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Ich hab mein Bett frisch bezogen. Wanna go for a ride?

Du hast deinen Pullover vergessen, also gehst du noch einmal zurück, um ihn zu holen.
Tür auf, schmaler Flur, Lift, Pullover nehmen, Lift, schmaler Flur, Tür zu. Sie fällt ins Schloß.
Du gehst wieder einmal gegen den Strom, blickst die Menschen, die da wohl gehen, um zu feiern, eher traurig an. In deinen Ohren spielt eine wilde Band. Auf dem Platz, den du mit der Kunst des seitlich-daran-Vorbeigehens überquerst, spielt ein Orchester. Einen Moment lang sind die Klänge synchron, dann wird daraus eine monströse Kakophonie.

Ehe du in den Bus steigst, siehst du ein Mädchen, das dir irgendwie gefällt und du sagst die selbst, dass du sie anlächeln willst. Nur um ein Lächeln zurück zu erhalten. Oder auch nicht. Aber die Gewissheit, über deinen eigenen Schatten gesprungen zu sein. Ein Erfolgserlebniss an diesem Abend.

Ihr steigt beide ein. Sie setzt sich zu ihrem Freund, der schon im Bus saß und fängt an, ihn wild zu küssen.
Als du danach auf dem Bahnhof im Regen stehst, macht dir das nichts mehr aus. Du könntest dich ins Trockene stellen, aber du brauchst das nicht mehr. Es ist nicht einmal mehr nötig, den Pullover anzuziehen.

Life on other planets is difficult
so difficult.

winterlong

Körperlich müde. Ohne etwas getan zu haben. Es ist tagelang weiß.
Schlafen? Ausschlafen, endlich mal? Ich fühle mich, als hätte ich wochenlang nicht geschlafen, obwohl ich ganz genau weiß, dass das Schwachsinn ist. Ich möchte um 6 aufstehen und mir ein Frühstücksei gönnen können. Eingemachte Erinnerungen und Buchdeckelsuppe. Dies ist keine Pfeife. Noch 4 Stunden. Zwei Wochen Ungewissheit. Die große Freiheit. Der Kreislauf beginnt von Neuem. Noch zwei mal, dann kocht das Wasser über und wir tanzen Tango. Der Unendliche Stringtanga im Angesicht Gottes. Die Pyramide von E. Der heilige Gral steht im Heimatkundemuseum. Alte Gemäuer, baufällig, ein Abenteuerspielplatz für den jungen Marx. Die Lieder der Revolution ständig im Ohr. Ich finde es halt entspannend, wenn Leute mit rostigen Kettensägen auf alte Fässer hauen und laut teilweise laut schreien. Kriegshelden, die die Stadt nie betreten haben. Ich fahre selbst mit dem Panzer. Ich schiesse selbst auf Unschuldige. Ich drücke den Knopf für die Atombombe. Ich befehle den Tod von Millionen. Ist denn letzendlich nicht alles nur ein Spiel? Was wieder heißt, dass auch alles real ist, was bloss Spiel war. Weltraumschlachen in frühster Kindheit. I was a star wars kid. Schleimfressende Monster, die in Sateliten hausen. Durch Star Trek wurde ich zum Pazifisten. Captain Kirk war ein Weiberheld.
In der Matratze versinken und an nichts mehr denken. Alles ist tagelang weiß.

Freewriting #8

Diesmal auf der Hand geschrieben, deshalb „nur“ 1563 Zeichen.

Ina wusste nicht so Recht, was sie eigentlich genau vermisste. Ihre Kindheit war glücklich gewesen, jedenfalls so weit sie sich erinnern konnte. Immer, wenn jemand das Wort »Kindheit« sagte, musste sie an die Apfelbäume hinter dem Haus denken. In ihrem Kopf tauchte das Bild von goldener Herbstsonne, die durch die dicken Blätter auf sie und die glänzenden Äpfel fiel. Sie hatte ihre gesamte Kindheit auf diesen Bäumen verbracht. So jedenfalls war das Sinnbild, das natürlich nicht stimmte.

Sie hatte natürlich eine ganze Reihe von anderen schönen Erinnerungen, die sie nur zu gerne aus dem süßen Einmachglas mit der Aufschrift »Kindheit« hervorholte und dabei glückselig lächelte.
Vielleicht war es genau das. Sie tat das viel zu oft, um diese unschuldigen Zeiten nicht zu vermissen.

