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Venezuela und die Medien

Erschreckend, wie sehr die Wahrheit über das, was in Venezuela passiert ist, verdreht wird:
Mit RCTV sei der letzte Privatkanal in Venezuela geschlossen worden (so deutsche Medien):
Richtig: Neben RCTV gibt es in Venezuela ein dutzend weiterer Privatkanäle z.B. Globovision und Venevision- weitaus größere Privatkanäle als RCTV. Auch wurde RCTV nicht geschlossen, die staatliche Sendelizenz wurde nicht verlängert. Deswegen kann RCTV immer noch über Kabel und Satellit senden.

Weiteres zum Thema auf indymedia und im Parteibuch.
Ich hatte es schon merkwürdig gefunden, dass gerade die Regierung Bolivar Sender schliessen sollte und deswegen Tausende von Studenten auf die Straße gegangen sein sollten. Aber die Welt ist nunmal nicht immer so, wie sie in 30 Sekunden-Ausschnitten gezeigt wird.

Aha

Meine kleine Schwester findet mein Smashing Pumpkins-T-shirt toll.
Der ideale Zeitpunkt, sie musikalisch zu indoktrinieren; hab ihr gleich mal Siamese Dream und Mellon Collie and the infinite sadness auf den Ipod geladen.

Wind

Ein starker Wind weht durch's Fenster in mein Zimmer. Mein Zimmer. Diese Dinge hier sind mein. Ich bin diese Dinge. Meine Vergangenheit, mein Jetzt und meine Zukunft. Die Summe aller Teile, die mich ausmachen. DNS, Erinnerungen, Charakter und ein paar Gewürze. Alles gut mischen und heraus kommt ein Mensch. Instant-Karma, Seele aus der Tüte. Mikrowellen-Charakter.
Wind wie am Meer. A pirate I was meant to be!

Podcast: Angscht a Schrecken mam Billy Corgan

Übersicht über sämtliche „Angscht a Schrecken“-Folgen

Es ist mal wieder so weit. Angscht a Schrecken on the Air. Diesmal geht es, wie könnte es anders sein, um unseren Freund Billy Corgan, der am letzten Donnerstag als Sänger der Smashing Pumpkins in der luxemburgischen Haupstadt aufgetreten ist. Im Vorfeld des Konzertes habe ich mir so meine Gedanken gemacht, was denn so passieren könnte. Und das war nicht gerade wenig.

Angscht a Schrecken mam Billy Corgan (mp3, 4,41 MB)

Das ganze gibt es wie immer auch mit Hintergrundmusik und furchtbar tollem Jingle auf Radio ARA zu hören. Und das heute in der Sendung Crumble. Das zwischen 16 und 17 Uhr. Und heute gibt es, wie Thierry schon so schön angekündigt hat, einen weiteren Grund, einzuschalten. Nämlich werde ich mit Thierry ein wenig über Blogs und Podcasts reden, ausserdem wird sein Podcast „Bouneschlupp“ Premiere „on air“ haben.
Es heisst also einschalten, heute zwischen 16 und 17 Uhr auf Radio ARA, 103,3 und 105,2 MHz oder per livestream.

Den Text der Episode findet sich wie gewohnt unter „Mehr!“.

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Regen

Es regnet seit Tagen. So jedenfalls fühlt es sich an. Das Grau hat den Himmel über E. wieder, eine einziger Schuhkartondeckel anstatt eines Himmels.
Ich höre Mellon Collie and the Infinite Sadness und fühle mich verstanden. Oder eher: verbunden. Sich von Musik oder einem Musiker verstanden zu fühlen, habe ich schon immer für einen Trugschluss gehalten. Da müsste sich eher der Musiker verstanden fühlen, immerhin drückt er doch aus, und die Hörer interpretieren und verstehen möglicherweise. Dennoch will ich Niemandem das Gefühl des Verstanden-Werdens absprechen, kann ich mir doch gut vorstellen, dass es so ist.
Ich fühle mich bloß verbunden. Ein weißer Fleck auf der Karte meiner Erinnerungen, den diese Musik schemenhaft aufzeigt. Vielleicht auch bloß die Erinnerungen von jemand Anderem.

