Regentropfen auf deiner Nase

Thierry hat Recht. Wir brauchen ein Manifest.
Ich verstehe nicht viel von Literatur. Und ich will mich selbst nicht Künstler nennen, weil ich zu sehr fürchte, damit falsch zu liegen. Ich bin doch einfach nur ich.
Ich habe das Gefühl, es werden nur noch Sachbücher und schlechte Romane über Geheimnisse der Kirche geschrieben, die aufregen wollen, es aber nicht wirklich tun. Jedenfalls so lange nicht, bis Hollywood darauf aufmerksam wird.
Nun, das ist jedenfalls das, was ich auf dem Büchermarkt sehe. Vielleicht lege ich vollkommen daneben damit. Aber im Internet, so scheint es, werden die wahren Geschichten geschrieben. Jeder Tag eine neue Perle, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Und ich sitze hier und lese die gleichen Blogs. Und jene 36 Feeds, die ich aboniert habe, sind nur ein Bruchteil von all dem, was ich lesen könnte und lesen sollte. Dazu kommen all jene Blogs, die kein Feed haben oder die ich nur sporadisch besuche, immer hunrig, immer auf der Suche nach neuem Lesestoff. Der nicht immer Literatur ist. Der manchmal einfach nur Alltagsgedanken sind.
Aber das ist egal, ein Manifest brauchen wir trotzdem.

Ich will wieder Bettgeschichten schreiben. Und verdammt, ich möchte die wunderbaren Geschichten anderer Leute lesen. Ich will länger aufbleiben wollen, um „nur noch schnell diesen Blogpost“ zu lesen. Ich möchte den Stimmen von Bloggern zuhören, wie sie ihre Geschichten vorlesen. Ich möchte junge Autoren lesen. Ich möchte diese Autoren zu bloggen bewegen. Ich möchte Blogger zum Schreiben bewegen. Ich will nicht, dass die wunderbare therapeutische Wirkung von Schreiben in verstaubten Schubladen in einem verschliessbaren Buch endet. Ich will ein Buch drucken lassen, mit Texten aus Blogs und jungen Autoren und Fotos von Menschen, die wenig Gelegenheit haben, ihre Fotos zu veröffentlichen.
Ich will, das eine Bewegung entsteht. Denn die Feder ist stärker als das Schwert, wie es so schön abgedroschen heißt.
Ich will weiter Geschichten schreiben. Ich habe verdammt viele Ideen, die alle nur darauf warten, geschrieben zu werden. Und ich jedes Buch, das ich mir als Kind ausgedacht habe und nicht geschrieben habe, weil ich dachte: „Das machst du später“, und es nicht geschrieben habe. Ich bereue jede Idee, die ich vergessen habe.
Und ich will nicht, dass es so weitergeht. Sei dies mein Manifest! Es ist ein persönliches, und es mag aus einer unbestimmten Wut heraus geschrieben sein, aber es besteht. Kunst wird erst durch Veröffentlichung zur Kunst. Ein Buch, das niemand je liest, könnte genausogut aus leeren Seiten bestehen. (Ein Schicksal, das Telefonbücher einst erleiden könnten!)
Ich will schreiben.

3 Kommentare “Regentropfen auf deiner Nase

  1. Ach jetzt warst du eher dran. :) Ich glaube im Grunde haben wir die gleiche Idee, die Kreattivität muss wieder zurück in die Hände von einzelnen Menschen und nicht einer großen Industrie.
    Ich kann dich übrigens aber beruhigen, es gibt noch Buchläden in denen man gute Bücher findet. Allerdings leider nicht in Luxemburg wo man unter all den Librairies Ernster und der MdL untergeht.

  2. Papier ist geduldig, hat man dereinst über Bücher gesagt.
    Was kann man über das geschriebene Wort im virtuellen Zwischenraum sagen?
    Druckerschwärze, dereinst das Herzblut der Autoren.
    Einsen und Nullen im Netz.
    Ich stelle sie mir immer lieber als Lichter vor. Virtuelles Licht!

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