Unschuld, gepaart mit einer naiven Unwissenheit, die die Welt in einem goldgelben Licht erscheinen lässt. Das war es, was sie vermisste. Das Leben, wenn man sich seiner erst einmal bewusst geworden war, war nicht mehr unbeschwert. Es war nicht einmal mehr einfach, oder gar einfacher.

Das war auch ein Teil von dem, was die Melancholie auslöste. Sie hatte nie wie Peter Pan ewig Kind bleiben wollen, aber sie hatte Versprechungen gehabt. Verschiedene Dinge hatte sie sich selbst versprochen, andere hatte die versprochen bekommen, so wie Erwachsene nun mal Kindern Dinge versprachen, die sie eigentlich gar nicht wissen konnten. Oder sie sagten einfach »Jaja« zu dem Gebrabbel des Kindes, ohne zu merken, dass sie damit ein für das Kind gültiges, bindendes Versprechen abgegeben hatten.

Nevermind

Ich weiß nicht mehr wo das war, aber irgendwo habe ich gelesen, dass Nirvanas »Nevermind« als das letzte Album bezeichnet wurde, dass man (ohne sich zu ärgern) ganz durchhören könnte. Ich wage dem zu widersprechen. Nach 1991 kamen noch einige Alben raus, die man ohne Probleme ganz hören kann, auch wenn sie sich vielleicht nicht ganz so toll zum Autofahren eignen als Nevermind. Ausserdem ist nach „Something in the way“ und vor dem Bonustrack einige Minuten lang Stille, was eben dazu führt, dass man das Album nicht ganz durchhören kann.
Auf jeden Fall gab es auf dem Cover einen nackten Jungen zu sehen. Und der ist heute 17 Jahre alt. Und sieht so aus. Mal abgesehen davon, dass die Musik wirklich gut ist, ist das Cover »typisch 90er«, vor allem der Effekt auf dem Albumtitel. Eigentlich furchtbar, aber dann auch wieder irgendwie toll.

(via nerdcore)

mhmm

Irgendwie habe ich das Gefühl, mein Blog will mir etwas mitteilen.
Übrigens schreibe ich diesen Beitrag, während ich mich mit ungefähr 107208 km/h bewege.
(Mami, Mami, er fängt immer aaaan! Mähhh!)

Merkwürdig

Du gehst durch den Regen und mit einem Male fällt dir auf, dass es dir nichts mehr ausmacht, nass zu werden. Du fragst dich kurz, ob du taub für Empfindungen geworden bist und entschliesst dich dann, diesem Thema lieber nicht auf den Grund zu gehen.
Eine kurze, hastige Begegnung. Wieso lässt du sie nicht einfach an die vorbeilaufen? Wäre das nicht unendlich einfacherer gewesen? Ein merkwürdiger Blick. Du nimmst nicht einmal die Kopfhörer aus dem Ohr, um mit ihr zu sprechen. Rennen, den ganzen Tag Rennen. Von A nach B, von A nach B, aber weswegen? Alles ist leer und dunkel.Was ist das in deinen Ohren? Nur Druck? Oder doch ekliges Krabbeltier from outer space? Es gibt heute keine Antworten. Heute war nicht einmal ein schlechter Tag. Alles ist vage, schwammig, mit einem feinen Nebel aus grauem Niesel überzogen. Manchmal möchtest du ein Wal sein. Der Regen stört dich nicht mehr.

Es gibt Momente, da atmest du so tief, dass du Angst hast, dein Bauch würde platzen.

Freewriting #7

Was war diese ganze »Liebe« überhaupt? Konnte man dieses Gefühl irgendwie beschreiben, in Worte fassen oder auch nur erahnen, was es eigentlich bedeutete? Sie wollte eine Beziehung, aber war das direkt Liebe? War eine engere Freundschaft mit Küssen und Sex nicht auch eine Beziehung? Und war es wirklich das, was sie wollte?

Sie wollte ihn vorlesen hören. Sie wollte selbst ein wenig zu dem, was er erzählte, kritzeln, vielleicht sogar diesmal Etwas konkretes, schönes zeichnen. Das war doch eigentlich eine schöne Arbeitsteilung: Er schrieb diese wunderbaren Geschichten und Gedichte, sie zeichnete dazu die Bilder, die er in ihren Kopf zauberte. Aber sie würde es bestimmt wieder nicht schaffen, das abzubilden, was er in ihrem Kopf hervorrief. Aber er könnte Liedtexte schreiben, und sie würde sie für ihn spielen. Wenn es sein musste, auch nackt.