Es wird heller in meinem Zimmer, die Sonne scheint sich doch noch durchsetzen zu wollen an diesem Tag, der damit begann, dass ich vom Regen geweckt wurde und mein großes Dachfenster schloss, mit Freude bemerkte dass es Sonntag ist (und ich eine Woche Ferien habe) und mich noch für einige Momente hingelegt habe. Hätte ich unter dem Druck gestanden, aufzustehen zu müssen, wäre ich wieder in den Tiefschlaf gefallen, hätte merkwürdige, drogentripähnliche Träume gehabt und 15 Minuten später, dann natürlich viel zu spät, wieder aufgewacht und dorthin gerannt, wohin ich hätte rennen müssen.

Ich bin voller Melancholie. Wegen Dingen, an die ich mich nicht erinnern kann, vermutlich, weil ich sie noch nie erlebt habe. Ich sollte Geschichten über meine Jugend schreiben, die ich nie gehabt habe. Verschwende deine Jugend?
Gestern, als es gewittert hat, habe ich, einem merkwürdigen nostalgischen Reflex folgend, den PC ausgemacht und die Steckerleiste vom Strom getrennt. Und zwei Seiten geschrieben, auf der Hand, im Liegen. Das hat gut getan. Ich mag es, meiner Schrift zuzusehen. Schwarze Buchstaben in meiner Handschrift, die ich, wenn ich mir Mühe gebe, sehr mag, auf weißem Papier. Graues Heft.

Ich habe nun schon neun dieser Hefte, und bis auf zwei Ausnahmen sind sie alle grau. Ursprünglich hatte ich ein schwarzes Heft gewollt, aber es war ein graues dabei herausgekommen. Graues Heft, schwarze Tinte, Skizzen und Notizen. Grau, DIN A4 „Atoma“; das ist mein Moleskine. Vielleicht ist Schreiben das einzige, was irgendwie hilft.
Allerdings ist Lesen auch wichtig. Nobody loves me und Regentropfen auf deiner Nase sind heute noch so wahr wie zu dem Zeitpunkt, als ich sie geschrieben habe. Vielleicht sogar noch wichtiger.

Smashing Pumpkins are back

Dass die Pumpkins zurück sind, konnte man seit der neuen Single „Tarantula“ hören, aber so richtig fühlen war noch nicht. Ein Lied von einem Album macht noch keine Band, und einige vernebelt klingende Konzertberichte aus Paris machten die Botschaft noch nicht spürbar. Deshalb kann ich auch jeden verstehen, der sich die Frage stellt, ob es jetzt bloss eine Pumpkins-Coverband mit Original Sänger und Drummer ist, ZWAN mit neuer Instrumentalisierung und alten Pumpkins-Songs oder dann doch die „echte“ Kürbistruppe.
Sicher, ohne Jammes und D'arcy wird es nie wieder das gleiche sein, aber Jeff Schroeder (Gitarre) and Ginger Reyes (Bass) machen einen verdammt guten Job. Und verstehen sich mit Billy und er sich mit ihnen. Aber vielleicht sollte ich die Geschichte von Anfang an erzählen.

Gestern abend, Atelier. Irgendwann kurz nach 9 Uhr wird die furchtbar kleine und noch mit wenigen Menschen bevölkerte Konzert“halle“ verdunkelt. Die Zuschauer, die sich in weiser Voraussicht noch etwas Sauerstoff in die Lungen gepumpelt oder ein Grillwürstchen verputzt haben, strömen herein. Die Tür zum Backstage öffnet sich kurz, und ich erblicke kurz eine Glatze. Kurz später steht Fire, irgendwo in Reihe 10 oder sowas , inmitten einer tobenden Menge, während die – oh mein Gott; die Smashing Pumpkins auf die Bühne kommen und zu spielen beginnen.
Alle in weiß, die merkwürdigen Mäntel, die auf den Fotos von Paris zu sehen waren, scheinen für das Atelier zu sperrig gewesen zu sein. Billy trug einen kurzärmeligen weißen Overall und darunter ein schwarz-weiß gestreifen Longsleeve. Immer noch Glatze, immer noch Idealbesetzung für Voldemort, aber hey, das ist ein furchtbar wunderbarer Stil. Jimmy und Jeff hatten „normale“ weiße Klamotten an, während Ginger ein ziemlich extravagantes weißes Kleid trug, das sehr kurz war und vor allem aus merkwürdigen, weißem Zeugs bestand.

