Nick Cave

Fireball war gestern auf einem Nick Cave-Konzert. Eigentlich auf dem ersten Nick Cave-Konzert seines Lebens. Also nicht das erste, was während seines Lebens veranstaltet wurde, sondern das erste, auf dem er sich befand. Zudem war es das erste Konzert eines internationalen Superstars und das erste Konzert in dem luxemburgischen Konzertbetongklotz mit dem vielsagenden Namen Rockhal (Auf Beamtenfranzösisch heißt das Ding wunderschön „Centre de Musiques Amplifiées“.). Und damit fangen wir auch an. Bzw, fangen wir doch ganz am Anfang an, also an der Reise zu dem Konzert.

Da Fire in E., der nördlichsten Metropole Luxemburgs, die dadurch dennoch nicht im Ösling liegt, um das mal wieder und nochmal klar gestellt zu haben, lebt, ist der Weg zu der Rockhal relativ weit. Erfreulicherweise liegt die Rockhal jedoch an der Haltestelle „Belval-Usines“, so dass man mit der Eisenbahn bis fast vor die Tür des Centre de Musiques Amplifiées anreisen kann.

Vor mir reisten 2 Damen, die lautstark verkündeten, dass sie sich ebenfalls das Konzert des Herrn Cave ansehen würden. Im Laufe ihres Gespräches, das sich zuerst um Filme, dann um die Trinkgewohnheiten ihrer Schüler und schliesslich um Gartenpflege und pedantische Nachbaren drehte, stellte sich heraus dass sie Lehrerinnen waren. Ich hatte eher Zwergpunks erwartet. Obwohl ich das mit dem Bier und den Stiefeln nicht unbedingt erleben musste. (Oh mein Gott! Ich habe jetzt sicher 20 Minuten nach diesem Eintrag von Comme gesucht! Das ist nicht zu tolerieren. Livejournal, ist ne Suche wirklich so schwer?)

Nach einer Ewigkeit (Oh mein Gott! Die Türen sind schon 20 Minuten lang offen! Oh mein Gott!) kommt der Zug dann endlich an der Haltestelle „Belval-Usines“ an. Haltestelle ist eigentlich gut gesagt. der Bahnsteig ist ungefähr anderthalb Meter lang, davon ist die Hälfte während einer Zugdurchfahrt nicht zu betreten. Allerdings gibt es einen hochmodernen Durchgang, der einen sicher auf die Seite der Rockhal führt.

Fire fühlte sich die ganze Zeit lang priveligiert, weil er ja für umsonst das Konzert ansehen konnte, wegen Presseakredidation. Er fühlte sich erhaben über all diese Lehrer und sonstige Leute, die seine Eltern sein konnten, die mit ihm vorbei an rostigen Hochöfen, übrigens wunderschön, aber wieso muss man jetzt jede Menge neumodische Betonklötze daneben, davor und darin stellen, zu Nick Cave pilgerten. Dann sah Fire jemanden, der 2 Tickets für Nick Cave kaufen wollte. Sofort fühlte er sich noch einmal mehr priviligierter.

Netterweise gibt es keine Schlange für die Leute, die eine Presseakredation oder die Karten übers Internet bestellt haben. Und als Presse braucht man nicht einmal eine Ticket. Man wird einfach so durchgelassen. Nach dem Motto „Lass ihn durch, sein Name steht auf der Gästeliste.“ Wunderbar unkompliziert.
Vor dem Eingang für die Presse stand übrigens ein Mann, der Tickets verkaufen wollte. Fire gab ihm den Hinweis, dass da ein Mann stünde, der 2 kaufen wollte. Vielleicht hat dieser Deal ja geklappt.

Das Konzert fand im „großen Saal“ statt. Der Saal war groß, aber Fire war schon in größeren und schöneren Säalen gewesen. Aber immerhin. Das Konzert war als „fully seated“ angekündigt und war dies auch. Nach einigem Suchen fand Fire einen Platz, der eine akzeptable Sicht auf die Bühne bot. Dann galt es, die verbleibende Zeit zu überbrücken.Fire erkundete dazu die sanitären Anlagen der Rockhal. Die Klos sehr sauber, geradezu blinkend. Wahrscheinlich ist das Klo der einzige Saal in der ganzen Rockhal, in dem die Mauern nicht bloss aus Beton bestehen, sondern gefliest sind. Eine Überraschung jedoch das Waschbecken. Das sah aus wie das 1950er-Standardmodell für öffentliche Toiletten in Bahnhofsvierteln.

Hinter Fire saß wieder ein redseeliger Lehrer. Anscheinend kann diese Berufsgruppe es auch in ihrer Freizeit nicht lassen, den unersättlichen Trieb, sich selbst reden zu hören, nicht zu unterbinden.
Wie Nick Cave oder seine Musiker aussehen, schien die Mehrzahl des Publikums nicht zu wissen. Anders konnte Fire es sich nicht erklären, wieso mehrfach die Tontechniker mit Applaus bedacht wurden. Wobei das wohl auch gleichzeitig der Versuch war, Mr. Cave und seine Musiker (so ganz solo trat er ja dann doch nicht auf) auf die Bühne zu locken.