Brachte eine gemeinsame künstlerische Betätigung zwei Menschen näher? War es einer Beziehung förderlich, sich auch auf diesem doch sehr persönlichem Gebiet zu ergänzen? Und vor allem: Machte sie sich nicht zu viele Hoffnungen in ein Gespenst, das sie nicht einmal wirklich kannte?

Sie Strich über ihren glatten Beine, an der Stelle wo ihre Hose auf ihre Socken traf. Da sie im Schneidersitz auf ihrem Bett saß, war dort ein Stück nackte Haut zu sehen. Sie mochte es, glatte Beine zu haben und diese zu berühren. Ein Gefühl von Reinheit, Unberührtheit, ja Jungfräulichkeit.

Dabei war Ina doch alles andere als unberührt und jungfräulich. Ihr Exfreund hatte mal gemeint, sie wäre versaut, aber das hatte er positiv gefunden. Sie wusste nicht, ob das stimmte. War „versaut“ nicht nur eine Messlatte, die jeder anders legte? Sie hatte ihre Bedürfnisse, ihre Triebe und sie hatte die mit ihm zusammen ausgelegt, und das war schön, und, wie sie fand, richtig.
Aber sie meinte nicht nur ihre sexuelle Unversehrtheit, die ihrer Meinung nach nicht mehr existierte. Es war etwas anderes, ein großer dunkler Fleck tief in dem Brunnen ihrer Seele, der sie störte, den sie eigentlich verabscheute und sie dennoch zu dem Menschen gemacht hatte, der sie heute war.

Hatte jeder einen dunklen Fleck tief in seinem Inneren? Sie stelle sich ihn noch einmal vor. Seine Haare, einen Hintern, eine Augen, sein Körper, den sie gutausehend fand, von dem sie aber nicht wusste, ob sie ihn nicht bloß hochromantisierte zu dem Helden ihrer feuchten Träumen, von denen sie in Mädchenzeitschriften immer gelesen hatte, die sie aber nie gehabt hatte. Wie sah sein Inneres aus? Ina glaubte, dass jemand, der so wunderbare und schöne Texte schrieb, nur eine wunderbare und schöne Seele haben konnte, aber was war das für ein Gedanke? Als ob die Schönheit der Seele mit der äußeren Schönheit zusammenhängen würden! So etwas wollte sie eigentlich nicht denken.

Sie betrachtete noch einmal ihr Zimmer, und ihr Blick fiel auf ihr großes Bücherregal, in dem nicht nur die verlorenen Träume ihrer Kindheit, sondern auch jene Werke standen, die sie in jüngster Zeit beeinflusst hatten, die sie inspiriert und ermutigt hatten, wieder zu träumen. War das nahende Ende der Pubertät der Beginn einer neuerlichen Entdeckung der Magie, eine Wiederverzauberung der Welt und des Lebens?

Ina vermisste das Gefühl, das sie in ihrer Kindheit gehabt hatte. Regenbogenfarbene Tagträume waren damals an der Tagesordnung gewesen. Was war heute daraus geworden?

Podcast: Angscht a Schrecken um Virowend vun Nationalfeierdaag do, wou jiddereen waar

Diesmal geht es um den Vorabend von Nationalfeiertag in Lux/City, besonders im ach-so-beliebten Stadtteil und ehemaligem Vorort Grund. Es tauchen wie schon so oft unser Freund Toni, Angst, eine Menge Drogenverrückter, die Gefahr, zerquescht zu werden und Schrecken auf.

Angscht a Schrecken um Virowend vun Nationalfeierdaag do, wou jiddereen waar (mp3, 5,16 MB)

Während ich mich frage, wieso man auf Dinge reagiert, die einen angeblich gar nicht interessieren, gibt es die Folge wie immer als Text nach Klick auf „Mehr!“, sowie über den Äther mit Intro und Hintergrundmusik heute zwischen 16 und 17 Uhr auf Radio ARA, 103,3 und 105,2 MHz und per livestream.
Und ich warte auf die neuste Folge der Bouneschlupp. Hihi, das fallen mir Ideen für Jingles ein. (Bouneschlupp – Podcast wéi freiher! Bouneschlupp – elo mat extra vill Bounen! Ok, muss man vielleicht noch ein wenig ausbauen.)

