Der perfekte Run

Jetzt kommt sie langsam auf dich zu,
das Wasser schlägt dir ins Gesicht,
siehst dein Leben wie ein Film,
du kannst nicht glauben, daß sie bricht.
Das ist die perfekte Welle,
das ist der perfekte Tag,
laß dich einfach von ihr tragen,
denk am besten gar nicht nach.

(Juli – Die perfekte Welle)

Ich lese ja grundsätzlich alles. Vor allem auf dem Klo ist es ein Phänomen, dass ich jedes bedruckte Stück Papier, das ich dort in die Finger kriege, lese. Mir schlafen regelmässig die Beine auf dem Klo ein, weil ich gelesen habe. Dann torkele ich wie ein bekiffter Betrunkener durch's Haus und kichere blöd, sacke zusammen und muss die ganze Zeit lachen. Ich lese Feuerwehrfachmagazine, ich lese das Fernsehprogramm, ich lese die Zeitung der christlichen Frauenbewegung, ich lese sie Gebrauchsanweisung, die auf der Seife steht, ich lese die Zeitung des Konsumentenschutzes, ich lese Frauenzeitungen. Als Kind habe ich immer die „Eltern“ gelesen und somit schon vor meinen Eltern gewusst, mit welchen fiesen Erziehungstipps sie ankommen würden. Know your enemy ist das Motto der meisten Klolektüren. Obwohl ich auch Kaffkas Verwandlung ganz auf dem Klo gelesen habe.

Ich finde Lesen beim extrementieren sehr viel entspanender als Diskusionen über das herauszudrückende Exrement. Man bildet sich während einer Zeit, die sowieso „verloren“ ist, weiter und lernt interessante Dinger über C-Rohre, wieso Männer nie guten Sex haben (oder so ähnlich), Erziehungsmethoden, oder den letzten Ausflug der christlichen Frauenbewegung nach Lourdes. Das ist wie beim Arztbesuch. Wenn im Wartezimmer bloss die „Cosmopolitan“ liegt, sollte man die Gelegenheit nutzen und einmal die Cosmopolitan lesen. Ich habe bei meinem letzen Arztbesuch im Mai des letzten Jahres einen Artikel über Weblogs in einer französischen Frauenzeitschrift gelesen.

Heute war es „autotouring“, das Magazin des luxemburgischen Automobilclubs, bei dem es in dieser Ausgabe einen Selbstest für den alternden Automobilsten, interessante Informationen über die neusten Motorräder, sowie Dinge, die man beim Transport einer zweiten Person auf dem Motorrad berücksichtigen sollte, gab. Ich besitzte noch immer keinen Führerschein, obwohl ich mir schon 3-5 mal selbst versprochen habe, ab einem gewissen Stichdatum damit anzufangen. Aber ich bin einfach zu beschäftigt. Ich fand diese Dinge trotzdem alle sehr interessant. Sollte ich je ein Motorrad besitzen, was ich bezweifele, so könnte ich eine eventuell durch das sexy Auftreten mit dem Motorrad gewonnene Muse sicher mit meinem motorisierten Zweirad über Stock und Stein transportieren und würde dabei beachten, dass das Kurvenverhalten meiner Maschine sich ändert.
Running Man
(Symbolfoto von Terry Johnston Some Rights reserved.)
Etwas hat mich jedoch etwas verärgert. Das war die Anzeigen der Firma „citabell sports“ (Es gab insgesamt 3 Mal die gleiche Werbung in dem Magazin, in verschiedenen Größen), die ein Bild einer Läuferin zeigte, darunter zwei Paar Turnschuhe mit Preisangaben, das Logo der Firma und Adresse und sonstigen Werbepiapapo. Wie gesagt, es geht um ein Geschäft, das Sportbekleidung und -zubehört verkauft.
Oben links in der Ecke stand:
Nach dem perfekten Run kommt das perfekte Dinner“
Ich finde so erfundene Jugendsprache und unangebrachte Anglizismen einfach nur furchtbar, aber darum geht es nicht unbedingt.
Ich habe ein riesiges Fragezeichen über meinem Kopf. Ich verstehe es einfach nicht.

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