I can't get no sleep

Du liegst auf deinem Bett und blickst kurzsichtig in den nächtlichen Sternenhimmel über dir. Und du weißt, dass du so nicht zum Schlaf kommen wirst. Es ist nicht die Hitze – daran hast du dich nach Jahren in einem Dachzimmer gut gewöhnt. Es ist auch nicht, dass du nicht eigentlich müde sein solltest.
Es ist etwas anderes.

She's got a butterfly on her back. Wie eine merkwürdige Landkarte. Gibt es nicht einen Falter, der Landkarte heißt? Es gibt auch einen mit einem Totenkopf. Piratenfalter.
Pirat, das scheint dein Schicksal zu sein.
Schickal? Erneute Flucht in die Arme von jemand, den du nicht liebst, nie lieben willst, die zu ficken dir jedoch der Mut (oder ist es doch die Lust?) fehlt.
Jetzt kann dich niemand einmal mehr der Gottvater der Maschine, die Stimme des Zahnräderwerkes in den Schlaf singen.

K und J sind neue Buchstaben. Es ist dieses altbekannte, vermischt mit dem Neuen, das du dir eigentlich hättest denken können, was dich so verwirrt. Als würdest du nach langer Zeit wieder eine hohe Wiese deiner Kindheit betreten und nur knapp über die Halme blicken können. Garden Eden revisited. Write or die trying. Das Pendel im Panthéon der Götter. Wir sind Wale im Ozean des Belanglosen. Bring me that horizon!

Neue Buchstaben? Alles Quatsch. Bloss neue Karten in dem magischen Spiel, das ich schon Jahre lang spiele. Aber eigentlich ist es kein Spiel. Es ist mehr als das. Ich zerdrücke ein kleines Insekt auf dem Bildschirm. Es gibt nicht mal einen Fleck.
Welchen Fleck wird meine Leiche hinterlassen?

L. habe ich erzählt, dass ich nicht einen Traumtod habe, sondern weiß, wie ich sterben werde. In Ungedanken vor einen Laster werde ich rennen, und er wird mich mitwegreissen, mit voller Geschwindigkeit. Und meine Rache an diese Welt wird sein, dass irgendein armer Teufel blutverschmierte Dreads und Gehirnmasse aus dem Kühlergrill des Lasters kratzen muss.

Du siehst dich selbst vor den Laster rennen, Musik hörend und nichts ahnend.
Ich brauche wirklich wieder ein Einschlafgespräch mit L. Und wenn es nur um Eier geht.
Ein Schluck purer Rum. Das ist es, was du jetzt nötiger hast als alles andere.
Wärme in der Kälte der Einsamkeit.

Was nützt es jetzt noch? Schreibst du, um dich dabei betrinken zu können oder betrinkst du dich, um schreiben zu können? Und was von beidem tust du, um schlafen zu können?
Es ist fadenscheinig. Fadenscheinig, meint der Herr B.

Ich versuche alles zu erklären
und verliere mich in Details.
Ich sitze am unteren Ende des Brunnens und sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Was ist das für eine merkwürdige Metapher? Du willst wieder in dein Bett, aber nicht, ohne alles erklärt zu haben, ohne in den Spiegel, was denkst du, hinter den Spiegel gesehen zu haben. Du weißt, wie du sterben wirst. Was kann der Zeitpunkt für eine schlimmere Information sein?

Schmetterling und Hund. Sind das nicht Sternzeichen? Ein Schmetterling zählt vielleicht als Drache, dann sind es chinesische. Vielleicht passt es sogar – obwohl, wohl kaum. Wohl kaum. Die Sterne sind entlegen.
Als würde sonst nichts mehr Sinn geben als dieses Philharmonische Orchester in meinem Kopf, zu dem beständig Feuerwerk abgeschossen wurde, im Sekundentakt, jede einzelne Note dieses wunderbar intimen Konzertes illustrierend. Damals in Köln. Es gibt dort sicher auch ein Pendel. Es war da.

Jene verhängnissvolle Nacht, als die Möwen das Meer näher brachten als ich wollte.
Es sind immer Lagerfeuer. Und du erwachst immer noch besoffen. Dies wird sich nie ändern.
Heute gibt es kein Feuer, nur das kalte Leuchten des Monitors in der absoluten Dunkelheit. Die Welt besteht aus einer dünnen Schicht flüssigkeitskristalle. Aus sonst nichts.

Ein Hund schlägt den Schmetterling, aber was ist mit den Sternen? Sind da Sterne über dem Schmetterling.
Und du würdest es hinbekommen, sie zu fragen, ob sie irgenetwas mit Sternen zu tun hätte. Noch bevor dir selbst diese teufliche Analogie aufallen würde, die dich schon seit immer begleitet. Der Drache und die Sterne.

Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, und sein Schwanz fegte aden dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde.

Dies verfolgt sich seit Ewigkeiten und in Ewigkeit. Du wirst ewig leben und solltest mit dem Rauchen anfangen. Wie soll so ein Schicksal sonst zu ertragen sein.

But why isn't all the rum gone yet?

Hilft mir doch jemand. A., L., wo seid ihr? Wo seid ihr, meine Musen, mich zu trösten und mir zu sagen, dass sich alles wieder richten wird? Wo seid ihr, Musen, mir im Traum zu erscheinen und mich zu beschützen?
Bei den Sternen seid ihr, im Sternbild des großen Wagens – oder doch im Kreuz des Südens? Ich will neben euch liegen. Nichts sonst tun. Nur neben euch liegen, mit der Gewissheit, dass ihr da seid und dann einschlafen.
Endlich schlafen. (In einem gottlosen Moment)

But why isn't all the rum gone yet?

Du hörst das Geräusch des Mobilfunkes in der Box deiner Stereoanlage. Aber da kommt nichts, keine merkwürdige Botschaft, kein Anruf in schwärzester Nacht. Du wirst niemals wieder schlafen können.

I can't get no sleep. So wie es das Schicksal eines Unsterblichen ist. (denn SIE wissen nicht, was sie verpassen…)

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