METROSTAR 2050

Ich bin übrigens zurück aus Lyon. Ich hatte dort mal sehr kurz einen Internetzugang, musste dann aber essen gehen, und ausserdem waren auf diesem Kongress nur merkwürdige Leute, die mir bestimme über die Schulter geschaut hätten, und deshalb wollte ich nicht bloggen. Und ich kann einfach nicht mit einer Azerti. Das ist wie fleischfarbene Unterwäsche.

Lyon hat ein unglaubliches Transportsystem. Ich bin ständig mit dem Metro gefahren, bloss aus Spaß. Eine Metro-Linie fährt einen Hügel hoch und hat eine Haltestelle, an der ich nicht herausteigen wollte. Der Wagen hielt nämlich schief. Ich wäre sicher nach ganz hinten in den Metrowagen geruscht und die Tür niemals rechtzeitig erreicht.
Das ganze Metrosystem fährt übrigens ohne einen einzigen Angestellten. irgendwo tief unter Lyon gibt es einen gigantischen Computer, der heißt METROSTAR 2050. Der steuert sämtliche Züge, überwacht die Kontrollstationen, verkauft die Tickets und Abonements und gibt mit einer gespentischen Computerstimme Telefonauskünfte.
An diesem Montag sollte es einen Warnstreik des öffentlichen Transports in Lyon geben. Ich weiß nicht, wie es mit den Bussen und Trams aussah. Aber bei einem bin ich mir sicher: die Metro ist planmässig gefahren. METROSTAR 2050 streikt nicht. Er hat sicherlich sogar noch Auskünfte über die Verkehrs- bzw. Streiksituation der einzelen Buslinien geliefert.

In der Metro von Lyon arbeiten nur Nachts Menschen. Es scheinen bloss Schwarzafrikaner eingestellt zu sein, die einen blauen Overall mit den Worten „Propreté du Réseaux“ tragen und die Wände abwichen. Sonst sieht man im Metro nur Passagiere. Fast schon gespentisch. Und sehr unromantisch. Muss Metrofahrer doch ein ebenso romantischer Beruf wie Bergwerksarbeiter sein. Den ganzen Tag in der Tiefe, die Hände am Steuerknüppel, immer die nächste Haltestelle im Kopf, immer brav, immer mutig, immer treu. Aber es gibt ja METROSTAR 2050.
Der streikt auch nicht.

3 Kommentare “METROSTAR 2050

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