Die Pumpkins spielten drei Stunden lang, wenn man die Zeit zwischen den Zugaben mit zur Spielzeit zählt. Ansonsten waren es wohl zwei Stunden 50 Minuten, was immer noch verdammt lang ist. Die Setlist kann man sich hier ansehen.
Es war verdammt warm, laut und verschwitzt. Und die Leute sind so abgegangen, wie ich es in Luxemburg bisher selten gesehen habe. Zumindest bei „Today“, dem dritten Lied, ging das Moshen so heftig los, dass Fire die Gelegenheit beim Schopfe ergriff und sich bis in die 4te Reihe prügelte drückte tanzte. Dort wurde ich im Laufe des Abends einmal mit dem Ellenbogen an den Kopf geschlagen. Der Typ, der von der Figur her ebenfalls Security gespielt hätte können, entschuldige sich sofort und ich überlegte, ob ich ihn nicht umarmen sollte. Konnte man auf dem zweiten Konzert der – oh gott!, Smashing Pumpkins seit knapp sieben Jahren nebeneinander stehen, ohne Freunde zu sein?

Meine Freundschaft ging so lange, bis ich bei der nächstbesten Gelegenheit in die zweite Reihe gedrückt wurde und somit nicht nur Billy und seine Mimik gut beobachten konnte, sondern, wenn ich gewollt hätte, sicher auch Ginger unter den Rock schauen hätte können. Da meine Motiviation aber eher in der Musik und dem Überleben in dem schwitzigen, sauerstoffarmen und verdammt heißen „Atelier“ als bei der Unterwäsche von Ginger, die ihr Instrument übrigens, wie sie in einem fantastischen Solo bewiesen hat, mehr als nur beherscht, lag, versuchte ich zu überleben und hörte Musik.

Die Pumpkins sind zurück, und ich würde das nicht sagen, hätte Billy gestern abend nicht alle naselang gelächelt wie ein großer, zufriedener Keks und wäre er nicht auf das Publikum eingegangen, hätte er nicht 4-5 Plektren verteilt (da kommt es auch nicht wirklich auf das „ob“, sondern das „wie“ an, denke ich). Ich würde das nicht sagen, wenn man nicht irgendwo gesehen hätte, dass die Chemie zwischen Billy, Ginger, Jeff und Jimmy stimmt.

Als die Lichter angegangen sind, bin ich noch einige Zeit auf meinem Platz stehen geblieben. Das Konzert war vorbei. Der Boden sah aus wie ein gottverdammtes Schlachtfeld. Ich musste erst mal realisieren, was da passiert war.
Fire traf dann im Innenhof noch ein Mädchen und sprach mit diesem über Geruch. Es schien mich zu kennen, aber ich konnte es nirgendwo mehr zuordnen. Begeisterte Stimmung überall.
Ich hätte jetzt gerne einen lustigeren Konzertbericht geschrieben, so wie Comme es öfters tut, aber ich glaube, ich kriege das nicht wirklich hin. Ich bin absolut begeistert und freue mich auf das neue Album, Zeitgeist.
Fotos von dem Gig gibt es auf smashingpumpkins.com, das übrigens das neue Myspace ist. (haha!) Man sieht mich auch, glaube ich. Also, man sieht ein vogelnestähnliches Gebilde aus Haaren. Das bin ich, im Zweifelsfall.

Fetisch

Das Problem mit den T-Shirts von anderen Leuten ist, dass sie ja sowas von überhaupt keinen Charme oder Aura besitzen, wenn die betreffende Person das T-Shirt noch nicht getragen hat. Wobei. So lecker ist Schweißgeruch eh nicht.

Tonight

You’re real, if real ever was, it’s just because
We all are real, every living soul
Yes I’m real, ‘cause someone gave us sound

Die Nacht kommt leise und holt ihre Kinder ab. Text, mehr Text, immer mehr Text. Und ich interpretiere. Ich sollte Umberto Ecos „Die Grenzen der Interpretation“ noch einmal lesen. Aber würde ich dann sehr viel mehr verstehen?
Gerade als du dachtest, eine Sache wäre klar, da tauchte ein weiterer Stern am Nachthimmel auf und machte die Navigation unmöglich. Piratenschiff in der Nacht, nebliger Himmel, verschwommene Sicht auf die wichtigen Sterne, die dich auszulachen scheinen.
Meine Hände kribbeln immer stärker. Wenn ich doch bloss wüßte, wieso. Ich sollte nach Paris, zum Pendel, mich vor es niederwerfen und dann wissen. Nicht mehr nur glauben, sondern endlich wissen. Die allerletzte große Gewissheit.
I don’t want to be alone
I don’t want to be alone
I don’t want to be alone
Alone.
If it’s a white hot soul they want
It’s a black heart they’ll get.

