_

Nebel

Du machst diesen Transit von 10 Minuten mehrmals am Tag. Und immer liegt Nebel über dem Land.
Am Morgen ist er so dicht, wie du ihn selten gesehen hast. In deiner Kindheit hat man oft vom Nebel in Schottland gesprochen, der so dicht sein sollte, dass man seine eigene Hand vor Augen nicht mehr erkennen konnte. Nun, vielleicht ist der Nebel heute nicht so dicht, aber es übertrifft das, was du gewöhnt bist.
Und der Nebel lichtet sich nicht, selbst nicht am Nachmittag, als die Sonne es für kurze Zeit durch die graue Wolkenmasse schafft. Er bleibt über dem Land wie ein giftiger grauer Schleier.

Nick Cave

Fireball war gestern auf einem Nick Cave-Konzert. Eigentlich auf dem ersten Nick Cave-Konzert seines Lebens. Also nicht das erste, was während seines Lebens veranstaltet wurde, sondern das erste, auf dem er sich befand. Zudem war es das erste Konzert eines internationalen Superstars und das erste Konzert in dem luxemburgischen Konzertbetongklotz mit dem vielsagenden Namen Rockhal (Auf Beamtenfranzösisch heißt das Ding wunderschön „Centre de Musiques Amplifiées“.). Und damit fangen wir auch an. Bzw, fangen wir doch ganz am Anfang an, also an der Reise zu dem Konzert.

Da Fire in E., der nördlichsten Metropole Luxemburgs, die dadurch dennoch nicht im Ösling liegt, um das mal wieder und nochmal klar gestellt zu haben, lebt, ist der Weg zu der Rockhal relativ weit. Erfreulicherweise liegt die Rockhal jedoch an der Haltestelle „Belval-Usines“, so dass man mit der Eisenbahn bis fast vor die Tür des Centre de Musiques Amplifiées anreisen kann.

Vor mir reisten 2 Damen, die lautstark verkündeten, dass sie sich ebenfalls das Konzert des Herrn Cave ansehen würden. Im Laufe ihres Gespräches, das sich zuerst um Filme, dann um die Trinkgewohnheiten ihrer Schüler und schliesslich um Gartenpflege und pedantische Nachbaren drehte, stellte sich heraus dass sie Lehrerinnen waren. Ich hatte eher Zwergpunks erwartet. Obwohl ich das mit dem Bier und den Stiefeln nicht unbedingt erleben musste. (Oh mein Gott! Ich habe jetzt sicher 20 Minuten nach diesem Eintrag von Comme gesucht! Das ist nicht zu tolerieren. Livejournal, ist ne Suche wirklich so schwer?)

Nach einer Ewigkeit (Oh mein Gott! Die Türen sind schon 20 Minuten lang offen! Oh mein Gott!) kommt der Zug dann endlich an der Haltestelle „Belval-Usines“ an. Haltestelle ist eigentlich gut gesagt. der Bahnsteig ist ungefähr anderthalb Meter lang, davon ist die Hälfte während einer Zugdurchfahrt nicht zu betreten. Allerdings gibt es einen hochmodernen Durchgang, der einen sicher auf die Seite der Rockhal führt.

Fire fühlte sich die ganze Zeit lang priveligiert, weil er ja für umsonst das Konzert ansehen konnte, wegen Presseakredidation. Er fühlte sich erhaben über all diese Lehrer und sonstige Leute, die seine Eltern sein konnten, die mit ihm vorbei an rostigen Hochöfen, übrigens wunderschön, aber wieso muss man jetzt jede Menge neumodische Betonklötze daneben, davor und darin stellen, zu Nick Cave pilgerten. Dann sah Fire jemanden, der 2 Tickets für Nick Cave kaufen wollte. Sofort fühlte er sich noch einmal mehr priviligierter.

