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Eine Weihnachtsgeschichte

Der Himmel ist heute so blau, wie er es auch im Juli nur selten ist, und du hast das Gefühl, dass der Sommer an diesem Tag wieder da ist. Du siehst diese große hügelige Wiese vor dir, du spürst die heiße Sonne im Nacken, denkst an all die Wunder, die in deiner Kindheit passiert sind, an Äpfelsammeln in Streuobstwiesen*, an ewige Samstagnachmittage in Wäldern – und gleichzeitig wird dir bewusst, dass du einen Teil dieses Zaubers verloren hast.
Die Zeit heilt alle Wunder. Sie lächelt und braucht überhaupt nicht auszusprechen, was sie sagen wollte, denn du sagst ihr, dass Wahrheit in diesem Wortspiel steckt. Sie nickt wissend.

Mit einem Male stehst du wieder in dieser Streuobstwiese* und das schon goldene Herbstlicht scheint durch die dicken Blätter der alten, knorrigen Bäume, die voller Äpfel hängen. Du gehst mit deinen bunten Gummistiefeln leicht in den Matsch, den der letzte Regen hinterlassen hat, ein, wenn du den schweren Sack mit den Äpfeln hochhebst, um weiterzugehen. Das Leben ist ein Spiel hier in dieser schier unendlichen Wiese. Da das ganze Gelände im Hügel liegt, gibt es mehere Terassen mit Bäumen. Irgendwo hoch oben liegt ein vom Blitz getroffener Baum, ausgetrocknet und bleich.
Ein herrlicher Moment der Errinnerung. Dein Kopf ist voll mit Geschichten, die du ersonnen hast. Von Schleimmonstern, die in Sateliten hausen, von Detektivgeschichten, Superhelden** und Superschurken***

Das alles ist vorbei. Und gerade heute wird dir das noch einmal bewusster. Weihnachten ist dir egal geworden. Du empfindest keine Freude mehr, wie du es als Kind getan hast, und dein jugendlicher Hass dagegen scheint ebenfalls verschwunden.
Wo ist all das hin?

*Auf Luxemburgisch ist eine Streuobstwiese ein „Bongert“ . Ich finde, das dieses Wort sehr viel poetischer ist und sehr viel mehr aussagt als Streuobstwiese.
**Megadues. Wobei „Dues“ das luxemburgische Wort für Dachs ist.
***“Dr. Schredder“. Nicht zu verwechseln mit dem Gegenspieler der Teenage Mutant Hero Turtels.

Love? Hate! Kill! Chop! Fry! Destroy! oder: Last Chrismas, I gave you my heart. Do you want my liver this year?

Unfähig, zu beschreiben, was du fühlst. Landschaften der Zerstörung in deinem Inneren. Als habe ein atomarer Krieg dort gewütet. Mindestens. Täglich ein Einschlag, täglich ein Krater. Und wieso?
Ich weigere mich, aufzugeben. „Nein, ich werde dieses gottverdammte Spiel zu Ende spielen, so war ich CAPTAIN J. Fireball heiße!“, denkst du dir und musst selbst über das „CAPTAIN“ lachen. Wie furchtbar. Was für eine schrecklich lächerliche Vorstellung.
Brauche Muse, bezahle mit Texten.
Irgendjemand hat dich in ein tiefes Loch gestossen, ein Bohrloch in eine Tiefe, die du eigentlich nicht wieder betreten wolltest.
Was ist das für eine Scheiße hier unten?

Ein Ungeheuer mit hunderten von Mahlzähnen kommt auf dich zu und das einzige, was du zu deiner Verteidigung hast, ist kein Schwert, wie du gedacht hast, sondern ein rostiges Stahlrohr, das einmal einem Urzeitstaubsauger gehört hat.
Bloggen ist Seelentherapie. Nur will das nie jemand zugeben. Verschiedene Dinge verstehst du einfach nicht. Es will nicht in deinen Kopf hinein. Vor allem die Frage, wieso du plötzlich bloss ein rostiges Stahlrohr in der Hand hast, verschlägt dir quasi den Atmen. Und im gleichen Moment denkst du, dass du noch nie gehört hast, dass eine Frage jemanden den Atmen verschlagen hast. Also kann auch der faulige Atmen des Urzeitungeheuers mit 100ten von Mahlzähnen, in dessen Maul du schon quasi stehst, dir den Atmen verschlagen.

Das alles ändert nichts an deiner mehr als schlechten Situation. FUCK!

Love. Hate. Kill. Destroy.

Es brodelt unter der Oberfläche meiner Gedanken.
Dicke Blasen steigen aus der Tiefe in mein Bewusstsein herauf und platzen dort, eine eklige, grüngelbe Flüssigkeit verschüttend.
Ich will all diesen Dreck loswerden, lege mich stundenlang in die Wanne, alleine schon, um mich zu wärmen. Ich schrubbe wie ein Verrückter, meine Haut ist rot vom vielen Kratzen, aber trotzdem bleibt dieses Gefühl.
Die Frage, ob du irgendetwas änderen solltest. Da ist jedoch die Gewissheit, dass keine von all diesen Änderungen je etwas gebracht haben.
Als ob du von allen möglichen Welten immer nur die schlechteste zu schmecken kriegen würdest.

Podcast: Angscht a Schrecken ob enger Retroparty irgendwou am heigen Norden

Es ist mal wieder so weit. Eine neue Folge der wunderbaren und geliebten Serie „Angscht a Schrecken zu Letztebuerg – Fear and Loathing in Luxembourg“.

Angscht a Schrecken ob enger Retroparty irgendwou am heigen Norden (mp3, 7,08MB)

Die musikalisch unterlegte Version gibt es wie immer heute zwischen 16 und 17 Uhr MEZ in der Sendung Crumble auf Radio ARA (103,3 & 105,2 Mhz bzw. per livestream)

Und für alle deutschsprachigen Leser: Es gibt bald auch wieder einen deutschen Text zu hören! :) Weiterlesen

“Du Idiot”, dachte das kleine Stück Eisen, auf das er mit unglaublicher Kraft eindrosch, bis es zerbrach

Du bist noch keine 100 Meter gegangen, da denkst du dir „Was bist du nur für ein Idiot. Was bist du nur für ein dummes, hirnverbranntes Arschloch!“
Davor hatten einige Sekunden lang lächerliche Bilder und Vorstellungen in deinem Kopf gewütet. Wie ein Feuersturm, ein Buschbrand in einem trockenen Nadelholzwaldgebiet.
Und jetzt war jedes Umkehren unmöglich. Alles, was du jetzt noch getan hättest, wäre ein Versuch zur Erfüllung dieser Bilder gewesen, die unmögliche Aufgabe, diese lächerlichen Vorstellungen zu forcieren.