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Meine Provinz

Auf der Bushaltestelle vor dem Schulhof der Grundschule von E. wird ein Auto von der Polizei kontrolliert. Du siehst das Blaulicht schon von weit her. Es ist eine nasse, kalte Herbstnacht, wie so viele Nächte in diesem elendigen Loch, dieser stinkenden Kleinstadt, die sich in das Tal drückt, als wolle sie besonders viel von dem Nebel in sich aufsaugen, der den Flüssen und Bächen an den Morgen entsteigt und oft bis in die Nacht hinein nicht verschwindet. Die Nacht hat den Vorteil, dass du die bedrückende Wolkendecke nicht siehst, die am Tag so oft über der Stadt hängt und dir manchmal das Gefühl gibt, kaum noch atmen zu können.
Deshalb flüchtest du oft in die Hauptstadt, die größer und teilweise schmutziger als E. ist, und dir trotzdem – oder gerade deswegen, einen Trost bietet. So hast du es auch an diesem Tag gemacht, und jetzt bist du wieder hier, in diesem Ort, von dem du mal scherzhaft behauptet hast, hier würde der Weltuntergang beginnen.
Du kannst dir keinen Ort vorstellen, an dem die Apokalypse einen besseren Anfang nehmen könnte als in dieser gottverlassenen Kleinstadt.

Jeder, der an der Haltestelle vorbeifährt, tut dies im Schritttempo. Es muss ja aufregend sein, was sich da abspielt, denkst du dir. Vielleicht ja ein Unfall und es gibt zumindest ein wenig Blechschaden zu bestaunen. Sonst passiert hier ja nichts.
Als du selbst einige Schritte weiter in Richtung Haltestelle gemacht hast, siehst du das starke Licht einer Taschenlampe, die offensichtlich den Kofferraum des Wagens, der nicht der Polizei gehört, ausleuchtet.

Es fängt an zu regnen. Weiterlesen

Fear and Loathing in Luxembourg/City

Ich sollte ein Buch unter diesem Titel schreiben. Oder das, was ich hier schon auszugsweise unter „Living la vida locca“ veröffentlicht habe, so nennen. Es passt wirklich. Denn Angst und Schrecken sind in dieser Stadt allgegenwärtlich. Sie ist fast greifbar. Und wahrscheinlich liegt es daran, dass alles so zerbrechlich ist. Man hat die Festung geschleift. Alle militärische Macht ist auf einige wenige hundert Mann und einen Militärtransporter geschrumpft.
Und auf diesen Straßen warte ich immer, dass ein großer roter Wagen mit offenem Verdeck vorbeifährt und jemand ruft:
Wait! We can't stop here! This is bat country!
Vielleicht fehlen mir aber auch bloss die Drogen.

Der Engel der Geschichte

Ein Engel, der aussieht, als wäre er im Begriff sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt.
Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind aufgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Anlitz der Vergangenheit zugewandt. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammensetzen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in einen Flügeln verfangen hat, und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schliessen kann. Dieser Sturm treibt ihn unablässig in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm (Einstürzende Neubauten – Der Engel der Geschichte, vum Soundtrack vun Berlin Babylon)

Dies erscheint hier, weil ich es a) wunderschön finde und b) es eine Schande ist, dass dieser Text sonst nirgendwo im Internet zu finden ist. Und das sollte er. Zum Mitsprechen.