Netterweise gibt es keine Schlange für die Leute, die eine Presseakredation oder die Karten übers Internet bestellt haben. Und als Presse braucht man nicht einmal eine Ticket. Man wird einfach so durchgelassen. Nach dem Motto „Lass ihn durch, sein Name steht auf der Gästeliste.“ Wunderbar unkompliziert.
Vor dem Eingang für die Presse stand übrigens ein Mann, der Tickets verkaufen wollte. Fire gab ihm den Hinweis, dass da ein Mann stünde, der 2 kaufen wollte. Vielleicht hat dieser Deal ja geklappt.

Das Konzert fand im „großen Saal“ statt. Der Saal war groß, aber Fire war schon in größeren und schöneren Säalen gewesen. Aber immerhin. Das Konzert war als „fully seated“ angekündigt und war dies auch. Nach einigem Suchen fand Fire einen Platz, der eine akzeptable Sicht auf die Bühne bot. Dann galt es, die verbleibende Zeit zu überbrücken. Weiterlesen

Keller

ich kann genau sehen, denn ich beobachte die andere straßenseite seit mehr als vier nächten und ich sehe, dass zwischen den gardinen da drübern auf der anderen seite ich umgekehrt genauso beobachtet werde und ich höre all diese geräusche die von da aus kommen, und immer mehr und immer mehr und alles das, das höre ich doch…

Ich bin das ganze chinesische Volk.

Ich bin dann mal mir Nick Cave für lau ansehen. Ich hoffe bloss, der fängt früh genung an und singt nicht allzulang, ich möchte nämlich nicht unbedingt früher gehen müssen, weil das öffentliche Transportsystem mies ist.

Chaos und Neuordnung

Mein Bücherregal, oder das Brett, was ich einst dafür hielt, hällt nicht mehr und ein Großteil meiner Bücher sind im Raum verstreut. Ich habe angefangen, meine 5 Freunde-Sammlung, die höchst Dekoration ca. 5 cm über diesem meinem Tor zum Netz stand, schöner Farbübergang von Rot bis Blau, auszuräumen und sie mit meinen Lieblingsbüchern, Eco und Gaarder, danach Frisch und Harris, dazwischen ein paar einzelne philosophische Traktate. Darüber Mangas. In der Postakpokalypse ist das erlaubt.
Ich bemerke immer mehr den Platzmangel in diesem engen Dachzimmer und spiele mit dem Gedanken, das relativ unbenutzte Computerzimmer zumindest zum Teil als Bibilothek mitzunutzen.
Oder ich muss mir ein neues Regal kaufen. Und das sollte dann auch aus mehr als nur einem Brett bestehen.
Der Rest des Möbels ist übrigens zum einen Teil ein mit Unsinn vollbepackter Schrank, den zu misten ich nicht die Kraft habe, ausserdem finde ich es schrecklich, Bücher auszusperren, zum anderen Teil eine Kiste, ein Leeraum in dem ein paar Platikdinosaurier aus meinen Urzeiten ihr Dasein fristen und an dessen glatte Kante das Bett gehört. Es steht aber nicht dort. Alles in Allem habe ich recht hässliche Möbel, wie ich finde.
Meine Eltern haben mir einen grausamen Geschmack auferzwungen, damals.

Das hier ist ein Posting im Rahmen des Projekts: Schöner Wohnen.

No Bravery

Wir leben in einer toten Welt.
Die Erkentnis kommt während einer Zugfahrt. Wieviele tausend Gedanken habe ich schon gedacht, als diese ewiggleiche und doch ständig andere Landschaft an mir vorbeigerauscht ist? Ich errinere mich mit Schwermut an den Winter, an dem ich mit zwei fremsprachigen Männern in einem Abteil saß, durch die gläserne Abteiltür und das Fenster im Gang hinaus auf die verschneite Landschaft sah und über eine Reise durch Russland las.