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»Oh mein Gott« schrie er, sinnierte über ein Schiff, träumte von Rockliteratur und schlug auf den Toaster ein.

Wer auf omg.lu sagt, dass er Sachen nicht lustig findet, wird allem Anschein nach sofort auf mein Blog verwiesen. Jüngst passiert mit den Worten: […] wann der d’Posts op dessem Blog[omg.lu] hei net sou gefaalen, dann kann ech der eng Alternative firschloen: http://soulzeppel.in – Do kannste flott Geschichten iwwert een fiktivt Meedchen waat sech Ina nennt liesen. D’Kritiken zu eisem Blog sin aehnlech wei deng, an en plus gesste gewuer wou den Joel Freides owes raus geet an waat en su mescht, wann en um Scheisshaus setzt! =)
Übersetzung:
[…] wenn dir die Posts auf diesem Blog [omg.lu] hier nicht so gefallen, dann kann ich dir eine Alternative vorschlafen: http://soulzeppel.in – Da kannst du tolle Geschichten über ein fiktives Mädchen dass sich Ina nennt, lesen. Die Kritiken zu unserem Blog sind ähnlich wie deine, und zusätzlich erfährst du wo Joel Freitag abends hingeht und was er so macht, wenn er aus dem Scheisshaus sitzt! […]

Ja, hier gibt es Prosa über fiktive Personen! Und diese sind auch noch erfunden! Freaky! Hatten gewisse Leute eigentlich nicht gesagt, sie würden nicht mehr hier lesen wollen? (Nur mal so.) Mich wundert es eigentlich, dass die Wörter »Tee« oder »Emo« nicht vorkamen. Ein weiterer Punkt auf der real exisitierenden »Bist du ein Emo?«-Liste von Myspace war das Besitzen von Band-Tshirts. Und hey, ich besitze ein Bandtshirt!

Ein Poster der betreffenden Band hängt in dem Lokal, dass ich am Freitag besucht habe. Es folgt jetzt eine Zusammenfassung der Dinge, die ich dort getan habe. Man kann hier also nicht nur lesen, wo ich Freitag abends hingehe, sondern auch noch, was ich dort gemacht habe!
Die Jungs von omg.lu sind trotz schwammiger Einladung dort nicht aufgetaucht, was der Stimmung jedoch nicht geschadet hat. Oh, was habe ich das Fly vermisst! Wie konnte ich so lange ohn den Geruch von verstaubten Fallschirmen, Holzmöbeln, 5 Stangen Zigaretten, Schweiß und ein Hauch von illegalen Substanzen leben? Die Musik war am Anfang anders, dann kam aber wieder das, was man so gewohnt ist, unter anderem natürlich auch »Killing in the Name of«. Es war ein wenig wie Heimkommen, aber mit dem unguten Gefühl, dass irgendjemand die Möbel ein wenig verrückt hat, die Zierleisten eine neue Farbe haben und ein neues Haustier präsent ist. Trotzdem sind viele sehr gute Erinnerungen wieder aufgetaucht, unter anderem die wunderbare Szene, wo A. Geburstag hatte und ich krampfhaft versuchte, ihren Kuchen an die Leute zu verteilen. Es wollte aber niemand den Kuchen, weil alle glaubten, er wäre mit illegalen Substanzen gebacken. Was nicht den Tatsachen entspannt. Ausserdem neue Bekanntschaften und: getanzt. Alles in allem eine sehr gute Entscheidung am Nationalfeiertagsvorabend, weil der Laden einmal nicht zu eng war und ich mir keine Fahnen oder solche Bilder(Merci Huesi!) antun musste.

Ich träumte in der folgenden Nacht bzw. dem, was noch davon übrig geblieben war, wild und wirr, wohl nicht zuletzt ob des Alkohols in meinem Blut. In meinem Traum war ich von einer Rockband dazu auserwählt worden, einen meiner Texte zu ihrer Musik hin vorzutragen. Ich war sehr erfreut ob dieses Vorschlages, dachte aber erst kurz vor der Vorstellung (Ich war wohl sehr spontan gefragt worden, aus welchem Grund auch immer!), die auf dem Schulhof meiner Grundschule, auf dem am Nationalfeiertag immer das Volksfest stattfand, ehe man beschloß, den Grundschülern der Stadt Möglichkeiten zum Sport zu bieten stattfand, was aufgrund der eben genannten Gründe ja nicht möglich sein sollte, es im Traum jedoch war, daran, dass ich meine Text eigentlich nicht auswändig kannte und mir deshalb noch schnell einen besorgen musste. Es wäre nun ein einfaches gewesen, den heimischen PC, welchen 5 Fußminuten von der Grundschule wegliegt, zu bemühen und dort einen geeigneten Text auszudrucken. Ich musste hingegen, wegen welchen merkwürdigen Umständen auch immer, an einen Mac in einem dunkeln Raum gehen um dort nach dem Text zu suchen, was mir jedoch nicht gelang. Oder so ähnlich. Ab diesem Zeitpunkt wird die Erinnerung schwammig, und ich wachte wohl irgendwann auf oder vergaß den letzten Teil des Traums. Lustig aber irgendwie, dass im Traum ein Traum in Erfüllung gehen sollte. Literature is the new Rock!

