Am Ende

Und dann kam ich an diesem See heraus. Und ich wusste: „Du bist am Ende der Welt.“
Ich konnte es weder damals, noch kann ich es heute erklären, aber das Gefühl, das dies nun das Ende sei, war stärker als alles, was ich je zuvor verspührt hatte. Sämtliche Rausche die je meine Synapsen verwirrten, hatten sich nicht so wundervoll groß und stark angefühlt wie dieses. Es war, als würde jede Zelle in meinem Körper die Gewissheit des Endgültigen laut aus sich heraus schreien, als würden alle meine Nerven für einen Moment nur noch diese Information übertragen, als atme ich die Gewissheit ein, als brenne sie mir auf der Haut.

Für einen einzigen Moment.
Dann war wieder Stille. Ich tat einen Atemzug und spürte, dachte, wusste: Es würde weitergehen. Es müsse weitergehen. DIe Unendlichkeit, die sich zumindest in der Dauer der Zeit und der Größe von Punkten als mathematische Einheit ausdrückte und deshalb in irgendeiner Form existieren musste, forderte diesen Weitergang mit einer großen, grauen, dumpfen Kraft.
Und ich wusste nichts Anderes, als nachzugeben und anzunehmen, dass es tatsächlich weitergehen müsste.

Ich spürte salzigen Wind auf meinen Lippen. War das hier ein Meer oder ein See?

Und ich wusste, dass es keine Worte geben würden, um das Gefühl zu beschreiben, das der Sand unter meinen Füßen verursachte, das erste erschreckte Zusammenzucken bei der Berührung mit dem kalten Wasser, keine Worte, keine Melodie, keine Bilder, keine Leider, die die schwere Melancholie zu beschreiben möglich gemacht hätten, die über diesem See lag, den ich gleichzeitig verfluchte und liebte, die viel tiefer lag als die bedrohlichen Wolken, die Luft so dick machte, dass ich fast Mühe hatte, durch sie zu gehen. Dieser Sonnenuntergang, für den jedes Wort zu wenig gewesen wäre, und der mir gleichzeitig den Atem raubte und mich nicht berührte.

Ich hatte gedacht, ich sei am Ende meiner Wanderung angekommen. Als würde ich eine Fischerhütte an diesem See bauen und fortan darin leben, in dieser einsamen Idylle, die mich verrückt gemacht hätte. Ich malte mir schon aus, wie mein Leben aussehen würde, wie ich die Fische fangen und einen kleinen Garten mit Obst und Gemüse beackeren würde. Ich dachte mir, ich würde viel Zeit zum Nachdenken haben, und alle Arbeit, die ich tun würde, wäre wie ein Gebet, bis ich die Weisheit erlangt hätte und alles niederschreiben würde.

Dann began es zu regnen.
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