Alle Götter sind gestorben.
Ein leeres Pantheon auf dem Olymp, ein verwilderter Garten Eden, ein Nirvana, gefüllt mit Mousse au Chocolat. Alle Wunder haben sie uns genommen und durch Prothesen ersetzt. Flüssigkristalle, Reisszwecken und die Atombombe. Alle Magie zerstört durch die Nanotechnik.
Als habe ein neues Leben begonnen, in diese Moment, auf dem Boden vor der Sparkasse, als dieser Typ vorbeikommt, für den es noch Wunder zu geben scheint, den mindestens 3 indische Götter auf Schritt und Tritt verfolgen und der häufig Geld schnorrt und sich mit merkwürdigen Handzeichen und kleinen Glöckchen bedankt. Und einen nach der Zigarette einlädt, etwas H. mit ihm zu rauchen. Als könnte das Leben den Neubeginn in einem Italo-Take-Away auf dich loslassen, gemeinsam mit der Hippiemusik aus dem Radio. Als wäre die herbstliche Dunkelheit nur der Vorhang, hinter dem eine neue Bühne sich offenbart…

METROSTAR 2050

Ich bin übrigens zurück aus Lyon. Ich hatte dort mal sehr kurz einen Internetzugang, musste dann aber essen gehen, und ausserdem waren auf diesem Kongress nur merkwürdige Leute, die mir bestimme über die Schulter geschaut hätten, und deshalb wollte ich nicht bloggen. Und ich kann einfach nicht mit einer Azerti. Das ist wie fleischfarbene Unterwäsche.

Lyon hat ein unglaubliches Transportsystem. Ich bin ständig mit dem Metro gefahren, bloss aus Spaß. Eine Metro-Linie fährt einen Hügel hoch und hat eine Haltestelle, an der ich nicht herausteigen wollte. Der Wagen hielt nämlich schief. Ich wäre sicher nach ganz hinten in den Metrowagen geruscht und die Tür niemals rechtzeitig erreicht.
Das ganze Metrosystem fährt übrigens ohne einen einzigen Angestellten. irgendwo tief unter Lyon gibt es einen gigantischen Computer, der heißt METROSTAR 2050. Der steuert sämtliche Züge, überwacht die Kontrollstationen, verkauft die Tickets und Abonements und gibt mit einer gespentischen Computerstimme Telefonauskünfte.
An diesem Montag sollte es einen Warnstreik des öffentlichen Transports in Lyon geben. Ich weiß nicht, wie es mit den Bussen und Trams aussah. Aber bei einem bin ich mir sicher: die Metro ist planmässig gefahren. METROSTAR 2050 streikt nicht. Er hat sicherlich sogar noch Auskünfte über die Verkehrs- bzw. Streiksituation der einzelen Buslinien geliefert.

In der Metro von Lyon arbeiten nur Nachts Menschen. Es scheinen bloss Schwarzafrikaner eingestellt zu sein, die einen blauen Overall mit den Worten „Propreté du Réseaux“ tragen und die Wände abwichen. Sonst sieht man im Metro nur Passagiere. Fast schon gespentisch. Und sehr unromantisch. Muss Metrofahrer doch ein ebenso romantischer Beruf wie Bergwerksarbeiter sein. Den ganzen Tag in der Tiefe, die Hände am Steuerknüppel, immer die nächste Haltestelle im Kopf, immer brav, immer mutig, immer treu. Aber es gibt ja METROSTAR 2050.
Der streikt auch nicht.

Omen?

Sind die neuerlichen Ereignisse mich und den öffentlichen Transport betreffend, ein Omen für mich, mich endlich dem Indivualverkehr zu widmen? (Und dieses rosa Stück Papier zu erwerben.)

1. Habe ich am Donnerstag den letzten Zug nach Hause verpasst. Der fährt auch schon 10 vor Mitternacht. Jedenfalls bin ich heimgefahren worden, glücklicherweise, aber was hätte ich getan, wäre ich alleine gewesen?

2. Habe ich heute eine unmögliche Verwechselung begangen und habe von allen möglichen Bussen jenen genommen, der am weitesten in die Pampa gefahren ist. Obwohl ich eigentlich nur 700 – 900 Meter weiter weg wollte.

3. Davor habe ich Angst. Wahrscheinlich nehme ich den letzten Bus in die Pampa, steige an einem Friedhof aus oder lande in einem quecksilberverseuchten ehemaligen Industriegebiet im Niemandsland zwischen Luxemburg und Frankreich.
Ist das ein Zeichen?