Im luxemburgischen Blogklumpen gab es derweil einige Reaktionen auf den omg.lu-Flame: Thierry brach Serge das Herz und erfreute meins, blogGeescht freut sich schon auf nächsten Nationalfeiertag und Benem meint, ich hätte doch lieber geschwiegen.

Freewriting #6

2500 Zeichen heute. Ich bin zufrieden, auch wenn ich teilweise etwas gestockt habe und relativ oft während des Schreibprozesses an Sätzen gefeilt habe. Aber ich komme da nicht wirklich drum herum.

Sie hoffte, dass er ihr etwas vorlesen würde. Zum Beispiel das, was er im Zug geschrieben hatte. Woran er wohl dachte, wenn er unterwegs zu ihr war? Was trieb ihn an, sie zu treffen? Und wie war wohl seine innere Reaktion auf ihren Vorschlag, sie bei ihr zu Hause zu besuchen, gewesen?
Sie mochte seine Stimme. Einmal hatte er ihr am Telefon ein Gedicht von sich vorgelesen, und sie hatte gehofft, es würde ewig dauern. Er beruhigte sie, versetzte sie in eine gewisse Stimmung, die sie entspannen lies und sie gleichzeitig fast verrückt machte. Was würde heute Nachmittag passieren?

Ina hatte schon merkwürdige Erfahrungen mit solchen ersten Begegnungen gehabt. Einmal war zu heftigen Knutschereien gekommen, andere Male wusste sie danach noch weniger, was sie denken und wollen sollte als vor dem Treffen. Aber diesmal sollten die Dinge ja auch ein wenig anders sein, immerhin war er nicht irgendein Date, sondern jemand, der sich sie ausgesucht hatte, weil er sie im Bus gesehen hatte.
Er hatte ihr allerdings nie erklärt, wieso er gerade ihr diesen Zettel gegeben hatte. Sie war damals nicht sonderlich hübsch oder aufreizend angezogen gewesen, noch hatte sie ihn beim Einsteigen angelächelt oder zu ihm hinübergesehen. Sie hatte nur Augen für die Straße, die Welt jenseits der Scheibe gehabt und versucht, sich nicht auf die stumpfen Gespräche der kaugummikauenden Modeopfer zu konzentrieren. Sie hielt sie für Modeopfer, was aber nicht bedeutete, dass sie nicht selbst irgendeiner schwammigen Mode folgte, die sich gewisse Dinge aus dem Mainstream herauspickte, sie mit mehr oder weniger unpassenden Dingen verband und so etwas kreierte, das man nicht an jedem Menschen sah, jedoch auch nicht völlig fremdartig wirkte. Die Kunst, aufzufallen und trotzdem kein Fremdkörper zu sein, gelang ihr meist.

Wahrscheinlich war es deshalb gewesen. Sie war ihm aufgefallen und dann hatte irgendeine Eingebung ihn veranlasst, ihr einen Zettel zu geben. Vielleicht, weil er gerade eine Geschichte im Kopf hatte und nicht weiterkam. Eine Muse brauchte. Er hatte das Wort »Muse« ein paar Mal verwendet, allerdings nur in Bezug auf andere Leute, die wohl Teil seiner Vergangenheit waren. Suchte er in ihr eine Art Inspirationsquelle, ein Modell für Personen in seinen Geschichten?

Ihr Exfreund hatte sowas ähnliches in ihr gesehen. Sie wusste bis heute nicht, ob ihr das wirklich gefallen hatte. Wollte sie geliebt werden, weil sie jemanden inspirierte, oder wollte sie jemanden inspirieren, weil er sie liebte?