Irgendwann ging das Licht aus, die Musiker tauchten auf der Bühne auf und begannen ein kraftvolles Lied (Fragt Fire nicht welches!) und dann passierten mehere Dinge gleichzeitig.
1. Mr. Nick Cave sprang auf die Bühne
2. 66% des Publikums, das bis eben noch brav gesessen hatte, entschied, dass das Konzert ein Stehkonzert werden sollte
3. Genannte 66% sprangen vor die Bühne
4. Mr. Nick Cave began zu singen.
Vielleicht wurde auch noch irgendwo ein Kind gezeugt. Aber das hat FIre weder gesehen noch gehört.
„Du wurdest auf einem Nick-Cave Konzert gezeugt, in dem Moment, als Mr. Nick Cave auf die Bühne sprang, 66% Prozent des Publikums vor die Bühne sprang und Mr Nick Cave zu singen began“ ist dann doch ein schöner Satz für ein Kind, das danach fragt.

Nach dem ersten Lied rief jemand aus dem Publikum, das wie schon angedeutet, in großer Mehrheit Fires Eltern hätte sein können, sehr zu dessen Erstaunen:
„Nick, we love you!“
Nick antwortet: „I love you too!“, überlegt es sich nochmal, fragt „Who said that?“ und nimmt seine Brille aus der Hemdstasche, schaut sich den Betreffenden an und meint: „Yeah, I love you!“. Ausserdem nennt der das Publikum öfters „good people from Luxembourg“. Sehr symphatisch.
Das Publikum, das immer noch ohne Punkzwerge ist und von dem niemand auch nur den leisesten Versuch macht, den Anschein zu erwecken, als wolle er oder sie Fire Bier in seine Stiefel Schuhe schütten, verhällt sich wie auf einem Wunschkonzert. Vor allem „Mercy Seat“ und „Stager Lee“ wird sich immer wieder gewünscht.

Der Herr Cave spielt 2 Zugaben. Dh. er verschwindet 2 Mal hinter Bühne und spielt dann wieder 4 Lieder. Vor dem letzten Lied fällt Fires Nachbarn ein, dass er sich auch noch ein Lied wünschen möchte und brüllt „OPIUM TEEAAAAA!“.
Fire denkt: „Es gibt ein Lied von Nick Cave mit dem Namen „Opium Tea? Hast du nicht vor anderthalb Wochen in Lyon noch einen Tea mit dem Namen „Opiumfluss“ getrunken?“
Nick spielt was anderes.

Fire ist wirklich begeistert. Von Nicks trockenem Humor, von seiner Austrahlung, von der Magie, die die Lieder plötzlich live kriegen, von dem Schlagzeuger, der wie sein Instrument den Takt vor Anfang des Liedes der Band und dem Publikum entgegendonnert und von der Art, wie Mr. Cave Klavier spielt.

5 Kommentare “Nick Cave

  1. huhuuuuuuuuuuuuuu =)

    seit gestern kenne ich Deine seite und hab sie in zeiten des nichtstuns (des fing so ab halb 8 an) studiert. soll nicht abwertend kligen *nick* finde, du bist sehr interessant *rumhüpf*

    ich bin leicht bis mittelschwer beeindruckt. es gibt noch tiefgründige menschen *beschau*

    deine gedanken zu weihnachten teile ich im großen und ganzen und deine ansicht über leben und leben lassen…. XD

    schade, dass du kein gästebuch oder so hast…
    na ja, habs ma über icq versucht..

    liebe grüße

    und schreib mal bei gelegenheit (°°)

  2. et kéint nawell sinn dass mer elleng op den archive concert fetzen…jeje…dann muss ech entweder um 11 den bus huelen oder mech bei dir incrustéiren.

  3. Äh, Fire? Tontechniker werden *immer* beklatscht. (Gründe weiß ich auch nicht. Vielleicht, weil da überhaupt mal jemand auf der Bühne steht. Oder weil die, die als erste klatschen, schon klatschen, wenn da gerade mal ein Hemdzipfel um die Ecke lugt, und bis die große Menge begriffen hat, dass das grad nicht Nick ist, dauert's halt.)

    2) Ja, es gibt ein Lied von Nick Cave, das den Namen 'Opium Tea' trägt. (Banause!) (Ist auf der 'B-Sides and Rarities') (Ist übrigens ein wirklich putziges Lied :D)

    3) Boah, ich werd neidisch. Waren das echt so viele Leute da? Ich meine, bei uns auf den Plakaten steht recht eindeutig in großen, freundlichen Buchstaben 'Solo' drauf, und in meinem großstädtischen Realismus versteh ich darunter maximal drei Leute zusätzlich, obwohl, auch das nur bedingt. (Ich meine, wenn wir jetzt wirklich klugscheißen wollen, ist Nick Cave ja auch der übriggebliebene Soloact der Birthday Party. In etwa wie Robbie Williams, haha.)

    … November. Damn.

  4. hmmaaaaaaaah! *neid* Nick Cave kommt für 50-70 Euronen auch nach Mainz im November, und ich weiß nicht, ob ich wirklich so viel Geld dafür hinlegen soll. (ich sollte mal die sache mit meinem wunschberuf als musikkritiker durchdenken …)Meinst du, das Konzert taugt als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk?

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