Nicht alleine sein. Sie ansehn, den Kopf auf ihre Schulter legen, Ruhe fühlen, Musik hören. Hin und wieder ein Kuss. So einschlafen, als wäre alles andere egal.
Kerzentrinken bei Wodkaschein, Wein und Bier mischen und ganz furchtbar lachen, morgens früh laut brüllen wollen, aber zu sehr Halsschmerzen dazu haben. Alles ferne Erinnerungen. Was bleibt: Ein Stein, schwarz und abgeschliffen von dem ewigen Hin und Her der Wellen, des Sandes, des Lebens. Werden wir letzendlich alle glatt?

Die Nacht ist dunkel. Ich möchte ein philosophisch-romantisches Gespräch auf dem Dach sitzend führen und auf die Lichter der Kleinstadt blicken.

Today

Today is the greatest
Day I've ever known
Can't live for tomorrow
Tomorrow's much too long
I burn my eyes out
Before I get out

Ich wippe mit dem Stuhl hin und her, schaue zu dem blauen Himmel. Es sind viele, unschuldig weiße Schäfchenwolken zu sehen. Im Hintergrund singt Billy Corgan zusammen mit seinen Fans in Chicago „Today“. Vielleicht tut er das heute Abend wieder. Das erste Konzert seit beinahe 7 Jahren. In einer knappen halben Stunde. Mein Körper fühlt sich merkwürdig an. Ich habe heute den ganzen Tag über Schnupfen, tränende Augen und „Watte im Kopf“ geklagt und mich gefragt, ob ich auf einmal Heuschnupfen haben sollte oder krank werde. Schwalben fliegen über den Ausschnitt des Himmels, den ich sehe. Ich finde ihn wunderschön so. Er ist nicht monoton. Ich hasse einen einfarbigen Himmel, egal ob er grau oder blau ist.
Mein Körper kribbelt. Und ich weiß nicht wieso. Manche sagen, dass dies ein sicheres Zeichen für einen drohenden Herzinfakt ist, aber wenn dem so wäre, hätte ich schon mehr als einen Herzinfakt hinter mir. Oder er kommt heute, endlich.
Vielleicht weiß ich auch bloss nicht, wegen wem meine Hände kribbeln. Was für ein blöder Gedanke. HIL-Syndrom.
Alles ist klar und ich habe trotzdem nichts verstanden?

Ich interpretiere. Vielleicht sollte ich das nicht tun. Vielleicht sollte ich einfach nachfragen: Wie ist das gemeint? Was wolltest du damit sagen? Stattdessen große Gesten. Die große Rock-Geste. Dann: Fuck you!, am besten groß geschrieben und fett gedruckt, mit einer Manga-ähnlichen Bewegung. Die Grenzen der Interpretation flimmeren wie die Luft an einem heißen Tag, an dem der Asphalt langsam schmilzt. Ein Tshirt.
Ich denke die ganze Zeit daran und dennoch habe ich alles fast vergessen. Schrub-Schrub. Den Kopf auf ihre Schulter legen, die Augen schliessen und Musik hören. Doch wer ist „sie“? Ich schaue durch zwei dicke Scheiben durch die Realität und behaupte, ich wüsste, wovon das Leben handeln würde. Fast 20 Jahre und nichts dazugelernt.

Und jetzt? Alles löschen? Es ist nicht mehr der Schrei nach der Muse, sondern die Frage, wer sie ist. Alles wird unklar, flimmert, verschwindet vor meinem Auge, als drücke jemand meinen Kopf unter Wasser. Die Farben verschwinden vom Himmel, die Schwalben sind schon schwarz-weiß. Vielleicht habe ich bloss Fieber. Ich zerfließe in vollständige Unwissenheit, Unentschlossenheit, Gefühlslosigkeit. Zurück in den Mutterleib. Sich ins Bett legen und in eine klebrige, orange Flüssigkeit zerfliessen. Eingang ins Nirvana. Messias für Niemanden.

Wir sind doch alle bloss Sternenstaub