Mondfinsternis Livebloggen

Bloggt eigentlich jemand die Mondfinsternis live? Mich erreichen dauernd Emails, dass ich mir die ankucken soll. Und netterweise funktioniert das auch noch vom Dachfenster aus. Was mir als Kind des Informationszeitalters jetzt aber fehlt, ist ein Kommentar, ob der Schatten der Erde sich gerade wieder verzieht oder sich gerade über den Mond schiebt. Das sehe ich nämlich gerade nicht so richtig.

23:10: Ich erfahre gerade, dass vds-astro.de eine „Live Übertragung“ ins Internet stellt. Das ist fast livebloggen.
Da ist auch zu lesen, dass wir im ersten Viertel angekommen sind. Also der Mond halb verdeckt.
Mondfinsternis
(Bild von vds-astro.de)
23:14: Ich war der Meinung, wir würden uns rasend schnell bewegen. So mit 300 km/s. Da müsste so eine läppische Mondfinsterniss doch sehr viel schneller gehen. Aber hey, immerhin ist der Schatten schon über die Hälfte. Will jemand ein schlechtes Foto mit dem Handy haben?
23:19: Na bitte. Wir näheren uns einem Ende. Und wenn man das Licht ausmacht, sieht man die Sterne auch. Ich höre übrigens gerade Chokebore, habe das Fenster auf, Licht und Heizung aus.
Mit ein wenig gutem Willen lässt sich der verdeckte Teil des Mondes als roter Schatten im Dunkel der Nacht erkennen.
23:25: Mir wird langsam kalt. Und der Mond ist immer noch als sehr schmales Band zu erkennen. Gibt es bei der Mondfinsternis eigentlich auch einen „Diamantringeffekt„?
Und merkwürdigerweise scheint man den Schatten der Erde über den Rand des Mondes hinaus sehen zu können. Das ist sehr merkwürdig. Aber eigentlich ist dies ein sehr poetischer Abend.
23:31: Die Sternenfreunde haben ein Wolkenproblem. Sowas aber auch, die könnten jetzt sicher tolle Fotos von einem halbroten Mond machen. Und sehr bald ist es wohl soweit, dass unser einziger natürlicher Satelit ganz in unserem Schatten steht.
Ich stehe auf meinem Bett und beobachten den Himmel. Das errinnert mich an die Sylvesternacht. Ich habe Feuerwerk noch nie in der Intensität erlebt als in der Nacht. Keine Drogenpartys, nur Drogenfilme und Poesie.
23:33: Man hat das Gefühl, dass diese große fahle Glühbirne da am Himmel langsam gedimmt wird. Und das, was die Erde gerade verdeckt, sieht sehr rot aus. Wie merkwürdig.
23:37: Es fehlt nicht mehr viel und ich denke, wir schaffen das noch vor Mitternacht. Allerdings ist es sehr kalt und ich bin dauernd im Clinch mit mir selbst, ob ich das Fenster nicht lieber schliessen soll. Im Zweifelsfall nehm ich heute abend eine improvisierte Wärmeflasche mit ins Bett. Like in the good ol' days.
23:44
: Isses das jetzt? Oder geht da noch was? Der Mond sieht gerade aus wie ein milchiges, trübes Auge, das mich vom Himmel aus anstarrt. DAS ist ein ziemlich gruseliger Gedanke. Schnell weiterkucken, wenn da noch was geht, dann jetzt!
23:50: Da geht definitiv noch was. Noch ist der Mond ein ganz klein wenig unbeschattet. Eine Linkliste mit vielen vielen Bildern aus ganz Europa gibt es hier.
Ich habe allerdings das Gefühl dass dort, wo die Leute gut ausgerüstet sind, das Wetter nicht mitspielt. Weiter gehts!
23:58: Nein Freunde, vor Mitternacht wird das nichts mehr mit der „totalen“ Mondfinsternis. Es ist immer noch ein gelber Schimmer oben links am Mond zu sehen, der sich ansonsten recht viel Mühe gibt, rot zu glühen. So könnte man sich eigentlich den Mars vorstellen. Nur, dass der Mars ein wenig weiter weg ist und ausserdem größer. Und es gibt keine Marsfinsternisen.
00:05
: Ok, vielleicht ist der Mond oben links einfach heller. Aber ich werde langsam ungeduldig. Ausserdem bräuchte ich eine astronomische Prozentanzeige. Oder eine kommentierende Radiosendung, die als Musik nur alle Versionen von „Fly me to the Moon“ spielt, die es gibt. Und das sind verdammt viele.
00:08: Ok. Es ist soweit. Totale Mondfinsternis. Und ein paar Wolkenfetzen ziehen auch schon vorbei. Was für ein Anblick. Ein roter Mond. Sehr spektakulär. Erwartet jemand von mir, dass ich den Rückgang auch nochmal blogge?
00:15: Komplette Wolkendecke in Richtung Ost-Südost. Dies ist wohl das Ende für heute Abend, das nächste Astronomiebloggen sind vielleicht die Leoniden. Oder der hallesche Komet. Damit zurück ins Studio.

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