durch die Dunkelheit und kannst nicht mehr tanzen, obwohl jede Zelle in dir danach schreit, zu tanzen. Dance like nobody's watching, speak like nobody's listening, fuck like everybody's starring at you… Es ist kalt, und dein Arm fühlt sich an wie vergiftet, du spürst deine Nervenstränge, die dir entzündet scheinen. Aber was heißt das schon, du verfügst über keinerlei medizinisches Fachwissen, stolperst weiter über den Strand. Dann gibst du auf.
Das Bett ist deine Zuflucht. Improvisierte Wärmeflasche: PET mit heißem Wasser. Abgründe am Rande eines der schönsten Abende deines Lebens.
Was bleibt, ist der Ring.