Was ich immer schon sagen wollte

Kein Satz durch meine Kehle, der nicht Brandsatz wäre…

Darauf lässt sich vielleicht irgendwann etwas aufbauen. Obwohl, wieso eigentlich nicht jetzt. Meine Hände sausen mit ungeheurer Geschwindigkeit über die Tastatur, so schnell, dass ich keine Zeit mehr habe, zu überlegen und das LIcht ausmachen muss.
Ich wollte schon immer sagen, dass ich ihn Wahrheit nicht so viel Rum trinke, wie man durch das lesen dieses Blogs vielleicht denken könnte. Und „The Rum Diary“ hätte ich wahrscheinlich auch gelesen, wenn es „The Wodka Diary“ heißen würde, solange es von Hunter S. Thomson gewesen wäre, wäre mir das auch noch egal gewesen.
Ich muss jedoch zugeben, dass mich die Karibik, das viel zu heiße Klima in diesen Ländern, Piraten und vor allem der Rum dann doch sehr anziehen. Aber man kann auch eine gewisse Fazination von Heroin haben, ohne es je zu nehmen.
Oder Geschichten über Verrückte schreiben, die von Kokain schwärmen, ohne geil darauf zu sein, zu koksen. Oder von DJs mit Totenkopfmützen zu schreiben, ohne zu wissen, dass es dies wirklich gibt. Die Interpreation entsteht dann doch durch den persönlichen Kontext.
Also schreibe ich viel öfters von Rum, als ich welchen konsumiere. Nur für all jene, denen es schwer fällt, Fiktion von Realität zu unterscheiden.

Auf die Schule für angewandte Revolutionstheorie, Rebbellion und politischen Terrorismus jedoch gehe ich wirklich, falls da jemals jemand daran gezweifelt haben sollte, oder sich nicht sicher war.

L.

Und mitten in einem Lied, während du tierisch abgehst und du dich einen verdammten Dreck darum scherst, wie sehr du nachher nach Schweiß stinken wirst, kommt dir ein Gedanke. Er schleicht sich hinterlistig an, springt dich quasi von hinten an. Für einen Moment hörst du auf zu tanzen.
Du siehst ihr Gesicht deutlich vor dir, und mit einem Schlag wird es dir bewusst. Sie ist es, die fehlt.
Oder, wenn sie es nicht selbst ist, dann ist es die Vorfreude, sie wieder zu sehen, Kaffee mit ihr trinken zu gehen, neben ihr einzuschlafen und über Eier zu sprechen, die du vermisst.

Und was dich wütend macht sind die Versuche, dir diesen Verlust, den niemand sonst verstehen kann, dir zur Last gelegt wird, als bestünde er nicht und als hättest du den Schlüssel.

Stangenholz

DieJulia hat nicht nur ein neues Blog, sondern wirft auch neuerdings mit Holz durch die Gegend. Und das an die ganze Linkliste. Tja, und auf der stehe ich auch.

was ist ihre lieblingsmusik beim putzen?
Atari Teenage Riot. Obwohl ich das auch beim Coden höre.

wenn sie putzen, hören sie dann musik?
nein.

wann wurden sie das letzte mal mit halben hähnchen beworfen?
lang lang ist's her.

wenn sie eine kartoffel wären, welche sorte wäre das?
Pommes frites.

wurden sie je von einem tier angepöbelt?
nein.

wie ist der name ihrer zimmerpflanze?
Fagus sylvatica

was ist das riskanteste, das sie je gegessen haben?
Jedgliches Essen, das von Veganern zubereitet wurde, untern anderem auch die Spaghetti, wo die Soße zu 50% aus Knoblauch bestand.

sind sie mit wasserschweinen verwandt?
Nein.

gibt es einen richtig schlechten film, den sie trotzdem irgendwie mögen?
Ja.

ist ihre finanzplanung außerirdisch?
Oh jaaa-

wie lautet ihr schönster fluch?
putain de merde!

als was werden sie wiedergeboren werden?
ich bin unsterblich.

können sie dialekte nicht sprechen?
ja.

haben sie einmal mit einem metzger gekämpft?
Ja.

haben sie einen nationalpark adoptiert?
Nein.

geben sie belegten brötchen namen?
Das würde ich niemals tun

haben sie agressive gedanken, während sie im keller angekettet zum schlafen gezwungen werden?
Manchmal schon, ja.

können sie dialekte charmant aussprechen?
nein.

wenn sie eine karikatur wären, was wären sie dann?
Tingeltangel Bob.

was könnten sie verdrücken, wenn sie hungrig wie ein schwein auf toast wären?
Einen ganzen Gemüsegarten. Oder ein Tofutier.

wann haben sie zuletzt einen purzelbaum gemacht?
Vor 4 Jahren. Gezwungen.

sie bluten stark, was tun sie?
Schreiend und blutend durch die Stadt rennen.

„ficken”oder „vögeln”?
buppen.

habe ich eine meise?
Nur einen Raben.

Das Wurfholz geht an die gesamte Blogroll rechts.